Narren übernehmen die Macht

"Stefan, rück den Schlüssel raus", sangen die Karnevalisten vor dem Rathaus in Wilkau-Haßlau. Dem gab der Bürgermeister nach.

Wilkau-Haßlau.

Im Stadtgebiet von Wilkau-Haßlau gilt seit Montag bevorzugt der Gruß "Wilkau, Helau". Pünktlich um 11.11 Uhr übernahmen die Narren des Wilkauer Carnevalclubs (WCC) die Macht im Rathaus und damit auch den goldenen Schlüssel. Den hätte Bürgermeister Stefan Feustel (CDU) zwar auch einfach aus dem Fenster werfen und die Tür von innen verriegeln können. Er erlag dann aber doch der Verlockung, von zwei Mädchen aus der Tanzgarde aus dem Amtssitz eskortiert zu werden.

Rund 100 Menschen wollten draußen das strahlende Gesicht des Rathauschefs sehen. Von einer solchen Besucherzahl können die Stadträte bei ihren Sitzungen nur träumen. Und Feustel schaffte es sogar, die humoristisch hart gesottenen Karnevalisten für einen Moment sprachlos zu machen. Er kündigte an, dass sie ihn nicht wieder loswerden würden. Die nächsten sieben Jahre hat er nach seiner Wiederwahl ohnehin die Schlüssel- gewalt inne - danach, so sein Beschluss, wolle er König von Wilkau-Haßlau werden.

Doch seine Inthronisierung ist Zukunftsmusik, zunächst musste er, als letzte Amtshandlung vor dem Aschermittwoch, noch das diesjährige Prinzenpaar küren. Dabei gibt es ein Novum: Prinzessin Anne und Prinz Michael waren vor drei Jahren schon einmal eingesetzt worden, mussten jedoch mitten in der Saison aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Jetzt gibt es sozusagen eine zweite Chance für das Prinzenpaar, bei dem es sich um die ehemalige Zwickauer Stadtmanagerin und ihren Partner handelt.

Anne und Michael hatten dann auch gleich ein paar Vorschläge zur Stadtplanung. Künftig soll es nämlich endlich mal rundlaufen im Stadtgebiet. Um den täglichen Stau auf der Muldebrücke zu entschärfen, empfahlen sie einen riesigen Kreisverkehr, der fast alle Ortsteile umfasst. Dort könnte dann auch der Plusbus fahren. Feustel versuchte dem Stau dagegen etwas Positives abzuringen. Immerhin könne man in der Zeit, in der man warten müsse, viele Dinge erledigen, die sonst liegen blieben. Getanzt wurde natürlich zum Abschluss der Krönung ebenfalls: der Schneewalzer. Das passte zur Temperatur.

Für den Carnevalclub war die frostig-lustige Fete im Freien auch der Auftakt für das neue Programm, das in diesem Jahr unter dem Motto "Alexa bringt uns auf den Dreh, heut feiern wir beim WCC" steht. Ab Januar ist es in sechs Sälen der Region zu erleben. Erstmals auch wieder in Zwickau, im Klubhaus "Sachsenring". Das ist übrigens laut WCC-Chef Lutz Voigtmann einer der wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Städten. "Wir haben Fasching, in Zwickau gibt es das nicht." Aber man wolle ja nicht so sein - und den Kreisstädtern etwas vom eigenen Humor abgeben.

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