Mauteinnahmen für Straßenbau

Zwickau.

Die Bedeutung des Marktfleckens Zwickau beruhte im Wesentlichen darauf, dass sich hier an einer Muldefurt eine Kaufmannssiedlung entwickelte. Auf dem Markt kreuzten sich später zwei Altstraßen, historische Wege des Landverkehrs. Aus Prag kam einer der Zweige des Böhmischen Steigs, der über die Höhenzüge des Vogtlandes und des Erzgebirges führte. Dieser verband seit dem späten 11. Jahrhundert das Gebiet der Mark Meißen mit Böhmen. Der über Zwickau führende Zweig, der Böhmenweg, führte über die Hohe oder Freitagstraße, über Lößnitz, Grünhain, Preßnitz nach Prag. Der Straßenteil aus Halle und Leipzig wurde meistens Salzstraße genannt, da das wertvolle Salz aus den Salinen in Richtung Süden transportiert wurde.

Die Frankenstraße kam aus Richtung Nürnberg und führte zunächst bis nach Bautzen. Sie diente der Besiedlung der östlichen Gebiete durch die Franken.

Ab 1476 verband die Zwickau/Schneeberger Landstraße diese beiden Städte über die Dörfer Schedewitz, Bockwa, Nieder- und Oberhaßlau, Wiesen, Weißbach und Grießbach. Während der Blüte des Silberbergbaus, an dem sich die Zwickauer Patrizier führend beteiligten, kam auch der Name Silberstraße auf. Zwei Brücken überspannten in Schedewitz und Silberstraße die Zwickauer Mulde, die von einem Chausseewärter beaufsichtigt wurden und der für den Landesherrn das Chausseegeld, auch als Maut bezeichnet, kassierte.

1796 wurden an der Brücke in Silberstraße 4319 Wagen, 2061 Karren, 2998 Schiebeböcke und 1113 Stück Vieh gezählt, für die fast 198 Taler Brückenzoll bezahlt wurden. Im Jahre 1825 wurden in Silberstraße fast 2115 Taler Chausseegeld und 421 Taler Brückengeld (in Schedewitz fast 3569 beziehungsweise 1189 Taler) eingenommen.

So wurde der Bau von Straßen- und Brücken und deren Instandsetzung finanziert, denn den 7292 Talern Einnahmen standen etwa 2728 Taler an Straßenreparaturkosten gegenüber. Zuerst neun, später fünf Wegewärter kontrollierten diesen Straßenabschnitt auf technische Mängel und warteten ihn entsprechend auch.

Auf der Rompilger-Karte des Erhard Etzlaub aus dem Jahre 1500 ist die Stadt Zwickau als eine der zahlreichen Stationen eingezeichnet. Der Weg kam von Stettin und führte in unserer Region durch Altenburg, und Zwickau weiter nach Eger und Weiden. Bereits um das Jahr 1330 waren in Zwickau der Untere und der Obere Steinweg als Teil der Nord-Süd-Verbindung gepflastert.

Der Pfarrer und Landesgeograf Adam Friedrich Zürner (1679-1742) wurde am 12. April 1713 vom sächsischen Kurfürsten August dem Starken beauftragt, alle Ämter des Kurfürstentums Sachsen zu vermessen und zu kartografieren. Er bereiste mit seinem Geometrischen Wagen das Land und ließ Ganz- meilen-, Halbmeilen-, Viertelmeilen-, Tor- und Distanzsäulen aufstellen. Die Nachbildung eines Originals steht heute an der Inneren Schneeberger Straße in Zwickau. Eine Meile entsprach zwei Stunden Weg beziehungsweise 9,062 Kilometer Wegstrecke.

In Sachsen wurden Anfang des 19. Jahrhunderts auf Befehl des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte bestehende Straßen zu Chausseen umgebaut. Chausseen waren sogenannte Kunststraßen, die besser ausgebaut waren als die übrigen Straßen und die an den Rändern Baumbepflanzungen (oft Pappeln zur Erkennbarkeit, später Ahorn und Obstbäume) besaßen. An die ingenieurmäßig geplanten Straßen wurden besondere Anforderungen bezüglich des Streckenverlaufs, der Straßenneigung, der Bauweise einschließlich der Randstreifen und der Entwässerung gestellt. Da die sechs Meter breiten Chausseen für Militär- und Ziviltransporte sehr praktisch waren, wurde deren Bau auch nach der Entmachtung Napoleons fortgesetzt.

Am 31. Dezember 1885 wurde dem Gesetz vom 24. Juni des Vorjahres entsprechend das Chaussee- und Brückengeld aufgehoben. Für die Fuhrleute war es belastend, dass sie ständig an derartigen Stellen Geld bezahlen mussten und viel Zeit verloren. Jetzt wurden Schlagbäume und Chausseegeldeinnahmehäuser an den Ausfallstraßen überflüssig. In der Zwickauer Gegend befanden sich derartige Geldeinnahmestellen zum Beispiel an der Kreuzung Äußere Dresdner Straße/Freitagstraße, in der Pölbitzer Straße 25 (Pölbitz), an der Äußeren Schneeberger Straße 130 (Schedewitz) und an der Werdauer Straße in Marienthal. An der Cainsdorfer Brücke befand sich zum Beispiel eine Brückengeldeinnahmestelle. Es wurden meistens 8 Pfennige für ein Fuhrwerk, 5 Pfennige für einen Reiter und 2 Pfennige für ein Schaf gefordert.

Im Jahre 1934 wurden die Chausseen in Landstraßen erster oder zweiter Ordnung umgewandelt. In der DDR hießen diese Straßen Fernstraßen. Heute gibt es Bundes- und Landesstraßen. In Sachsen werden erstere seit 1990 auch als Staatsstraßen bezeichnet.

Seit 1990 hat der Straßenverkehr bedeutend zugenommen. Deshalb sind zahlreiche neue Staatsstraßen entstanden. Teilweise wurden auch alte Landstraßen modernisiert oder verbreitert.


Straßen für Militär und Zivil

Der Bau der von Zwickau abgehenden Chausseen für Militär- und Ziviltransporte:

Schneeberger Chaussee, später als Zwickau-Schwarzenberger Staatsstraße bezeichnet (Baubeginn: 1805, Bauende: 1811)

Reichenbacher Chaussee (um 1816 bis 1818, nur im Stadtgebiet Zwickau)

Leipziger Chaussee (1821 bis 1823, bis Oberrothenbach fertiggestellt)

Crimmitschauer Chaussee (1823 bis 1825, im Stadtgebiet Zwickau)

Dresdner Chaussee (1824 bis 1826, bis Oberlungwitz)

Werdauer Chaussee (1826 bis 1828)

Bockwa-Wildenfelser Chaussee (1829 bis 1830)

Die Leipziger und die Schneeberger Fernstraßen wurden 1934 zur Reichsstraße 93 zusammengelegt.

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