Filme - ohne Ton, aber mit Livemusik

Zwickau.

Die erste kommerzielle Filmvorführung in einem Kino, auch Lichtspiel- oder Filmtheater genannt, fand im Jahre 1895 im Berliner "Wintergarten" statt. Die Vorgänger des Kinos waren Schaubuden und Panoptiken auf Jahrmärkten. 1926 wurde der erste abendfüllende Spielfilm mit Ton aufgeführt.

Überall entstanden Kinos, so auch in Zwickau. Im Jahre 1906 wurde das "Theater für lebende Photographien" in der Inneren Schneeberger Straße 31 in Betrieb genommen. Die Filme wurden meist von einem Klavierspieler begleitet, der je nach der Situation im Film entsprechend dramatisch musizierte. 1907 erhielt das Kino den Namen "Alhambra". Es lag sehr verkehrsgünstig, denn fast vor der Tür befand sich eine Haltestelle der Straßenbahnlinie vom Hauptbahnhof nach Niederhaßlau. Das Kino wurde um 1920 geschlossen.

Das "Royaltheater" befand sich in der Wilhelmstraße 53 und wurde von 1907 bis um 1909 in den Zeitungen erwähnt. Das "Pariser Weltkino" empfing seine Besucher an der Burgstraße. Es war von 1907 bis um 1908 geöffnet. Im gleichen Zeitraum gab es das Edison-Theater" in der Bahnhofstraße 6. Wahrscheinlich gab es nicht genügend Besucher, sodass die Kinos sich finanziell nicht halten konnten. Der Kino-Salon in der Hauptstraße 35 (ab 1907) wurde 1908 zu einem Kinosaal, da noch ein zweites Kino hinzukam. Das Doppelkino von Otto Pietzsch besaß 180 Plätze in der Abteilung I (1907), "Theater lebender Photographien" genannt, und 140 Plätze in der Abteilung II (1908), als Tonbild-Theater bezeichnet. Diese beiden Kinos, von denen es sogar eine Ansichtskarte gab, wurden im Jahre 1925 geschlossen.

In Oberplanitz wurde 1908 am Oberplanitzer Markt, im Gebäude des Restaurants "Stadt Wien", Oswald Schneiders Kino beziehungsweise Kino-Salon in Betrieb genommen. Schneider empfing hier bis 1938 seine Besucher. Am 19. August 1938 wurde schließlich das von Carl Zimmermann beim Planitzer Baumeister Christian Müller in Auftrag gegebene Lichtspieltheater "Capitol" in der Inneren Zwickauer Straße 125 feierlich eingeweiht. Den Eingang zierten die Statuen "Arbeit" und "Kunst". Etwa 1994 wurde das nunmehr veraltete Kino geschlossen.

In Niederplanitz wurden ab etwa 1910 in den Linde-Lichtspielen ("Li-Li") in der Inneren Zwickauer Straße 69 Filme vorgeführt. Dieses Kino wurde 1963 geschlossen. Nach dem Ersten Weltkrieg (1919) wurde das Vaterland-Lichtspieltheater eingeweiht. Es befand sich in der Wilhelmstraße 46 und wurde nach einigen Jahren zum Tonfilmtheater umgerüstet. Am 1. Juli 1945 besetzten Einheiten der sowjetischen Armee Zwickau. Sie beschlagnahmten gemäß Befehl 10 das Kino für ihre Soldaten, wobei das Sojusintorg-Kino für die Filmvorführungen zuständig war. Im Jahre 1954 ging das Kino wieder in deutschen Besitz über. Es wurde um 1975 geschlossen und in einen Jugendclub umgewandelt.

1920 wurden am Schulgrabenweg 1 (Dr.-Friedrichs-Ring 1) die Astoria-Freilichtspiele (Reinholds Garten) in Betrieb genommen, welche die Inflation jedoch nicht überstanden. Auch im Saal des "Lindenhofs" in der Marienthaler Straße 53 wurden von etwa 1922/23 bis 1931 Filme vorgeführt. Allerdings war das Niveau im "Lindenhof" nicht besonders hoch, wie Beschwerden zeigen, die in Polizeiakten archiviert sind.

Das Deutsche Theater in der Äußeren Schneeberger Straße 18 hatte eigentlich eine Theaterbühne. Ab 1927 wurden in dem Saal aber Filme aufgeführt. Das Kino wurde unter dem Namen "Tivoli" geführt und 1964 geschlossen. Danach wurden darin ein Hörsaal und ein Studentenclub eingerichtet.

Das Logierhaus Gasthof "Zur Krone" in der Marienthaler Straße 119 verfügte über einen Konzert- und Ballsaal. Etwa im Jahr 1933 erwarb die Pauluskirchgemeinde dieses Etablissement und richtete darin ihr evangelisches Vereinshaus ein. Gustav Heidholz nahm aber am 1. Oktober 1938 in dem Saal sein Kino "Marienthaler Lichtspiele" ("Mali" genannt) in Betrieb. Hier wurden bis 31. Januar 1979 Filme gespielt.

Am 8. Mai 1920 öffnete in der Wilhelmstraße 8 - nach einem etwa dreijährigen Umbau - im ehemaligen Kaufhaus Gloeckner erstmals der Lichtspielbetrieb von Arthur Schindler seine Türen. Täglich gab es drei Stummfilmvorführungen, die von einer eigenen Kapelle begleitet wurden. Am 17. Dezember 1927 brach dort ein Großbrand aus, zu dessen Bekämpfung alle Feuerwehren der Stadt ausrücken mussten. Noch im gleichen Jahr begannen die Wiederaufbauarbeiten zum 750 Personen fassenden Palasttheater mit Kellerrestaurant. Im Dezember 1964 schloss das Palast-Theater in der Hauptstraße 8 seine Pforten.

Das Astoria-Kino am Poeten- weg 6/8 ging am 26. September 1929 in Betrieb. Es gehörte Otto Pietzsch. Es bot mehr als 1000 Zuschauern Platz und war damit das größte Kino Zwickaus. Bis 1954 gehörte das Kino ebenfalls dem Sojusintorg-Kino. Das "Astoria" ist als einziges heute noch in Betrieb. Nach dem Umbau 2018/19 stehen acht Premium-Kinos zur Verfügung.

Regelmäßige Filmvorführungen gab es auch in weiteren Kultur- und Klubhäusern wie im Klubhaus "Clara Zetkin" in Cainsdorf, im Klubhaus "Sachsenring" und in Gasthöfen. Das Kulturhaus Auerbach in der Ernst-Thälmann-Straße 160 spielte von etwa 1955 bis nach 1970 Filme. Für laue Sommernächte war von 1959 bis 1987 die Freilichtbühne Zwickau an der Parkstraße für Filmvorführungen geeignet.

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