Freie Wähler und AfD nehmen der CDU vier Wahlkreise ab

Acht Parteien und die Freien Wähler hatten sich um die 98 Mandate für den Kreistag beworben. Für die Kräfte ganz rechts außen gab es schlechte Nachrichten.

Zwickau.

Das Kräfteverhältnis im Zwickauer Kreistag ist nicht mehr so eindeutig wie bisher. Zwar wurde die CDU mit 29,7 Prozent der Wählerstimmen (30 Sitze) erneut stärkste Fraktion, büßte jedoch 10,1 Prozentpunkte (zehn Sitze) ein. Erstmals verlor die Partei mehr als einen Wahlkreis, musste Limbach-Oberfrohna/Niederfrohna und Reinsdorf/Mülsen den Freien Wählern sowie zwei Wahlkreise in Zwickau der AfD überlassen. "Ich habe mit dem Rückgang gerechnet", sagte Fraktionschef Michael Luther. Die Ursachen sieht er vor allem in der bundesweiten politischen Entwicklung. "Der aktuelle AfD-Trend lässt sich auch mit guter Leistung nicht aufhalten", sagte Luther. Man müsse aber die Protestwahl der Menschen ernst nehmen. Im neuen Kreistag werde es künftig schwerer, Mehrheiten zu bilden.

Dass ohne sie keine wichtige Entscheidung im Kreistag mehr getroffen werden kann, davon geht man auch bei der AfD aus. Die Partei holte 19,7 Prozent und wurde zweitstärkste Kraft mit 19 Kreisräten. Sven Itzek sieht im Erfolg der Partei ein "massives Versagen der aktuell politisch Verantwortlichen". "Die Wähler sehen in uns eine Chance auf Veränderungen." Nach Itzeks Angaben werde die AfD im Kreistag nicht blockieren. "Vernünftige Entscheidungen werden wir mittragen", sagte er. Erstmals konnten auch die Freien Wähler zwei Wahlkreise für sich entscheiden. Insgesamt überzeugten sie 15Prozent der Wähler (plus 3,5 Prozentpunkte). Der Fraktionsvorsitzende Steffen Ludwig sieht darin eine Stärkung für die Arbeit im Kreistag, vor allem in Sachen Stabilität. Die Partei kam auf 15 Sitze.


Die Linke brachte es auf 14,4 Prozent und verlor damit 5,2 Prozentpunkte. Sie wird mit 14Sitzen vertreten sein. Für Fraktionschef Jürgen Blume ist das Abschneiden enttäuschend "Wir hatten uns ein besseres Ergebnis erhofft", sagte er. Einen Grund sieht er im massiven Wahlkampf der AfD. "Der hat uns Stimmen gekostet", sagte er. Über Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen soll später nachgedacht werden.

Auch die SPD musste Stimmenanteile abgeben und erreichte 7,2Prozent (7 Sitze). "Es ist schon enttäuschend", sagte der Landtagsabgeordnete und Kreisrat Mario Pecher. Er sieht eine Mitschuld der Bundespartei. "Seit den Problemen mit der Schulz-Kandidatur fehlt der Partei die richtige Linie", sagte er. Ob die Sozialdemokraten ihre gemeinsame Fraktion mit den Grünen fortsetzen, dazu wollte sich Pecher nicht äußern. "Dazu ist es derzeit noch zu früh." Die Grünen konnten zulegen und kamen auf 6,2 Prozent. Mit sechs Sitzen könnten sie eine eigene Fraktion gründen. Leicht verbessert hat sich auch die FDP mit 6,1 Prozent (sechs Sitze). Die NPD fällt dagegen mit ihren 1,1 Prozent von vier auf einen Sitz. Der Aufbruch deutscher Patrioten um den Ex-AfD-Bundestagskandidaten Benjamin Przybylla, den rechten Youtuber Torsten Graßlaub und Mario Pechers Mutter Waltraud bleibt sogar ganz draußen.

Die Wahlbeteiligung bei der Kreistagswahl lag bei 59,9Prozent. Vor fünf Jahren waren es noch 45,9Prozent gewesen.

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