Medienrummel um Zwickauer Richter

Stephan Zantke hat einem angeklagten Asylbewerber die Leviten gelesen. Jetzt redet die ganze Republik darüber.

Zwickau.

Das Zwickauer Amtsgericht kann sich vor Zuschriften und E-Mails kaum retten. Permanent gehen Dankesschreiben ein, die Absender stammen aus allen Teilen Deutschlands. "Allein am Mittwochabend kamen nach 17 Uhr noch elf E-Mails", sagt Sprecherin Sibylle Peters gestern nach einem kurzen Blick in den Posteingang. "In diesem Ausmaß hatten wir das noch nie. Das ist völlig neu."

Alle Sympathiebekundungen gelten einem Mann, dem Zwickauer Amtsrichter Stephan Zantke. Seine Berühmtheit kam über Nacht und völlig aus dem Nichts. Wegen seiner klaren Ansagen an einen libyschen Straftäter und dem vergleichsweise strengen Urteil, in dem das Gericht über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinausging, ist der Zwickauer Richter bundesweit bekannt geworden. Die Bild-Zeitung schreibt vom "Knallhart-Richter", im Netz heißt er "Richter Gnadenlos", der Branchendienst "Meedia" prognostiziert nur halb im Scherz, der erste Talkshowauftritt sei nur eine Frage der Zeit, der umstrittene AfD-Bundestagsabgeordnete und Dresdner Richter Jens Maier kommentiert: "Dieses Urteil macht Mut!"

Torsten Kleditzsch

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Der Satz, der Zantke berühmt machte, fiel vor fast zwei Wochen während der Hauptverhandlung gegen den 29-jährigen Libyer, der wegen mehrfacher Körperverletzung und Beleidigung angeklagt war. Der Asylbewerber hatte unter anderem in einem Supermarkt an der Katharinenstraße die Kassiererin als "Nazi-Hure" und "Hitlerschlampe" beschimpft. Eine Zeugin erinnerte sich, dass er etwas gesagt haben muss wie "Scheiß Deutschland." Darauf fuhr Zantke den Mann an: "Wenn es hier so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?"

Zantke redete dem Flüchtling weiter ins Gewissen. Unter anderem sagte er: "Sie erhalten von unseren Steuern ein Dach über dem Kopf - und jetzt müssen wir noch Ihren Schaden bezahlen." Und: "Was wäre passiert, wenn wir solche Straftaten in Libyen begehen? Dann wären wir wohl nicht mehr am Leben."

Der eine Satz aber und das anschließende Urteil - zweieinhalb Jahre Gefängnis statt die von der Staatsanwaltschaft geforderten 15 Monate - erzeugen das immense Echo, mit dem das Amtsgericht gerade konfrontiert ist.

Stephan Zantke selbst ist derzeit nicht erreichbar, sagte aber zuvor der Zeitung "Die Welt": "Wenn man so über den Staat schimpft, sind meine Worte ja auch nachvollziehbar. Ich habe dem Mann nur den Spiegel vorgehalten." Er erhalte auch Zuschriften von Ausländern, die ihn dafür loben, ausländischen Straftätern die Grenzen aufzuzeigen.

Im Amtsgericht staunt man über den ganzen Rummel. "Ich glaube, viele Menschen haben einfach den Eindruck, dass nun ein Richter das ausgesprochen hat, was viele denken", sagt Peters. Sie betont aber mehrfach: "Das Urteil wäre genauso ausgefallen, wenn es sich um einen Deutschen gehandelt hätte." Das Gericht habe die sieben Anklagepunkte schlicht anders gewertet als die Staatsanwaltschaft.

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20Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    Charly359
    20.12.2017

    Wäre im Übrigen der Libyier ein drogenabhängiger Deutscher gewesen, die immerhin 80% der in diesem Bereich angesiedelten Straftaten stellen,was meint ihr wie kuschelig da unsere Justiz sein kann.Alles Politik,muss man neun Plan haben um hier mitzureden.Zwingend.

