Kreis-AfD entzieht ihrem Direktkandidaten das Vertrauen

Der Vorstand will den umstrittenen Spitzenmann Benjamin Przybylla wieder loswerden. Der schlägt zurück - mit überraschenden Vorwürfen.

Zwickau.

Ob bei der Bundestagswahl am 24. September im Zwickauer Wahlkreis 165 ein Direktkandidat für die AfD auf dem Wahlzettel steht, ist völlig offen. Der Kreisverband hat beim Parteitag am Samstag in Glauchau offenbar seinem umstrittenen Spitzenmann Benjamin Przybylla das Vertrauen entzogen. Nach Angaben des amtierenden Kreisvorsitzenden Frank-Frieder Forberg haben 80 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder Przybylla das Misstrauen ausgesprochen. "Die AfD als junge Partei musste erkennen, dass sie mit der Wahl des Direktkandidaten Benjamin J. Przybylla einen Fehler begangen hat. Fehler passieren, man muss sie nur erkennen und beheben", teilte Forberg in einer Erklärung mit.

Vor dem entscheidenden Tagesordnungspunkt, der Aussprache zwischen Przybylla und der Partei, beschloss die Mehrheit der 63 Anwesenden, die "Freie Presse" vor die Tür zu schicken. Die Stoßrichtung hatte Forberg bereits in seiner Eingangsrede vorgegeben, indem er die Mitglieder einschwor: "Nach innen streiten, nach außen geschlossen auftreten. Das ist die AfD, vor der ihre Gegner zittern."


Hinter verschlossenen Türen kam es dann offenbar zum Streit. Der Kreisvorstand wirft Przybylla Alleingänge vor, so unter anderem, dass er gegen den Willen der Führungsriege für den 1. Mai eine Kundgebung auf dem Zwickauer Kornmarkt organisierte. Dort traten neben "Compact"-Verleger Jürgen Elsässer der Richter und AfD-Rechtsausleger Jens Maier, Pegida-Aktivist Michael Stürzenberger und Politikermutter Waltraud Pecher auf.

Nun muss die AfD den Kandidaten nur noch juristisch sauber loswerden. Wie das passieren soll, wer letztlich den Wahlvorschlag zurückzieht und ob noch Zeit ist, einen Ersatz zu wählen, müsse mit dem Landesverband abgestimmt werden, sagt Forberg. Aber nicht nur das. Przybylla muss nun auch um seinen Platz auf der Landesliste bangen. Dort steht er auf dem ohnehin aussichtslosen Platz 18, könnte aber selbst den noch verlieren. Der stellvertretende AfD-Landeschef Thomas Hartung sagt dazu: "Der Landesvorstand wird sich sehr wahrscheinlich mit dieser Personalie beschäftigen und die Meinung des Kreisvorstandes Zwickau einholen."

Przybylla selbst sieht sich unterdessen weiterhin als Direktkandidat der Zwickauer AfD und glaubt, einer Verschwörung zum Opfer gefallen zu sein. Auf "Freie Presse"-Anfrage wirft er seinem Widersacher Forberg vor, als "Maulwurf" die AfD von innen zerstören zu wollen. Forberg trage die Verantwortung für die "Transformation des Zwickauer Kreisverbandes in einen zu großen Teilen desorganisierten, niveaulosen Haufen von Leuten, die nach unseren geltenden Kriterien gar keine Mitglieder sein dürften", so Przybylla. Die Partei sei von Personen mit "zersetzenden Bestrebungen" unterwandert. Forberg ließ die Äußerungen gestern unkommentiert.

Przybylla, Inhaber einer Gartenbaufirma in Fraureuth, wurde im Oktober 2016 von der Kreis-AfD als einziger Bewerber mit nur 64 Prozent der Stimmen zum Direktkandidaten gekürt. Eine unerlaubt im Zwickauer Dom aufgenommene Gesangseinlage brachte ihm Schelte von der evangelischen Landeskirche ein. Wegen seiner Verbindung zum rechten Youtube-Kanal "Kara Ben Nemsi TV" muss er sich noch vor der Bundestagswahl vor Gericht verantworten. Es geht um Hausfriedensbruch im Reinsdorfer Gemeinderat.

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