Rathaus-Verkauf stellt Ort vor Probleme

Das Wahrzeichen des Zwickauer Ortsteils Crossen soll den Besitzer wechseln. Wohin aber mit Verwaltung und Vereinen?

Crossen.

Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wann. Mit ernster Mine haben Besucher und Mitglieder des Crossener Ortschaftsrats am Dienstagabend zur Kenntnis genommen, was Vertreter der Zwickauer Stadtverwaltung zum geplanten Verkauf des Crossener Rathauses vorzubringen hatten. Laut der Leiterin des Liegenschaftsamts, Simone Hirschfeld, könnte das seit 2012 zum Verkauf stehende Crossener Rathaus schon bald den Besitzer wechseln. Zum ersten Mal überhaupt gebe es einen ernsthaften Kaufinteressenten. Die Folge allerdings ist, dass alle bisherigen Nutzer des Rathauses sich neue Räume suchen müssen. Und dass es eigentlich keine geeigneten gibt.

Das Rathaus des eingemeindeten Ortes steht in der Regel leer. Das Erdgeschoss wird von der Ortsteilverwaltung belegt, der Ortschaftsrat hält dort seine Sitzungen ab. Weil in Crossen und Schneppendorf große Gasthöfe fehlen, kommen zahlreiche Vereine für ihre Jahreshauptversammlungen im Rathaus zusammen. Außerdem wurden im Gebäude allerhand Unterlagen, Andenken und Gegenstände gesammelt, die das Ortsleben dokumentieren. Die oberen Stockwerke beinhalten Wohnungen, deren Sanierung laut Hirschfeld 700.000 Euro kosten würde. Zudem werde der Dachstuhl langsam undicht.

Kaufen will das Gebäude trotzdem jemand. Laut Hirschfeld handelt es sich um eine Zwickauer Sicherheitsfirma, die sich erweitern und ihren Sitz von Pölbitz nach Crossen verlegen möchte. Das Unternehmen wäre demnach bereit, 422.000 Euro für das Rathaus zu bezahlen, es denkmalgerecht umzubauen und sogar Forderungen des Denkmalschutzes umzusetzen, wie beispielsweise die Uhr auf dem Dach funktionsfähig zu halten. Einen Zeitplan für den Verkauf gibt es noch nicht. Die Verkaufsentscheidung liegt beim Finanzausschuss.

Allerdings fehlt es für die bisherigen Nutzer an Alternativen. Weder im Feuerwehrdepot, noch in der Grundschule oder dem Hort gibt es geeignete Räume. Für den neuen Ortsvorsteher Michael Hillert (CDU) eine gewaltige Herausforderung gleich zu Amtsantritt. "Ich mache das gefühlt erst seit fünf Minuten, und dann kommt gleich zum Anfang so eine Aufgabe", sagt er. Sein Vorgänger Stefan Kramer (CDU) verweist auf einen Brief, den er vor sieben Jahren an OB Pia Findeiß (SPD) auf die Probleme hingewiesen habe, die ein Rathausverkauf mit sich bringe. "Ich habe nie eine Antwort erhalten. Und die Probleme bestehen weiter", sagt Kramer.

Hillert, der schon viele Gespräche geführt und mehrere Objekte besichtigt hat, favorisiert eine Übereinkommen mit der Kirchgemeinde. Das Pfarrhaus sei zwar sanierungsbedürftig, man könne aber den Saal abwechselnd nutzen. Sitzungsteilnehmer warnten aber davor, in ein noch baufälligeres Gebäude umzuziehen. Eine andere Alternative wäre die Mitnutzung von Vereinsräumen des TSV Crossen.

Die Suche dürfte noch eine Weile andauern. Weder für Verkauf noch für Auszug gibt es Zeitpläne. Die Zwickauer Stadtverwaltung hilft zwar bei der Suche nach einem neuen Objekt. Ein möglicher Neubau eines Ortsteilzentrums allerdings gilt als äußerst unwahrscheinlich.

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