  • 10
    1
    1953866
    16.12.2017

    @Charly359, "Jeder dritte Deutsche findet es hier suboptimal" Der Unterschied eines hier Geborenen, bzw. von "Menschen, die schon länger hier leben" (Merkel) und jemanden der sich bei rund 200 Staaten auf dieser Erde explizit Deutschland als seine neue Heimat aussucht, sollte wohl klar sein. Davon abgesehen, verlassen jährlich rund eine Million Bürger Deutschland. Ohne im Zielland vom dortigem Steuerzahler, ?ein Dach über dem Kopf?, Taschengeld und medizinische Hilfe zu erhalten. Dafür muss der deutsche Auswanderer schon selbst aufkommen.
    @SimpleMan, ich bin auch der Ansicht, es sollte unabhängig von der Nationalität geurteilt werden. Aber wenn Sie meinen, wer als Gast aus Libyen die mit nicht unerheblichen Kosten verbundene Gastfreundschaft so missachtet und buchstäblich mit Füssen tritt, dann sollte die Strafe auch etwas anders ausfallen, dann ist das schon ok.

  • 8
    3
    Charly359
    16.12.2017

    Nicht desto trotz sind Beleidigung und Körperverletzung in unserem Rechtssystem strafbare Handlungen da diese die Würde des Menschen unmittelbar verletzen und demzufolge ungeachtet der Nationalität des Täters zu verurteilen.Punkt.

  • 9
    2
    BlackSheep
    16.12.2017

    @charly359, wiso muss ein hartes Urteil gegen einen Ausländer immer einen politischen Anstrich haben, viele finden das einfach gerecht für die Straftaten die der Täter begangen hat, Sie machen sich zuviele Gedanken über die Täter und anscheinend keine über die Opfer.

  • 3
    10
    SimpleMan
    16.12.2017

    Die Herkunft des Täters sollte bei einem Urteil egal sein. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Richter das genau so gesehen hat.

  • 2
    10
    Charly359
    16.12.2017

    Darum geht es nicht.Jeder dritte Deutsche findet es hier suboptimal, fragt den der Richter dann auch...nu,was willste dann hier?Inwiefern sich Angeklagte mehr oder weniger schlaue Fragen anhören dürfen liegt am Richter selbst und ob sie diese beantworten, in der Hand des Angeklagten.Nur hat das Urteil den Anschein,ein klares Statement einer politischen Richtung Rechnung zu tragen die zweifelsohne Vielen aber beileibe nicht Allen gefällt.Wenn dann noch ergänzende Wertschätzung von einer Angestellten der Justiz kommen,ist der Ofen eigentlich aus.Oder?....

  • 8
    2
    Zeitungss
    16.12.2017

    Kaum zu glauben, was so ein Richterspruch doch auslösen kann, wenn man die Kommentare verfolgt. Der Mann hat nur das getan, für was er einmal vereidigt wurde und was noch viel wichtiger ist, er hat es bei seiner Begründung genau auf den Punkt gebracht, wofür ich ihm meinen besonderen Dank ausspreche. Seine Worte sollte den Freunden der Willkommenskultur Augen und Ohren öffnen, was aber leider nicht der Fall ist. In die Herkunftsländer unser "Gäste" gleich mit übersiedeln wollen sie allerdings auch nicht. Hätten wir mehr von diesen Leuten, könnte man unserer Rechtsprechung gelegentlich wieder etwas abgewinnen, was gegenwärtig nicht der Fall ist.
    Jetzt mag jeder von mir denken was er will, die Einhaltung von Recht und Ordnung ist oberstes Gebot für alle und als "Gast" ERST RECHT. Sollte es jemand nicht so sehen, darf er es mit einem Auftritt dieser Art in einem anderen Land auf die Probe stellen. Eine im Brot eingebackene Feile wäre noch stemmbar. Ich hoffe der Inhalt kam an, auch wenn er nicht in Bürokratendeutsch verfasst ist, wenn nicht, verkrafte ich es auch.

  • 12
    1
    1953866
    16.12.2017

    @charly359, die Sätze "Wenn es hier so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?" und ""Was wäre passiert, wenn wir solche Straftaten in Libyen begehen?..." hat doch nichts mit "das Recht auf Meinungsfreiheit nur kann er das bedingt und im Gerichtssaal schon mal gar nicht ausleben." zu tun. Das sind wohl mehr als berechtigte Fragen des Richters. Was glauben Sie, welche Fragen sich Angeklagte von Richtern so anhören dürfen und wozu ein Richter da ist?

  • 3
    10
    Charly359
    16.12.2017

    @Punktegeist...Schwarzschaf usw....kann ich und das nicht erst seit gestern.Im Übrigen hat ein Richter wie jeder Bürger hier das Recht auf Meinungsfreiheit nur kann er das bedingt und im Gerichtssaal schon mal gar nicht ausleben.

