Keiner will den Bahnhof putzen

Mehr als 50 Ausschreibungen waren für den Umbau in Wilkau-Haßlau nötig. Jetzt liegen die Angebote zu hoch - oder den Auftrag will keiner haben.

Wilkau-Haßlau.

Der Termin für die Einweihung des Jugend- und Freizeitzentrums steht - wenn schon nicht auf den Tag, dann doch wenigstens auf den Monat genau. Darauf hatte sich Wilkau-Haßlaus Bürgermeister Stefan Feustel (CDU) bereits zum Jahresbeginn festgelegt. Im Juni sollte der alte Bahnhof mit einem großen Kinderfest seiner neuen Bestimmung übergeben werden.

Doch jetzt, nach mehr als 50 Ausschreibungen für die verschiedenen Gewerke, ist plötzlich Sand im Getriebe. Hatte es bisher lediglich bei der Beschaffung der Fenster für das denkmalgeschützte Bauwerk Probleme gegeben, sieht sich der Bauherr ausgerechnet auf der Zielgeraden mit ungeahnten Schwierigkeiten konfrontiert. Zur jüngsten Ratssitzung mussten gleich zwei Ausschreibungen aufgehoben werden.

Sascha Aurich

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Für die Landschaftsarbeiten rund um das Gebäude hatten sich zwar zwei Firmen beworben, doch deren Gebote lagen mit 232.309 und 202.805 Euro zu weit von den kalkulierten Kosten (172.200 Euro) entfernt. "Wir haben daher beschlossen dem Stadtrat vorzuschlagen, die Ausschreibung aufzuheben", sagte Bürgermeister Feustel. Eine weitere Ausschreibung zu starten, davon hält er nichts. Das koste zum einen Zeit, und es gebe auch keine Garantie, dass die Angebote dann in den Kostenrahmen passen. Daher sollen die vorgesehenen Arbeiten unter anderem für den Wegebau, Pflanzarbeiten und das Aufstellen von Papierkörben und Bänken einzeln vergeben werden. Der Kostenrahmen soll dabei jedoch eingehalten werden, so Feustel.

Das trifft auch auf die Arbeiten zu den abschließenden Reinigungen im Gebäude zu. "Putzen und aufräumen will offenbar keiner", fasste der Bürgermeister das Ergebnis der Ausschreibung zusammen. Jetzt will die Stadt den Auftrag freihändig neu vergeben.

Das Ende des 19. Jahrhundert gebaute Bahnhofsgebäude war 2005 geschlossen worden. 2006 hatte die Bahn die Immobilie verkauft. Obwohl der neue Eigentümer kein Interesse daran zeigte, gelang es der Stadt erst nach langen Verhandlungen, das Eigentum an dem Objekt zu erlangen. Neben dem Freizeitzentrum sollen dort später auch Vereine Platz finden. Auch ein Minimuseum, das an die Schmalspurbahn erinnern soll, ist geplant.

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