Mit Niederlagen Demokratie lernen

Vor über zwei Jahren wurde in Zwickau der erste Jugendbeirat gewählt. Trotz anfänglicher Probleme zieht der Vorsitzende eine positive Bilanz.

Zwickau.

Corona hat den politischen Nachwuchs in Zwickau fest im Griff. "Wegen der Pandemie ist vieles anders gelaufen, als geplant." Das sagte der Vorsitzende des Jugendbeirates Sven Richter zum Ende der ersten Wahlperiode. Nahezu alle Veranstaltungen, auf denen sich das zehnköpfige Gremium einbringen wollte, fielen Corona zum Opfer. Der Jugendbeirat arbeitet ähnlich dem Stadtrat, befasst sich aber ausschließlich mit Jugendthemen. Insgesamt aber zog der 21 Jahre alte Student der Betriebswirtschaftslehre eine positive Bilanz. Dass die AfD im November das Konzept ablehnte und damit den Beirat infrage stellte, habe geschmerzt. Doch: "Es hat uns in unserer Arbeit nur bestärkt", betonte Richter. Auch die anfängliche Skepsis in den Ämtern und Teilen der Kommunalpolitik lasse allmählich nach. Eines der erfolgreich umgesetzten Projekte sei die Gründung der Klima AG gewesen. Aber auch beim Lärmaktionsplan und speziell speziell beim Thema Radverkehr habe man sich eingebracht. "Wir machen uns für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel stark", sagte der Student. Gerade habe der Jugendbeirat ein neues großes Projekt gestartet. Freizeitangebote wie Bolzplätze oder ähnliches sollen erfasst werden. So soll dann ermittelt werden, wo noch Bedarf für Treffs besteht.

Die Mitglieder des Beirates wissen, dass sie nicht jeden ihrer Vorschläge umsetzen können. Von Frust oder Demotivierung will Sven Richter allerdings nicht sprechen, wenn die "großen" Stadträte eine ihrer Vorlagen ablehnen. "Das ist für uns eher Motivation, weiterzumachen", sagte er.

Dass der Jugendbeirat öffentlich kaum wahrgenommen wird, ist auch der Tatsache geschuldet, dass seine Sitzungen nach dem Willen der Landesregierung nicht öffentlich erfolgen. "Für unsere eigentliche Arbeit ist das nicht hinderlich", sagte Richter. Aber es sei notwendig, die Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern.

Für René Hahn (Die Linke), einen der beiden im Jugendbeirat vertretenen Stadträte, war die Gründung die richtige Entscheidung. Er sieht darin die Möglichkeit, Jugendliche an politische Arbeit und Demokratie heranzuführen. Er selbst kann aus seiner Mitgliedschaft im Beirat zudem wichtige Erkenntnisse für seine Arbeit als Stadtrat gewinnen. "Wir müssen mehr mit den Jugendlichen reden und nicht nur über deren Köpfe hinweg entscheiden", sagte er. Im Frühjahr soll ein neuer Jugendbeirat per Briefwahl gewählt werden. Sven Richter will auf jeden Fall wieder zur Wahl antreten. (nkd)

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