Flut-Experte: Auch Bäche sind gefährlich

Das haben auch die Leute in Crinitzberg gespürt. Dort werden nicht nur die Schäden beseitigt, der Freistaat legt zudem viel Wert auf Renaturierung.

Bärenwalde/Obercrinitz.

Unscheinbare Gewässer wie der Rödelbach offenbaren bei Starkregen ihre Gefährlichkeit, betont Peter Stapf vom Ingenieurbüro Hoffmann Seifert Partner. Gemeinsam mit seinem Kollegen Olaf Oberländer steuert der Thüringer die Projekte zur Beseitigung der Hochwasserschäden in der Gemeinde Crinitzberg.

Die meisten Vorhaben in Crinitzberg sind bereits abgeschlossen. Dafür hat der Freistaat bisher 1,7 Mil- lionen Euro beigesteuert, sagt Romy Pabst, Mitarbeiterin der Stadt Kirchberg, die mit den Gemeinden Crinitzberg und Hirschfeld eine Verwaltungsgemeinschaft bildet. Pabst muss es wissen, sie ist für die Beantragung und Abrechnung der Fördergelder zuständig. Das Wichtigste auf einen Blick:

Aktuelle Vorhaben: Stapf, der von einer Baustelle zur nächsten düst, kennt sich in der Region längst gut aus. "Wir beschäftigen uns immerhin schon einige Jahre mit den hiesigen Flutschäden", begründet der 48-Jährige und zählt auf: So werden derzeit in Bärenwalde der Friedrichsbach renaturiert, die Brücke Mühlgrabenweg instand gesetzt und die Fußgängerbrücke Garten-/ Auerbacher Straße durch einen Neubau ersetzt, in Obercrinitz werden 50 Meter der Sohle am Crinitzer Wasser erneuert und die Brücke im Bereich Friedensstraße ebenfalls durch einen Neubau ersetzt. Geplante Vorhaben: In Bärenwalde muss eine Stützmauer erneuert werden. In Obercrinitz wird ein weiterer 110-Meter-Abschnitt des Crinitzer Wassers für die Instandsetzung der Sohle vorbereitet. In Lauterhofen sind laut Stapf alle Maßnahmen beendet. Die größten Schäden: Die wurden an der 140 Meter langen Stützmauer entlang der K 9301 in Lauterhofen und am Friedrichsbach in Bärenwalde festgestellt. Stark beschädigt wurden zudem Böschungen und Ufer- befestigungen über die gesamte Länge des Rödelsbachs in Bärenwalde sowie des Crinitzer Wassers in Obercrinitz und Lauterhofen.

Kosten: Das Budget von 5,9 Millionen Euro wird laut Stapf nicht komplett benötigt. Davon ist der Experte überzeugt, der 80 Prozent der Bauprojekte in Crinitzberg abschließen konnte. "Hätten wir einzelne Maßnahmen nicht im Paket vergeben, wären damals höhere Baupreise herausgekommen", sagt Stapf. "Kleine Projekte wären teurer geworden." Damit sei Stapf den Firmen entgegengekommen, für die sich wiederum die Aufträge gelohnt hätten. Ökologie: Bei der Beseitigung der Schäden soll nachhaltig gebaut werden. So muss mit der Renaturierung der Fließgewässer die ökologische Durchgängigkeit hergestellt werden. Wehren, Sohl- und Staustufen in den Fließgewässern würden sich nachteilig auf die Entwicklung von Natur und Landschaft auswirken.


Kommentar: Flutschutzgeht alle an

Starkregen kommen ohne Vorwarnzeit. Schnell wird die Straße zum Bach. Szenarien, aus denen die Kommunen gelernt haben. So konnte die Ohnmacht der Menschen gegenüber Hochwasser zumindest etwas minimiert werden. Im Fazit dessen nützt es wenig, nur gegen das Wasser zu denken und zu handeln. Daher tun Gemeinden und Städte gut daran, ihr Hochwasser- Risikomanagement so aufzubauen, dass sie alle Einwohner bei ihren Bauvorhaben mitnehmen. Denn eines betont Fachmann Stapf an dieser Stelle: Was in der Gemeinde Crinitzberg derzeit passiert, ist lediglich die Beseitigung von Schäden, die die Fluten in den Vorjahren angerichtet haben. Flutschutzprojekte hingegen werden aus einem anderen Fördertopf finanziert.


Budget: 5,9 Millionen Euro

Bis 30. Juni 2019 müssen alle 18Bauprojekte zur Beseitigung der Hochwasserschäden in der Gemeinde Crinitzberg abgeschlossen sein. Dafür hat der Freistaat Sachsen der Kommune insgesamt 5,9 Millionen Euro zugesagt. Schon jetzt ist Projekt- steuerer Peter Stapf davon überzeugt, dass "wir diese Summe nicht komplett aufbrauchen werden". Der Grund: Als die ersten Vergaben vor vier Jahren erfolgten, waren die Baupreise noch im Keller. (jwa)

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