Gartenanlage weg - und jetzt auch die Bäume

Am Eschenweg soll ein Parkplatz entstehen. Dass für den Asphalt zunächst Holz weichen muss, stört so manchen Anwohner.

Zwickau.

Claudia Weber, die seit Jahren am Eschenweg im Zwickauer Stadtteil Marienthal lebt, will derzeit nicht mehr aus ihrem Fenster sehen. "Das Massaker, das da an den Bäumen und Sträuchern angerichtet wurde, treibt mir die Tränen in die Augen", sagt sie. "Vor zwei Jahren gab es da noch eine kleine Gartenanlage." Jetzt sei diese regelrecht dem Erdboden gleich gemacht worden.

Heike Reinke von der Pressestelle der Zwickauer Stadtverwaltung bestätigt, dass 29 Bäume und Sträucher zur Fällung beantragt worden sind. Davon waren insgesamt neun Eichen, Linden und Ahornbäume genehmigungspflichtig. Die Verwaltung hat Ersatzpflanzungen angeordnet. Die einstige Gartenanlage "Eschenweg" befand sich auf einem Grundstück der Westsächsischen Wohn- und Baugenossenschaft (Wewobau). Sie wurde wegen des großen Leerstandes und der hohen Altersstruktur im Verein aufgegeben. "Im gegenseitigen Interesse", wie Reinke betont.

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Der Großvermieter will auf der Fläche einen Parkplatz errichten. Der Bauantrag wird gegenwärtig bearbeitet. "Im Bereich um die Gartenanlage werden derzeit komplexe Sanierungsmaßnahmen an unseren Bestandsgebäuden durchgeführt", sagt Vorstand Mike Peters. Das Ziel sei die Verbesserung des Wohn- umfeldes. Der Parkplatzbau sei "aufgrund fehlender Parkplätze rund um das Quartier sowie der Schaffung einer sinnvollen verkehrstechnischen Erschließung notwendig", sagt Peters. Dadurch soll sich vor allem der Anliegerverkehr im Robinienweg und im Baumhaselweg reduzieren. Geplant sind 62 mietbare Stellflächen.

Die Fällung der Bäume begründet Peters zudem mit den Folgen des Schneebruchs und Krankheiten. "Sämtliche Arbeiten wurden mit dem Umweltbüro abgestimmt und von fachkundigen Firmen ausgeführt", sagt er.

Dass Parkplätze benötigt werden, versteht Claudia Weber. "Aber müssen die unbedingt unter dem Schlafzimmerfenster der Mieter entstehen", fragt sie. Die Marienthalerin sieht sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. In den vergangenen fünf Jahren seien zahlreiche Bäume, Hecken und Büsche abgeholzt worden. "Bis Ende Februar hören wir hier jedes Jahr überwiegend den Lärm der Kettensägen", sagt sie. "Mittlerweile werden hier sogar Rasenflächen zwischen den Wohn- blöcken abgetragen." Diese würden anschließend asphaltiert und als Parkflächen ausgewiesen. "Jetzt parken dort Autos, und die Abgase dringen in die Wohnungen ein." Außerdem würden die Anwohner nachts durch den Lärm auf den Stellflächen zusätzlich belästigt.

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