Schlechter wohnen im Alter?

Auf dem Papier gibt es in Zwickau zu viele Wohnungen. Aber gerade für Senioren wird die Luft auf dem Mietmarkt dünner. Jetzt schlägt die GGZ Alarm.

Zwickau.

Zehn Zentimeter haben letztlich gefehlt. Als die städtische Gebäude- und Grundstücksgesellschaft (GGZ) einen neuen Aufzug für einen Wohnblock in Eckersbach einbauen ließ, musste das Unternehmen die 136.000 Euro aus eigener Tasche bezahlen. Staatliche Zuschüsse hätte es nur gegeben, wäre der Fahrstuhl zehn Zentimeter größer gewesen. Das aber ging nicht, weil im Treppenhaus nicht mehr Platz war. Die Folge ist, dass die Mieter für den neuen Fahrstuhl aufkommen müssen. Jedenfalls anteilsmäßig. "Eigentlich hätten wir die Kaltmiete um 2,19 Euro je Quadratmeter erhöhen müssen", sagt GGZ- Geschäftsführerin Maritta Freitag. "Aber das können wir von den Mietern nicht verlangen." Die GGZ begnügte sich mit 80 Cent. Den Rest zahlt sie aus eigener Tasche.

Vermieter stecken in der Zwickmühle. Einerseits steigt der Bedarf an altersgerechten Wohnungen, weswegen viele Betriebe neue Fahrstühle oder barrierefreie Bäder einbauen. Andererseits entstehen dadurch Kosten, die die Unternehmen auf die Mieter abwälzen müssen, um wirtschaftlich zu arbeiten. Dann aber können sich gerade viele Senioren die Wohnungen nicht mehr leisten. Die Politik könnte das Problem lösen, wenn sie nur wollte, findet GGZ-Chefin Freitag.

Sie fordert höhere staatliche Zuwendungen für den sozialen Wohnungsbau, da gerade Senioren oft nur einen schmalen Geldbeutel hätten, und ein Umdenken in der Fördermittelpolitik. "Wenn wir heute Fördergeld bekommen, dann sind wir jahrelang damit beschäftigt, nachzuweisen, dass wir es entsprechend verwenden. Das kostet Ressourcen." Und schlägt sich letztlich auf den Geldbeutel der Mieter nieder.

In Zwickau ist sozialer Wohnungsbau zurzeit kein Thema, weil es in der Stadt zu viele leer stehende Wohnungen gibt. Zwischen 2000 und 2013 sind in der Schumannstadt laut Sächsischer Aufbaubank 8200 Wohnungen abgerissen worden. Das aber reicht noch immer nicht, um die Stadt für die weiter rückläufige Bevölkerung klein zu schrumpfen. Das Analyseinstitut Empirica spricht von immer noch 14 Prozent ungenutzten Wohneinheiten. Allein die GGZ will in den kommenden Jahren 500 ihrer 7100 Wohnungen abreißen.

Trotzdem plädiert Maritta Freitag für den Bau von Sozialwohnungen. Wer nur an den Leerstand denke, mache es sich zu einfach. "Das bedeutet nicht, dass dort morgen schon Senioren einziehen können. Die Wohnungen müssen erst einmal saniert und altersgerecht umgebaut werden", sagt sie. Die GGZ hat 260 ihrer Wohnungen für Umbauten vorgesehen. Auf aufwändige Installationen diverser Sensoren nach dem Smart-Home-Prinzip verzichtet die Gesellschaft aber. "Für die digitale Ausstattung braucht man ein Grundpaket, das etwa 2000 Euro kostet", sagt GGZ-Sprecher Steven Simmon. Zu teuer für viele Senioren, zumal altersgerechte Sanierungen ohne digitale Extras die Mieten bereits stark steigen lassen.

In der Seniorenwohnanlage in Eckersbach, die die GGZ gerade für 3,5 Millionen Euro umbaut, wird der Kalt-Quadratmeterpreis bei bis zu 6,50 Euro liegen. 2,10 Euro höher als im Schnitt. "Das ist schon die absolute Grenze", sagt Maritta Freitag.

Unterstützung erhält der Großvermieter von der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Die Linke). Die Gewerkschafterin kritisiert, dass der altersgerechte Umbau einer Durchschnittswohnung mit 16.000 Euro ins Gewicht falle. "Zwei Drittel der Seniorenhaushalte leben von weniger als 2000 Euro monatlich, ein Viertel hat sogar weniger als 1110 Euro", sagt Zimmermann. Wie, wenn nicht durch staatliche Unterstützung, solle man sich da einen Umbau leisten können, fragt sie. "Sachsen muss sich bewegen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, da die Haushaltsverhandlungen laufen."

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