Rentner im Steuerstress

Immer mehr Ruheständler müssen Steuern zahlen. Seit Januar gibt es dafür in Sachsen zwar eine vereinfachte Steuererklärung. Trotzdem wächst die Zahl der Beratungssuchenden im Finanzamt.

Zwickau.

Steuererklärungen auf Papier soll es nach dem Willen der Finanzverwaltung künftig nur noch so wenig wie möglich geben. Doch obwohl die Zahl der Vordrucke, die online ausgefüllt und eingereicht werden, immer weiter steigt, nimmt gleichzeitig auch die Zahl derer zu, die persönlich ins Finanzamt Zwickau kommen. Am Dienstag vermeldete das Servicecenter einen neuen Rekord: 374 Besucher.

Die Auflösung für dieses scheinbare Rätsel lieferte Amtsvorsteher Lutz Morgner am Freitag beim Besuch des sächsischen Finanzministers Matthias Haß (CDU) in Zwickau. Vor allem Rentner, die seit Anfang des Jahres eine vereinfachte Steuererklärung ausfüllen müssen, wenn sie gewisse Einkommensgrenzen überschreiten, nutzten die Beratungsangebote. Im ersten Halbjahr wurden so insgesamt 14.800 Besucher an der Servicestelle gezählt. Seit dem 28. Februar gibt es auch Sprechtage im Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal, nachdem das dortige Finanzamt am 1. November mit dem Zwickauer fusioniert hatte. 3023 Besucher wurden seitdem dort registriert. In Limbach-Oberfrohna, wo Oberbürgermeister Jesko Vogel (Freie Wähler) auf einen Sprechtag in seinem Rathaus gedrängt hatte, waren es seit dem 23. April 880.


"Die Präsenz vor Ort wird noch gebraucht", sagte der Finanzminister. Vor allem Rentner würden lieber mit einem Menschen aus Fleisch und Blut sprechen als sich mit einem Computer auseinanderzusetzen.

Die wichtigste Frage lautet dabei: Muss ich tatsächlich diese Steuererklärung abgeben? Dabei habe sich die Einführung der vereinfachten Steuererklärung zumindest als zeitsparend erwiesen, so Haß. Eine Umfrage unter steuerpflichtigen Rentnern ergab, dass jetzt etwa 30 Minuten für das Ausfüllen benötigt werden. Vorher waren es bis zu vier Stunden. Laut Haß sind inzwischen in Sachsen 6000 vereinfachte Steuererklärungen von Rentnern eingereicht worden. "Ich bin dennoch nicht ganz glücklich damit", erklärte der Minister. Zwar konnte der Freistaat als eines der wenigen Bundesländer zumindest die Vereinfachung durchsetzen. "Ich finde es dennoch nicht richtig, dass sich hochbetagte Menschen mit Steuerfragen herumschlagen müssen." Zumal im Osten die Kapitaleinkünfte ohnehin viel niedriger lägen als im Westen.

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