Friseure im Corona-Dilemma

Bei freiwilliger Schließung gibt es keine staatliche Hilfe

Zwickau.

Haareschneiden ist auch in Zeiten der Corona-Krise erlaubt. Während fast alle anderen Läden schließen müssen, dürften die Friseure jetzt sogar am Sonntag öffnen. So jedenfalls hat es die Landesregierung festgelegt. Grit Fischer, Friseurmeisterin und Zwickauer Stadträtin (BfZ), kann darüber nur den Kopf schütteln. "Zählt Haareschneiden zu den wichtigsten Dingen des Lebens?", fragt sie. Vor allem ärgert sie, dass dabei auch eine Gefährdung der Gesundheit in Kauf genommen wird. "Wir sind nah am Kunden, arbeiteten ohne Mundschutz, und ein Sicherheitsabstand ist kaum einzuhalten", sagte sie. Daher fordert sie eine Änderung der Verfügung: "Friseurgeschäfte müssen geschlossen werden."

In der Kreishandwerkskammer sieht man das Thema gelassen: Es könne jeder selbst entscheiden, ob er öffnet. Nur hat die Sache einen Haken. "Wenn wir unser Geschäft freiwillig schließen, bekommen wir keine staatliche Unterstützung für die Ausfallzeit", sagte Friseurmeisterin Ramona Meichsner aus Wilkau-Haßlau. Sie sieht die Regierung gefragt, klare Regeln zu schaffen. Auch Corinna Wappler aus Werdau sieht das so. "Ich warte auf ein Zeichen von oben", sagte sie. Andrea Wild in Hohenstein-Ernstthal lässt ebenfalls die Türen offen. "Wir sind gezwungen, weiterzumachen", sagte sie. "Wir können nur versuchen, uns ausreichend zu schützen."

Das Fazit der Friseurinnen: Der Freistaat habe das Problem auf sie abgewälzt. Wenn sie jetzt den Laden dichtmachen, koste ihn das keinen Cent. Warum der Friseurjob in Zeiten von Corona so wichtig ist, wollte man im Sozialministerium nicht beantworten. Eine Anfrage der "Freien Presse" blieb unbeantwortet. Die Kunden bleiben ihrem Friseur offenbar treu. Die Bestellbücher sind noch immer gut gefüllt. (nkd)


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