Ja zu kleinerem Gefängnis

Die Aussage der Grünen, Sachsen solle seine Pläne für den Neubau in Marienthal überdenken, trifft auch in Zwickau auf offene Ohren.

Zwickau.

Als einen Schritt in die richtige Richtung sieht Lutz Reinhold die Forderung der Grünen in Sachsen, die in Zwickau geplante neue Justizvollzugsanstalt (JVA) nun doch für weniger als 820 Gefangene zu bauen. Er begrüße diese Überlegung, sagte Reinhold am Montag der "Freien Presse". Die Anzahl der Haftplätze in der geplanten neuen Zwickauer JVA ist in die Diskussion geraten, nachdem Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nicht ausgeschlossen hatte, einen Teil der Thüringer Haftplätze im geplanten Zwei-Länder-Gefängnis gar nicht nutzen zu wollen. Stattdessen wolle er die JVA Hohenleuben stärken. In der neuen Zwickauer Haftanstalt sollen laut Plan 370 Haftplätze auf Thüringen, 450 auf Sachsen entfallen.

Reinhold, der sich von Anfang an in der Marienthaler Bürgerinitiative gegen den Gefängnisneubau engagiert, findet, dass nun politische Vernunft einkehre. "Wir freuen uns darüber. Und wir beobachten die Sache weiter." Dabei schaut der Stadtrat (BfZ) über den sächsischen Tellerrand hinaus. Wenn Thüringen stattdessen Hohenleuben ausbaue, "dann hat sich deren Kampf gelohnt. Das waren die Einzigen, die einen Neubau auf ihrem Territorium haben wollten", sagt Reinhold, Damit sei sowohl den Angestellten gedient als auch den Angehörigen der Insassen, denen weite Wege erspart bleiben. Positiv ist für Lutz Reinhold auch, dass die Anstalt in Zeithain mindestens sechs weitere Jahre bis 2026 Bestand haben soll.

Als ideale Größe für die Zwickauer JVA nennt Reinhold maximal 300 Haftplätze. "Das sagen nicht wir, das sind Aussagen von Experten", betont er. Die beste Lösung für ihn sei allerdings, einen komplett neuen Standort zu suchen und das Gelände in Marienthal zu einem Gewerbegebiet umzufunktionieren.

Eine abgespeckte JVA-Variante begrüßen auch die Grünen im Zwickauer Stadtrat. Lars Dörner sagt: "Wir halten am Neubau eines Gefängnisses an sich fest, aber wir begrüßen eine Anpassung." Sein Rats- und Parteikollege Martin Böttger verweist darauf, dass die soziale Arbeit in einem kleineren Gefängnis eher auf fruchtbaren Boden fällt. "Ich könnte auch mit 800 Gefangenen leben, aber weniger wären besser", sagt der Bürgervertreter. Was für Böttger jedoch nicht zur Diskussion steht, das ist die Frage nach dem Standort in Zwickau. Denn das Gelände des ehemaligen Reichsbahn-Ausbesserungswerkes sei nun einmal hergerichtet worden.

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