Gewerbeflächen sollen am Stadtrand entstehen

Zwickau will enger mit Nachbargemeinden zusammenarbeiten. Dass Konflikte programmiert sind, ist dabei allen klar.

Zwickau.

Die Stadt Zwickau will verstärkt mit den angrenzenden Kommunen nach geeigneten Flächen suchen, auf denen man Industrie und Gewerbe ansiedeln kann. Den Auftrag für eine entsprechende Analyse hat am Mittwoch der Wirtschaftsausschuss an ein Fachbüro erteilt. 22.000 Euro fließen in den Bericht, der im zweiten Halbjahr 2019 vorliegen soll und der zusätzlich bereits vorliegende Daten über verfügbare Grundstücke auf den neuesten Stand bringt. Dass man aber auch bei neuen Gebieten am Stadtrand mit Widerständen der Anwohner zu rechnen hat, gilt als ausgemacht.

Das zeigt das Beispiel im Zwickauer Westen, wo man sich gemeinsam mit Werdau um ein neues Gewerbegebiet bemüht. Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen, die Bedenken aber sind jetzt schon groß. Ausschussmitglied Lutz Feustel (CDU) kritisiert, dass ein dortiges Gewerbegebiet vor allem noch mehr Lastwagen im Stadtteil Marienthal bedeuten würde. "Der Verkehr landet wieder in der Stadt, denn wo soll er sonst hin", sagt Feustel. Als einziger anderer Zubringer existiert in dem Gebiet die Mitteltrasse, die jedoch allein nach Süden zur A 72 führt.

Offenbar gibt es noch keine Prognosen über die Verkehrsflüsse, denn die Leiterin der Wirtschaftsförderung, Sandra Hempel, kann auf Feustels Vermutungen selbst auch nur mit Spekulationen antworten. "Wir glauben schon, dass über die Mitteltrasse ein großer Verkehrsstrom abfließt", sagt sie. Die Mitteltrasse sei sogar ein Standortvorteil. Ein noch größerer Vorteil natürlich wäre es, wenn die Strecke auch nach Norden zur A4 verlängert würde - doch der Streckenverlauf ist stark umstritten, der Stadtrat konnte sich bislang nicht einigen.

Ähnliche Schwierigkeiten dürften auch bei anderen Vorhaben drohen. "Anwohner werden immer Probleme damit haben, wenn in ihrer Nähe ein neues Gewerbegebiet entstehen soll", sagt Ausschussmitglied Constance Arndt (Bürger für Zwickau). "Andererseits können wir als Stadt nicht wollen, dass nur die anliegenden Gemeinden Flächen entwickeln, wir aber nicht." Wenn man zu sich ehrlich sei, könne man schon jetzt vorhersagen, dass es "keine Fläche gibt, mit der niemand ein Problem hat."

Die Stadtspitze war in der Vergangenheit mehrfach in die Kritik geraten, weil Zwickau keine verfügbaren Gewerbegebiete entwickelt hat. Das Rathaus argumentiert, es gebe schlicht keine geeigneten Flächen. Zwei größere Betriebe mit mehreren Hundert Arbeitnehmern haben bereits ihren Umzug ins neue gemeinsame Gewerbegebiet von Meerane und Crimmitschau angekündigt, weil sie in Zwickau keine Erweiterungsmöglichkeiten hatten. Wirtschaftsförderin Hempel sowie Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) betonen aber, dass auch Ansiedlungen in den Nachbargemeinden die Region insgesamt stärken würden.

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