Entscheidung steht bevor: Ist hier bald Linksabbiegen erlaubt?

Zwickaus Stadtverwaltung möchte seit Jahren die Max-Pechstein-Straße vom Verkehr entlasten. Nun hat sie offenbar die Lösung gefunden.

Zwickau.

Der Verkehr an der Kreuzung Leipziger Straße/Kolpingstraße in der Zwickauer Nordvorstadt soll bald runder laufen. Den bereits diskutierten Kreisverkehr wird es jedoch nicht geben. Er wäre erstens zu teuer, und zweitens steht nicht genug Platz für einen Kreisel zur Verfügung. Eine vom Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme erstellte Studie bietet vielmehr eine andere Lösung an: eine neue Ampel mit einer anderen Schaltung und dazu zusätzliche Fahrspuren. Der Bau- und Verkehrsausschuss des (alten) Stadtrates wird in seiner Sitzung am 24. Juni über den Umbau beraten.

Erreicht werden soll vor allem eines: den Verkehr künftig aus der Max-Pechstein-Straße herauszuhalten. Rund 6000 Autos quälen sich pro Tag durch die enge Straße, um von der Leipziger Straße zum Dr.-Friedrichs-Ring zu gelangen. Bei der Ringauffahrt bilden sich an der dortigen Ampel regelmäßig Staus. Die Lösung: Autofahrer aus Richtung Pölbitz können bereits von der Leipziger Straße nach links in die Kolpingstraße abbiegen. Bisher ist das nicht möglich. Über die Bundesstraße 93 ist die Weiterfahrt zum Stadtring möglich.


Zum Abbiegen allerdings müssen die Autos das Gleis der Straßenbahn überqueren. Um dem Nahverkehr nicht den Vorrang abzuschneiden, werden die Fahrzeuge mittels einer sogenannten Diagonalampel aus der Kreuzung geleitet, sobald sich eine Bahn in der Ampelsteuerung anmeldet. Für eine verkehrsabhängige Steuerung muss die Anlage das Verkehrsaufkommen erfassen können. Dazu werden Induktionsschleifen in der Fahrbahn und Detektoren im Gleis verlegt.

Freilich ist die Ampel nicht die optimale Lösung. Die Vorzugsvariante, die auch im Ausschuss vorgestellt wurde, beinhaltete einen kompletten Umbau des Verkehrsknotens. Das allerdings hätte den Einbau einer Dreiecksinsel bedeutet. Dabei wäre die marode Abdeckung des Moritzbachs zu einem Problem geworden. Vor allem wären die Kosten gestiegen. Zudem hat eine Simulation ergeben, dass der erwartete Verkehr auch ohne den aufwendigen Umbau der Kreuzung mit einer Ampel geregelt werden kann. Einzige Voraussetzung: Die Ampel muss flexibel auf die Verkehrssituation reagieren. Insgesamt investiert die Stadt 135.000 Euro in das Vorhaben. Mit der Anlage würde auch die momentan geltende Interimslösung hinfällig werden, bei der die Autos erst über die weiter stadtwärts gelegene Moritzstraße in die Max-Pechstein-Straße geleitet werden.

Gleichzeitig sollen in Pölbitz zwei weitere Ampeln erneuert werden. Die Anlagen Leipziger Straße/Pölbitzer Straße und Pölbitzer Straße/Franz-Mehring-Straße behalten dabei zwar ihre Einzelsteuerungen, können jedoch die Daten austauschen. Das soll einen besseren Verkehrsfluss auch in Spitzenzeiten gewährleisten. Wichtigste Maßnahme dabei: den Autoverkehr auch dann aufrechtzuerhalten, wenn sich eine Straßenbahn angemeldet hat. Der Nahverkehr, so die Beschlussvorlage, soll aber auf jeden Fall Vorrang haben und sich freie Fahrt "schalten" können. Die beiden Ampelbereiche werden zudem barrierefrei ausgebaut. In dieses Vorhaben investiert die Stadt 153.000 Euro.

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1Kommentare
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  • 1
    1
    branderweg
    14.06.2019

    Was macht Stadtpolitik und Verwaltung in Zwickau? Verkehrsplanung wie eh und je: Autoverkehr optimieren und ein bischen an die Straßenbahn denken. Statt endlich ein Gesamtkonzept zur Entlastung der Nordvorstadt und vorallem der Leipziger Straße zu entwickeln, wird an einzelnen Kreuzungen der Autoverkehrsfluss verbessert. Kein Wort über Fußgänger, Radfahrer, Lärmschutz, Moritzplatz-Gestaltung, Moritzbachöffnung, Alleebepflanzung, Barrierefreiheit der Straßenbahn etc. Und das in einem der am dichtesten bebauten und bewohnten Quartiere der Stadt, wo Maßnahmen zur Verkehrswende die größten Effekte zeigen könnten. Ohne Umbauplan für die Leipziger Straße wird die Nordvorstadt weiter und zunehmend vom Durchgangsverkehr belastet, ohne Restriktionen für den Autoverkehr kriegt man ihn nicht auf die vorhandene Umgehungstrasse jenseits der Mulde, bleibt es bei Versprechen statt Erfolgen bezüglich der Verkehrswende.



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