Hartmannsdorfer planen Riesenvogelhaus

Ein alter Feuerwehrturm, der eigentlich abgerissen werden sollte, wird nun zu einem Wohnhaus umfunktioniert: Die Mieter sind teilweise Exoten.

Hartmannsdorf.

In Hartmannsdorf entsteht aus einem alten Feuerwehrschlauchturm an der Rothenkirchener Straße ein Vogelparadies. Das zumindest planen die Gemeinde und die untere Naturschutzbehörde des Landkreises, deren Mitarbeiter die Idee dazu hatten. Es soll ein Zuhause werden für Fledermäuse, Mauersegler, Mehlschwalben, Haussperlinge, Turmfalken, Mauerbienen und andere Insekten.

Ob sich nun die Kleine Hufeisennase, wegen der das Waldschlößchen-Brückenbauprojekt in Dresden heftig kritisiert worden war, oder aber Braune Langohren dort niederlassen, kann keiner wissen. Wohl aber, woher das für die Renovierung nötige Geld kommt. Laut Landratsamtssprecherin Ilona Schilk wurde für die Umsetzung des Vorhabens eine Förderung bei der Postcode-Lotterie-Stiftung in Düsseldorf beantragt und mittlerweile auch zugesagt. Im Landratsamt rechnet man mit circa 20.000 Euro.

Schilk zufolge gibt es im Landkreis Zwickau bereits ähnliche Projekte in Thurm und Wolfersgrün. Das Besondere am Projekt in Hartmannsdorf sei, dass es als gemeinsames Projekt zwischen dem Landschaftspflegeverband Westsachsen und der unabhängigen Vereinigung "Artenschutz in Franken" entstehen wird. Seit mehr als 22 Jahren engagiert sich der Verband "Artenschutz in Franken" ehrenamtlich für die Belange des praktischen Artenschutzes und einer lebendigen Umweltbildung in Deutschland und darüber hinaus. Vermittler dieser Partnerschaft war die untere Naturschutzbehörde. Der Turmumbau sei innerhalb der UN-Dekade "Bio-logische Vielfalt" angesiedelt und soll bei erfolgreichem Abschluss sichtbar dieses Prädikatsmerkmal tragen. Der Fokus des Projektes liegt neben dem Artenschutz für gebäudebewohnende Arten als "Leuchtturm der Biodiversität" vor allem auch auf der erlebbaren und multimedialen Umweltbildung. Daher ist auch der Hort der Kindertageseinrichtung Hartmannsdorf von Anfang an dabei. Laut Bürgermeisterin Kerstin Nicolaus (CDU) wollen die insgesamt 71 Hortkinder der Kindertagesstätte "Gänseblümchen", aufgeteilt in Gruppen, das Artenschutzprojekt begleiten.

Kerstin Nicolaus zufolge soll der Turm zunächst abgekärchert und neu verputzt werden. Die Holzkonstruktion an der Front bleibt, wird mit Lärchenholz überblendet, um Hohlräume mit drei Zwischenböden als großflächiges Fledermausquartier zu schaffen. An den Fenstern werden Einflugschneisen für nachtaktive Tiere geschaffen, die im Inneren ebenso Quartier beziehen können wie Gebäudebrüter (beispielsweise Mauersegler). Sauerkrautplatten genügten als Quartiere für Fledermäuse.

Vier bis fünf Quadratmeter Dach müssten neu gedeckt werden. An beiden Seiten werden zudem kleine Gauben angebracht für Turmfalke, Schleiereule oder Dohle; zudem Gebäudebrüter-Niststeine und Insektenhotels. Unter die Dachtraufe sollen vier Schwalbennester kommen. Wie Petra Basel vom Verein "Artenschutz in Franken" erklärt, wird der Turmkörper letztlich noch von einem Experten bemalt. Anderenorts haben dessen Motive bereits viel Beachtung erlangt (siehe Fotos).

Die Wiese vorm Turm ist in Privatbesitz. Da gebe es Überlegungen, mit dem Besitzer zu reden, ob sie zur Schmetterlingswiese umfunktioniert werden könnte. Eine Sitzgruppe in der Nachbarschaft könnte Vogelliebhaber zum längeren Verweilen einladen. I-Tüpfelchen ist eine Informationstafel, die Besuchern die potenziellen Hausbewohner vorstellt.

Der alte Schlauchturm der Hartmannsdorfer Feuerwehr sollte ursprünglich weggerissen werden. Im Mai entschied sich die Gemeinde anders. Das ehemalige Feuerwehrdepot gleich daneben, in dem jetzt der Bauhof untergebracht ist, wird zudem instand gesetzt. Der Rat hat die dafür nötigen Baumeister- und Elektroarbeiten für 140.000 Euro vergeben. Der Artenschutzturm in Hartmannsdorf soll voraussichtlich im Sommer 2019 fertiggestellt sein.

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