Krankenhäuser im Landkreis: Noch sind Kapazitäten frei

Das Gesundheitsamt meldet 379 nachgewiesene Erkrankungen. Wie ist die Lage in den Kliniken? Wie lange reichen die Betten?

Landkreis.

Wie die Situation an den Krankenhäusern im Landkreis Zwickau im Zusammenhang mit der Coronakrise derzeit ist, lässt sich schwer sagen. Auf Presseanfragen äußern manche sich ausführlich, andere bleiben vage oder reagieren gar nicht. Aus den Antworten der Krankenhäuser lässt sich nicht ableiten, wie viele Intensivbetten insgesamt im Kreis vorhanden und wie viele davon mit einem für schwere Erkrankungsverläufe möglicherweise notwendigen Beatmungsgerät ausgestattet sind. Als sicher kann man jedoch annehmen, dass bisher die Kapazitäten völlig reichen.

Fest steht, dass die Anzahl der am neuartigen Coronavirus Erkrankten im Landkreis weiter steigt. Das Gesundheitsamt meldete am Mittwoch 379 nachgewiesen Infizierte, das sind 24 mehr als am Tag zuvor. Aktuell ist über 714 Menschen Quarantäne verhängt worden. Am Mittwoch wurde zudem ein weiterer Todesfall gemeldet, sodass sich die Zahl der insgesamt im Landkreis Zwickau an der Covid-19-Erkrankung Verstorbenen auf sechs erhöht. In den fünf Krankenhäusern werden demnach 27 Patienten stationär betreut. Wie viele davon intensivmedizinisch behandelt werden müssen, geht aus den Angaben nicht hervor.

In einem Interview mit der "Freien Presse" hatte Landrat Christoph Scheurer (CDU) davon gesprochen, dass 60 Beatmungsplätze im Landkreis vorhanden seien. Es könnten auch etwas mehr sein. Allein das Heinrich-Braun-Klinikum (HBK) hatte am Standort Zwickau von 40und am Standort Kirchberg von weiteren zehn gesprochen, hinzu kommen zehn Plätze im Glauchauer Rudolf-Virchow-Klinikum.

Weitere existieren am Zwickauer Paracelsus-Klinikum, auch wenn Sprecherin Dirten von Schmeling keine genaue Anzahl nennen möchte. Zu schnell würden sich Kapazitäten und Fälle verändern, die Anzahl der Intensivbetten sei erheblich erweitert worden und könnten auch kurzfristig noch weiter aufgestockt werden. Sie bestätigt nur, dass man sowohl Verdachtsfälle als auch bestätigte Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung habe. Dafür habe man eine komplette internistische Station zur Verfügung gestellt, in der es noch freie Kapazitäten gebe. Auswirkungen auf andere Stationen hat die Krise dort natürlich auch. Geplante Operationen seien verschoben worden, um zusätzliche personelle und Bettenkapazitäten zu schaffen. "Der Betrieb auf den anderen Stationen läuft uneingeschränkt, aber mit reduzierter Belegung weiter", sagt von Schmeling. Man schule vorsorglich Mitarbeiter für Einsätze in fremden Bereichen.

Luft nach oben hat die Paracelsus-Klinik auch noch bei der extra eingerichteten Corona-Ambulanz auf dem Klinikgelände. "In den ersten Tagen hatten bis zu 90 Menschen die Abklärungsstelle aufgesucht", sagt die Sprecherin. Die allermeisten wurden nach Hause in die häusliche Isolation geschickt. Inzwischen kommen regelmäßig rund 80 Leute am Tag, Tendenz gleichbleibend. Überfordert ist man damit keineswegs. "150 Tests am Tag wären problemlos möglich", sagt von Schmeling.

Im Glauchauer Rudolf-Virchow-Klinikum wird eine Station ausschließlich für Covid-19-Patienten genutzt. Verdachtsfälle und bestätigte Fälle seien getrennt in Einzelzimmern untergebracht, sagt Sprecherin Tina Schultz. 17 Betten stehen zur Verfügung, man könne aber bei Bedarf die Station auf 75 Betten erweitern. Von den 13 vorhandenen Intensivbetten seien zehn mit Beatmungsgeräten ausgerüstet. Man habe zurzeit zwei bestätigte Covid-19-Fälle, von denen einer in der vergangenen Woche beatmet werden musste, sagt Schultz. Inzwischen konnte er wieder auf die normale Isolierstation verlegt werden. Darüber hinaus gab es eine andere positiv getestete Patientin, die inzwischen genesen ist und entlassen wurde.

Die drei anderen Krankenhäuser machen keine detaillierten Angaben zu vorhandenen Plätzen und Patienten. Die Werdauer Pleißental-Klinik hat auf die Anfrage nicht reagiert. Das Zwickauer HBK verweist auf andere Ansprechpartner und auf eine zwei Wochen alte Pressemitteilung. Das DRK-Krankenhaus Lichtenstein teilt mit, es seien ausreichend Betten für Corona-Patienten sowie Beatmungsplätze vorhanden, ohne Zahlen zu nennen. Man spüre allerdings die Auswirkungen der Coronakrise, sagt Sprecherin Sandra Schlömer. Es gebe weit weniger Arbeitsunfälle, Patienten suchen das Krankenhaus und Arztpraxen nur noch in dringenden Fällen auf.

Auch wenn die Zahlen überschaubar klingen, es könnte sich ändern. Vor einigen Tagen hatte ein Zwickauer Oberarzt im Netz vorgerechnet, dass im Landkreis bei einer ungehinderten Ausbreitung rund 150.000 Menschen erkranken könnten, wovon ein Prozent beatmungspflichtig sein könnte. Das wären 1500 Personen, die in kurzer Zeit einen Beatmungsplatz bräuchten. Der Mediziner rief dazu auf, Warnungen ernstzunehmen und zu Hause zu bleiben. Mittlerweile ist sein Beitrag gelöscht. Auf eine Interviewanfrage hat er nicht reagiert.

In den Krankenhäusern ist es still geworden. Es gibt Besuchsverbote oder stark eingeschränkte Besuchszeiten, Cafeterien haben geschlossen, Therapieangebote sind reduziert. Tina Schultz vom Glauchauer Klinikum sagt, viele Stationen hätten zurzeit weniger Arbeit als im Normalbetrieb, aber dafür neue Herausforderungen. Das Herstellen von Desinfektionsmitteln sowie das Waschen, Sterilisieren und Verteilen von persönlicher Schutzausrüstung gehörte bisher nicht zum Standard. "Von Normalität können die wenigsten von uns sprechen", sagt Schultz. "Wir versuchen, unsere Kräfte für das Ungewisse zu schonen."


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