  • 6
    2
    Pixelghost
    16.12.2017

    @Charly, man nennt das was Sie kritisieren Objektivität. Zum Zweiten: sind Sie Jurist? Seit wann können Sie beurteilen, was ein Richter an einen Strafgericht beurteilen und sagen darf und was nicht?

  • 11
    1
    BlackSheep
    16.12.2017

    @charly359, für ein höheres Urteil wie die Staatsanwaltschaft, gleich Kritik; Wieso? Ein Richter in Deutschland kennt sicher die Gesetze innerhalb derer er sich bewegen kann. Das man wenn man die Gedanken vieler ausspricht abtauchen sollte, zeugt von ihrem Verständniss der Meinungsfreiheit.

  • 1
    19
    Charly359
    15.12.2017

    Autsch.Seit wann kann Zantke beurteilen ob er in Libyen noch am Leben wäre und seit wann darf ein Richter zum Sprachrohr der Gedanken Vieler werden.Und wieviele denken denn wie ? Das Vernünftigste an der Geschichte ist,das Zantke abtaucht und das möglichst lange.Mit Subjektivität hat das nichts mehr zu tun,Zantke sollte beim Richter Eisenreich Unterricht nehmen.

  • 10
    3
    SimpleMan
    15.12.2017

    @1953866 " ... den Sinn Ihrer Zeilen kann ich nicht deuten ..." Da sind Sie nicht allein, ich auch nicht ;-)

    Schreiben wollte ich: Wichtig ist, dass ein Libyer für seine Straftaten zur Verantwortung gezogen wurde und es sollte nicht sein, dass ein Libyer bestraft wurde, weil er ein Libyer ist. Der Richter sollte schon gute Gründe haben, eine fast doppelt so hohe Strafe zu verhängen, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert. Merkwürdig finde ich auch, warum aus einer so unbedeutenden Verhandlung, Zitate so massiv in die Öffentlichkeit getragen werden.

  • 13
    1
    Einspruch
    15.12.2017

    Was hätten denn die Kritiker des Urteils gern? Kuscheljustiz und Hilflosigkeit gegenüber angeblich Hilfsbedürftigen gewaltbereiten
    Schutzsuchenden? Wer seinen Aufenthalt hier nur dazu nutzt, um straffällig zu werden, der ist überflüssig und kann einsitzen oder gehen. Schliim genug, das Steuergelder für die Sachschäden und sonstiges verplempert werden, die woanders fehlen.

  • 9
    2
    BlackSheep
    15.12.2017

    Wieso die roten Daumen bei Tauchsieder? Na ja, man sieht einige vertragen die Wahrheit nicht.

  • 19
    2
    1953866
    15.12.2017

    "Das Urteil wäre genauso ausgefallen, wenn es sich um einen Deutschen gehandelt hätte."
    Richtig! Nur handelt es sich eben nicht um einen Deutschen und deshalb gibt es ja diesen Rummel, da offensichtlich Urteile bei Ausländern in dieser Höhe ungewöhnlich sind. Warum hat denn die Staatsanwaltschaft, obwohl auf den Angeklagten schon der nächste Prozess wartet, nur 15 Monate gefordert?
    @SimpleMan, den Sinn Ihrer Zeilen kann ich nicht deuten Liegt aber bestimmt an meinem Leseverständnis.

  • 0
    17
    SimpleMan
    15.12.2017

    Wichtig ist, dass ein Libyer für seine Straftaten zur Verantwortung gezogen wurde und es sollte nicht sein, dass ein Libyer bestraft wurde.

  • 22
    1
    Zeitungss
    15.12.2017

    Hut ab Herr Richter, Danke !!!!

  • 14
    6
    Tauchsieder
    15.12.2017

    Wieder typisch Journaille > .... vergleichsweise strengen Urteil ..< oder > ... Die Bild-Zeitung schreibt vom "Knallhart-Richter" ......"Das Urteil wäre genauso ausgefallen, wenn es sich um einen Deutschen gehandelt hätte...< mag wohl wahr sein. Der Deutsche wäre aber für die gleichen Äußerungen sofort in die rechte Ecke gestellt worden, Äußerungen eines AfD-Anhängers usw. .
    Ein Richter mit klaren Ansagen !

  • 20
    1
    Hinterfragt
    15.12.2017

    Das Urteil und die Ansage des Richters machen mir doch noch Hoffnung...



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