Neuer Planer fürs Gewandhaus stößt auf alte Bedenken

Der zuständige Ausschuss beauftragt einen neuen Architekten, rechnet aber mit weiteren Schwierigkeiten. Es geht um Geld und um die Baudauer.

Zwickau.

Wenn sich die Stadtverwaltung am Donnerstag mit Klaus Sorger zusammensetzt, ist der Geraer Architekt nicht nur ganz offiziell der neue Chefplaner für den Umbau des Zwickauer Gewandhauses, er hat dann auch einen ganzen Rucksack an Vorbehalten und offenen Fragen geerbt. Sorger, so viel steht seit Montagnachmittag fest, ist dazu bestimmt, den Theaterumbau zu Ende zu bringen. Dafür gab der Bauausschuss einstimmig grünes Licht. Er hat viel Arbeit vor sich.

Neben den baulichen Herausforderungen, die das 500 Jahre alte Gemäuer bietet und an denen sein im September 2017 geschasster Vorgänger Sebastian Thaut nach damaliger Ansicht der Stadtverwaltung gescheitert ist, muss Sorger Fragen nach den Kosten und der Bauzeit beantworten. Bislang äußerte sich die Stadt dazu meist vage. In den Vergabeunterlagen sind dagegen sehr konkrete Zahlen benannt. Demnach soll Sorgers Honorar für die Fertigstellung bei 598.000 Euro liegen, Veränderungen je nach noch zu ermittelnder Gesamtsumme möglich. Die mögliche Abweichung irritierte zahlreiche Ausschussmitglieder, doch auf eine Höchstsumme, die der Planer maximal erhalten soll, wollte sich die Verwaltung nicht festlegen. Das hänge davon ab, wie viele Arbeiten zum Stand seines Antritts schon erbracht sind und wie viele noch erbracht werden müssen, sagte Christoph Kaufmann vom Zwickauer Hochbauamt. Zu ermitteln sei das erst am Ende. Und noch eine zweite Sache ist in den Unterlagen festgelegt: die Fertigstellung zum 31. Dezember 2019. Sorger habe darin signalisiert, den Termin einhalten zu können.

Das klingt manchen Ausschussmitgliedern zu ambitioniert. Herbert Reischl (Die Linke) hält den Termin für illusorisch. "Anstatt hier schon wieder Zeitdruck aufzubauen und das Theater irgendwie auf den letzten Drücker fertig zu bekommen, sollten wir die Leute in Ruhe und ohne Druck arbeiten lassen. Damit etwas Ordentliches herauskommt", sagte er. Es spiele überhaupt keine Rolle, ob das Stadttheater 2019 oder 2020 fertig wird. Zudem sagte Reischl: "Das Honorar für den Planer reicht niemals. Ich kenne den Bau gut, da wird mehr fällig."

Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) verwies auf die strengen Kriterien, welche die Stadt bei ihrer Ausschreibung zu beachten hatte. Bei der Vergabe könne man nun Vorschlägen aus den Reihen des Ausschusses, dem neuen Architekten mehr finanziellen und zeitlichen Spielraum zu geben, nicht ohne Weiteres nachkommen.

Sorger, der bereits den Umbau des Geraer Theaters betreut hatte, soll in Zukunft mit Frank Firmbach zusammenarbeiten, der den Umbau des Gewandhauses in den vergangenen Monaten übergangsweise geleitet hatte. Im Gegensatz dazu soll die Zusammenarbeit mit Wolfgang Hertrampf ein Ende finden. Der Vertrag mit Hertrampf, der als Projektsteuerer den Umbau betreut hatte, soll aufgehoben werden. "Darüber werden wir in den nächsten Tagen Einigung erzielen", sagte Köhler. Die Ablösung Hertrampfs war eine der zentralen Forderungen des Akteneinsichtsausschusses. Demzufolge war das Kompetenzgerangel zwischen dem Projektsteuerer, dem Hochbauamtsleiter und dem Architekten der Hauptgrund für die Probleme auf der Baustelle.

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