Projekt "Essbare Stadt": Nicht alles ist noch appetitlich

Der Enthusiasmus war groß, als im Frühjahr 2017 auf Beete im öffentlichen Bereich in Zwickau Obst und Gemüse kam. Doch langfristig trägt die gute Idee nicht überall Früchte.

Zwickau.

Ein Leserhinweis zu ungepflegten Hochbeeten im Schlobigpark war der Anlass, einmal zu schauen, was aus dem Projekt "Essbare Stadt" geworden ist, das im Frühjahr 2017 innerhalb der Aktion "Zwickau blüht auf" startete. Es war hervorgegangen aus einem Ideenwettbewerb, den Zwickau ein Jahr davor veranstaltet hatte.

Vielleicht lag es am Regen, aber die drei Hochbeete präsentierten sich bei eine Begutachtung zum großen Teil grünend und blühend. Eine Gurke lud zum Ernten ein, genau wie verschiedene Kräuter. Den Blaubeersträuchern ist die sonnige Lage aber nicht bekommen. Eine Spaziergängerin sagt, dass sie zwar selbst nichts erntet, aber die Idee gut finde. Allerdings gibt es Instandsetzungsbedarf an den Beeten. Einige stark angefaulte Holzpalisaden müssten ausgewechselt werden. Jemand hat eine Lücke schon notdürftig mit Latten gesichert.

Das Hochbeet an der Katharinenstraße gleich neben der Nicolaischule ist schon lange nicht gepflegt worden. Es gibt viel vertrocknetes Gestrüpp. Der Essigbaum, der 2017 zwischen den Gemüse- und Kräuterpflanzen sowie den Obstgehölzen stehengeblieben ist, hat viele "Junge" bekommen, die die Fläche zuwuchern. Ein paar Erdbeerpflanzen halten sich tapfer. Auch Dill, der sich wahrscheinlich selbst ausgesät hat, sprießt. Zwei Passantinnen schütteln die Köpfe: "Das ist ein Schandfleck", sind sie sich einig.

Eigentlich sollte hier jeder gießen, Unkraut jäten und auch ernten können. Doch getan hat das wohl - zumindest über lange Zeit - niemand. Auch Schüler der Koch-AG, die beim Neugestalten des Hochbeetes geholfen hatte, wollten von der Fläche Zutaten für ihre Gerichte ernten. Doch daraus ist nichts geworden. "Es handelt sich ja um Koch- und nicht um Schulgarten-AGs, es geht um das Zubereiten und nicht den Anbau von Obst und Gemüse", sagt Ralf Burkhard, der Leiter der Nicolaischule. "Die Kinder verarbeiten Erntegut aus unserem Schulgarten. Im Mittelpunkt steht gesundes Essen. Das, was im Hochbeet an der Straße wächst, wo auch Zigarettenkippen und anderer Unrat landen, ist wohl nicht so gesund. Vielleicht sollten einfach wieder Ziergehölze rein und die Pflege erneut von der Stadt übernommen werden."

Dieser ist der Zustand des Beetes nicht entgangen. Über die Beendigung des Projektes und die Wiederaufnahme der Fläche in die Pflege des Garten- und Friedhofsamtes soll es Gespräche geben. "Von vornherein hatte die Stadt gesagt, das Projekt ,Essbare Stadt' nicht dauerhaft in der Pflege zu übernehmen. Leistbar wäre wieder eine Bepflanzung wie an vielen anderen Stellen der Innenstadt, die dann mit in die turnusmäßige Pflege aufgenommen wird", sagt Stadtsprecherin Heike Reinke. Im Schlobigpark sei eine Bewirtschaftung der Beete durch Dritte "noch erkennbar". Größere bauliche Veränderungen seien derzeit nicht vorgesehen, sondern erst nach der Entscheidung zur weiteren Entwicklung dieses Parkbereichs, so Reinke. Durch die Stadt seien keine Fördermittel bereitgestellt worden.

Unterstützt und gefördert worden ist die "Essbare Stadt" anfangs vom Verein "Alter Gasometer," der Zwickauer Partnerschaft für Demokratie und dem Bundesprogramm "Demokratie leben". Sie haben ihre Aufgabe aber damals darin gesehen, das Projekt mit anzuschieben und nicht dauerhaft zu betreuen. Stadtmanagerin Ariane Spiekermann war die vergangenen beiden Tage für eine Stellungnahme zur Zukunft der "Essbaren Stadt" nicht zu erreichen.

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