Landkreis Zwickau: Mit mulmigem Gefühl in den Unterricht

Die Schulen im Kreis beginnen am Montag mit ihrem Normalbetrieb. Mit Maske und Desinfektionsmitteln will man dem Virus die Stirn bieten.

Zwickau.

Janet Weber will das Wort Angst nicht in den Mund nehmen. "Trotzdem ist mit Sicherheit einigen mulmig zumute", sagt die Zwickauer Kreischefin des Sächsischen Lehrerverbandes vor dem Schulstart am Montag. Nach den Ferien gilt auch im Landkreis Zwickau wieder der Regelbetrieb. Doch wie sieht dieser für die 23.472 Schüler, darunter 2466 Abc-Schützen, aus? Die Vertreterin der Lehrer-Gewerkschaft, die selbst an der Oberschule in Lichtentanne unterrichtet, bringt es so auf den Punkt: Desinfizieren, Händewaschen, Abstand halten. Nur so ließe sich die Verbreitung des Coronavirus eindämmen. "Wir sind eine Dorfschule, mit nur einem Treppenaufgang. Deshalb muss auf den Gängen die Maske getragen werden", sagt sie. Während des Unterrichts bestehe keine Pflicht dazu.

Ähnlich sieht das Hygienekonzept des Julius-Motteler-Gymnasiums in Crimmitschau aus. "Im Schulhaus besteht Maskenpflicht und Einbahnstraßensystem, da wir zwei Aufgänge haben", erläutert Katrin Penzel, Leiterin des Gymnasiums, in dem sich 47 Lehrer um fast 500 Schüler kümmern. Im Klassenzimmer müsse zwar kein Mund-Nase-Schutz getragen werden, das könne aber je nach Bedarf geändert werden. Gleichwohl seien die Vorgaben der Landesregierung nicht in jedem Fall eins zu eins umsetzbar. "Die Vermischung der Schüler ist nicht vermeidbar, zudem fehlt Ersatz für Lehrer aus Risikogruppen", sagt Penzel.

Auch die Saxony International School, die unter anderem Häuser in Glauchau, Meerane, Reinsdorf und Crinitzberg betreibt, will zur Normalität zurückkehren. "Aktuell gehen wir vom geregeltem Schulbetrieb aus. Da es aber jederzeit wieder vorkommen kann, dass in geteilten Klassen, eventuell auch im Homeschooling gearbeitet werden muss, haben wir die Vorbereitungszeit genutzt, uns intensiv mit digitalen Unterrichtsmethoden beschäftigt und unsere Pädagogen hierfür weiterqualifiziert", erklärt Simone Stratmeier, Mitarbeiterin der Geschäftsführung. Letztlich müsse aber jede Schulleitung selbst entscheiden, wie sie ihr Hygienekonzept umsetzt. So sollen beispielsweise an der Internationalen Grundschule in Glauchau die Schüler in den ersten 14 Tagen möglichst im Klassenverband bleiben. Deren Chefin Bianca Teichmann spricht von einer Art "Quarantänezeit". So gebe es gestaffelte Essenszeiten, viel Unterricht im grünen Klassenzimmer. "Fachfremde Personen wollen wir im Unterricht auf ein Minimum herunterfahren."

Laut Sten Förster vom Kreisschülerrat hat Corona zur "neuen Normalität" geführt. Die jungen Leute bräuchten zwar soziale Kontakte. Dennoch aber appelliert der 18-Jährige, der gerade am Lessing-Gymnasium in Hohenstein-Ernstthal sein Abi gemacht hat, dass sich die Kinder und Jugendlichen penibel an die individuellen Hygienekonzepte halten. In die gleiche Kerbe schlägt Uwe Burkhardt vom Zwickauer Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. "Der Schutz der Beschäftigten muss weiter im Mittelpunkt stehen", sagt der 56-Jährige, der an der Oberschule im Werdauer Stadtteil Leubnitz unterrichtet. Für das neue Schuljahr hält er nichtsdestotrotz die Option für einen Mix aus Präsenz- und Fernunterricht als rotierendes System im Ernstfall für denkbar. Auch müssten alle Beteiligten bei einem Corona-Ausbruch auf "die komplette Rückkehr in den Fernunterricht" vorbereitet sein.

Daran mag Annett Hertel vom Kreiselternrat Zwickau derzeit nicht denken. Auch sie hält zwar mehr Normalität für bedeutsam, moniert aber die Informationspolitik eines Großteils der Schulen. "Die meisten Schulleitungen glauben, wenn die Kinder informiert sind, sind es auch die Eltern", sagt sie. "Ich nehme an, dass an vielen Schulen am Montag die Kinder Info-Zettel erhalten." Ihrer Ansicht nach ist das viel zu spät. Solange sich die Welt in der Pandemie befände, müssten Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam an Konzepten arbeiten. Aus vielen Gesprächen weiß sie, dass das nicht überall der Fall ist. Dabei würde der Austausch den Eltern Angst nehmen. Letztlich gehe es vor allem um mehr Klarheit über die Corona-Regeln.

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