Klimaschutz sollte sexy sein - und sich lohnen

Was kann der Landkreis tun, um den Planeten zu schützen? Am Mittwochabend gab es darauf viele Antworten.

Zwickau.

Dynamische Fahrgastinformationstafeln an Busstopps, eine eigene Haltestelle vor einem großen Betrieb, ein Radschnellweg, mehr Solardächer und LED-Lampen, Elektro- und Hybridfahrzeuge in der behördeneigenen Flotte - das sind einige der geplanten oder schon umgesetzten Maßnahmen zur Kohlendioxidreduzierung aus dem Klimakonzept des Zwickauer Partnerlandkreises Ludwigsburg, Deutschlands sechstgrößtem Landkreis. Dessen Klimaschutzmanager Denis Fricken berichtete am Mittwochabend auf Einladung der Kreistagsfraktion SPD/Grüne und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zwickau von der Jahre dauernden Erstellung des Konzeptes, das derzeit umgesetzt wird. Es beinhaltet Steckbriefe für jede Kommune und Maßnahmepläne. 34 von 39 Kommunen machen mit, fünf haben eigene Konzepte. Ziel aller: bis 2050 klimaneutral zu sein. Das heißt, alles, was im Landkreis an Treibhausgasen produziert wird, kann kompensiert werden.

Fricken zufolge ist es nicht wirklich schwer, Städte und Dörfer zum Mitmachen zu bewegen: "Kommunen müssen den Mehrwert spüren, dann machen sie auch mit." Auch die Bevölkerung sei eingebunden, die Volkshochschule lege beispielsweise einen Schwerpunkt auf Natur- und Klimaschutz. Für Schulen wurde ein Klimaschutzpreis ausgelobt. "Klimaschutz muss sexy sein", um möglichst viele Menschen zu motivieren, zitierte Fricken ARD-Wettermoderator Sven Plöger. SPD-Kreischef Andreas Weigel stimmte lachend zu. Als er vor ein paar Jahren einen prominenten Wetterfrosch in einer SPD-Veranstaltung zu Gast hatte, kamen die Menschen scharenweise.

In den Augen von Jörg Matschullat, Professor für Geochemie und Geoökologie an der TU Bergakademie Freiberg, ist es hohe Zeit zu handeln. Er denkt weniger an Sanktionen ("Obwohl man der Autoindustrie wohl einige Dinge vorschreiben muss") als an das Erkennen neuer Chancen. Jeder sollte sich fragen: Wie wollen wir leben? Matschullat zufolge sträubt sich die Wirtschaft dabei oft gar nicht. Als ein großer Gemüseproduzent in Sachsen erfuhr, dass sein Energieverbrauch für die Kühlung zehnmal höher ist als nötig, habe die Firma sofort umgerüstet. "Man gewinnt, wenn man technologische Führerschaft übernimmt", so Matschullat. Großen Nachholbedarf sieht er beim ÖPNV: "Unser Fern- und Nahverkehr ist verglichen mit Japan oder der Schweiz grottigst."

Gerhard Sonntag, Vizefraktionschef der Kreistagsfraktion SPD/Grüne, erinnerte an die jüngsten Veröffentlichungen des Weltklimarates: "Jedes Zehntelgrad über einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 1,5 Grad Celsius hinaus hat verheerende Folgen." Carsten Michaelis, Beigeordneter des Landkreises Zwickau, zeigte sich dankbar für den Antrag der SPD und Grünen, ein solches Konzept auch hier zu erstellen. 2020 hofft er, es vorlegen zu können. Er fürchtet keine Skepsis bei den Bürgermeistern. "Wir sind jetzt dabei, ein Konzept zum Breitbandausbau zu erstellen, und spüren ebenfalls Dankbarkeit darüber, dass der Kreis die Führung übernimmt." Vorschläge für das Klimakonzept hatte Andreas Trautmann, Mitglied des Kreisnaturschutzbeirats, parat: die Batterie-Recyclinganlage in Schönfels genehmigen, die Kompostieranlage in Schönau modernisieren und mit deutlich mehr Biomüll füttern, der hier noch immer in schwarzen Tonnen landet.

Die Stadt Zwickau ist schon ein Stück weiter als der Landkreis. Sie hat im April als erste sächsische Stadt ein Klimasparbuch mit Alltagstipps herausgegeben. Lukas Gregori, Klimaschutzmanager der Stadt, warnte davor, den Schwerpunkt nur auf Energieeffizienz zu legen.

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