Gewerbepark belastet die Gemeinde

Wahlen 2019: Zwei Parteien bilden bisher den Lichtentanner Gemeinderat. Erwartet wird, dass sich das ändert.

Lichtentanne.

Die Kommunalwahl könnte etwas mehr Farbe in den politischen Alltag der Gemeinde Lichtentanne bringen. "Ich sehe dem mit Interesse entgegen", sagt Bürgermeister Tino Obst (parteilos). Er ist mitten in seiner ersten Legislaturperiode im Amt und kennt bisher nur die Vertreter von CDU und den Linken im Rat. Beide Parteien bestimmen seit Jahrzehnten das Geschehen in der Großgemeinde - anfangs in strikter Opposition, inzwischen streiten sie nur noch um die Sache, nicht um die Gesinnung. Das sagen Vertreter beider Seiten.

31 Frauen und Männer bewerben sich um einen Sitz im Gemeinderat. Darunter auch je drei Vertreter der Grünen und der AfD. Bei den Grünen sind das zwei Diplom-Mathematiker und ein Ingenieur, bei der AfD treten ein Einzelhandelskaufmann, ein Kfz-Mechaniker und ein Justizfachwirt an. "Seit ich im Amt bin - die letzten zwei Jahre - ging es im Rat immer um die Sache. Deswegen erwarte ich auch jetzt wieder eine gute Zusammenarbeit", sagt Obst, der sich selbst als Parteiloser das erste Mal um einen Sitz im Kreistag bewirbt - wie einige andere Bürgermeister auch auf der Liste der Freien Wähler.

Sascha Aurich

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Die CDU: Dass beide alteingesessenen Fraktionen Sitze verlieren werden - davon geht Bernd Schlesinger aus. Der Landwirt macht seit 1983 Politik, zunächst im Gemeinderat Ebersbrunn, später in der Bürgerinitiative, zuletzt in der CDU. Nur von 1994 bis 1999 hat er pausiert. Nun aber zieht er sich zurück und schaut, ob sein Sohn, Politikneuling Marc Schlesinger, im Rat Fuß fassen kann. Die Liste der Christdemokraten hat sich deutlich verjüngt. Ob die Lich-tentanner einer neuen Generation das Vertrauen schenken, wird sich zeigen. "Fakt ist: Weil die Finanzen der Gemeinde knapp sind, muss man Schwerpunkte setzen, sonst verzettelt man sich", gibt Schlesinger seinen Mitstreitern und Nachfolgern mit auf den Weg. Zuletzt war das die Sanierung der Kita "Parkwichtel". Auch der Erhalt einer Grundschule und einer Oberschule hat die Gemeinde Kraft gekostet, doch Schlesinger sieht das als gut investiertes Geld. "Die Kinder können bei uns bleiben, bis sie 16 sind."

Die Linke: Auch Silke Heßberg von den Linken notiert das auf der Haben-Seite. Die Hochschul-Professorin arbeitet seit 1999 im Gemeinderat mit. "Als ich eingestiegen bin, haben alle schon gut zusammengearbeitet", erinnert sie sich. Früher sei das wohl anders gewesen. "Da wurden Vorschläge abgelehnt, wenn sie von der anderen Seite kamen." Ob diese Zeiten zurückkommen - sie lässt sich überraschen. "Ich denke, mit einer grünen Politik können wir leben. Was die AfD angeht, da muss ich erst einmal abwarten. Ich hoffe einfach, dass alle eine vernünftige Kommunalpolitik betreiben wollen. Ich finde es aber immer gut, wenn Menschen mit neuen Ideen dazukommen." Die werden auch gebraucht. Denn neben die Dingen, die Lichtentanne als Pluspunkt verzeichnet - Heßberg nennt die Kindertagesstätten, die erweitert werden müssen, und die vier gut arbeitenden Ortsfeuerwehren - gibt es ein großes Problem, an dem alle gemeinsam arbeiten müssen.

Die große Aufgabe: Verwaltung und Bürgervertreter sind sich einig - der nicht ausgelastete Gewerbepark in Lichtentanne drückt aufs Konto. "Er macht die Hälfte unserer Pro-Kopf-Verschuldung aus", sagt Tino Obst. "Das ist ein größerer Klotz am Bein als die Burg Schönfels. Die hat sich gut entwickelt", ergänzt Bernd Schlesinger. Der Gewerbepark hingegen ist eine marode Anlage, die teilweise bereits notgesichert werden muss. Da für den Aufbau eines Gewerbegebietes in den ehemaligen Fabrikgebäuden jedoch reichlich Fördermittel geflossen waren, kann das Areal in den nächsten Jahren noch nicht umgenutzt werden. Die Gemeinde verhandelt mit einem möglichen Investor, doch Silke Heßberg sagt, man brauche auch einen Plan, falls die Verhandlungen fehlschlagen. "Dann müssen wir Geld in die Hand nehmen. Aber dazu brauchen wir vorher ein gutes Konzept." Sie will aber noch mehr: Man müsse recherchieren, ob beim teuren Kauf von der Treuhand vor Jahrzehnten etwas falsch gelaufen ist - und ob es dafür Entschädigungen geben kann. "Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir das als Gemeinde anschieben können", sagt sie.

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