Neue Brücke als Provisorium

Die Mühlgrabenbrücke in Crossen ist marode wie kaum eine Brücke im Stadtgebiet. Jetzt soll nördlich davon ein Neubau entstehen - aber nur als Übergangslösung.

Zwickau.

Dass die Tage der Mühlgrabenbrücke gezählt sind, wäre sicher übertrieben formuliert. Dennoch ist der Neubau des Bauwerkes, das im Zwickauer Ortsteil Crossen die Schneppendorfer Straße über einen Seitenarm der Zwickauer Mulde führt, einen Schritt vorangekommen. Einstimmig vergaben die Mitglieder des Bauausschusses auf ihrer jüngsten Sitzung den Auftrag für die Planungen, die 171.700 Euro kosten sollen.

Der Leiter des städtischen Tiefbauamtes, Thomas Pühn, der früher persönlich für die Zwickauer Brücken verantwortlich war, machte noch einmal deutlich, dass man den Bau nicht ewig aufschieben könne. Er berichtete von schwer beschädigten Betonteilen, freiliegender Bewehrung, verrosteten Metallteilen und zahlreichen anderen Schäden, die dem Viadukt im Laufe der Jahrzehnte stark zugesetzt haben.

Größere Instandhaltungsarbeiten hat die Brücke seit Jahren nicht erlebt. Nach dem jüngsten Prüfbericht erhielt das Bauwerk die Zustandsnote 3,9. Eine schlechtere Bewertung gibt es nicht. Längst ist die Brücke für Lastwagen gesperrt, was allerdings den einen oder anderen Brummifahrer nicht davon abhält, die Schneppendorfer Straße als Abkürzung zu nutzen.

Wie Pühn sagte, gehe man bei einer Brücke in der Regel von einer Lebensdauer von 80Jahren aus. "Die in den 1930er-Jahren gebaute Mühlgrabenbrücke hat diesen Zeitraum bereits überschritten", sagte er. Das und die zahlreichen Schäden lassen eine wirtschaftlich sinnvolle Sanierung nicht mehr zu, sagte der Amtsleiter. "Für die Mühlgrabenbrücke kommt nur ein Neubau infrage."

Die Planungen wurden demselben Ingenieurbüro übertragen, das auch schon die Pölbitzer Brücke geplant hat. Entstehen soll der Neubau einige Meter nördlich der alten Brücke zunächst aber nur als eine Art Provisorium. Das habe auch den Vorteil, dass die alte Mühlgrabenbrücke während der Bauzeit weiter genutzt werden kann, sagte Thomas Pühn. Erst später soll sie abgerissen werden.

Dass der Ersatzbau eine Art Übergangslösung bleibt, hat einen guten Grund: Die Stadt hält nämlich an ihrem Vorhaben fest, mit der Verlängerung der Mitteltrasse eine kurze Verbindung zwischen der Leipziger Straße und der Bundesstraße 93 zu schaffen. Damit müsste allerdings in einiger Entfernung eine weitere Brücke gebaut werden. Doch deren Baubeginn ist langfristig nicht in Sicht.

Bevor das "Provisorium" gebaut werden kann, dürften noch mindestens zwei bis drei Jahre vergehen. Zunächst muss ein aufwendiges Genehmigungsverfahren durchgeführt werden. Stadtrat Herbert Reischl (Fraktion Die Linke) brachte eine andere Idee in die Diskussion ein. Er hält die Brücke für ebenso überflüssig wie den Bach selbst. "Der Mühlgraben hat seine Bedeutung verloren", sagte er. Ohne es direkt auszusprechen, wollte er wissen, ob man den Graben nicht einfach zuschütten könne. Das jedoch ist nicht möglich, wie Thomas Pühn sagte. Zum einen diene er bei Hochwasser als zusätzlicher Abfluss für die Mulde, und zum anderen münde der Schneppendorfer Bach auf seinem Weg in die Mulde in den Mühlgraben.

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