Siegelabdruck lüftet um Reinsdorfer weiteres Geheimnis

Die historischen Recherchen zu Chirurgus Michael Zenner will die Gemeinde fortführen. Die Ergebnisse sollen auch den Bürgern zugutekommen.

Reinsdorf.

Das hat selbst Bürgermeister Steffen Ludwig (parteilos) überrascht: Chirurgus Michael Zenner (1713 bis 1790), eine herausragende historische Persönlichkeit der Gemeinde Reinsdorf, hatte ein eigenes Siegel. Der Zufallsfund ist dem Sachbearbeiter für Archivwesen der Gemeinde zufolge daher so bedeutsam, da einst nur Ratsherren, Advokaten und Pastoren ein eigenes Siegel besitzen durften.

"Wir haben das Siegel nach langem Suchen auf einem Dokument vom 23. Februar 1798 im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit zwischen Sohn Dr. David Zenner und seiner Mutter Salome gefunden", so der Rathausmitarbeiter. So hatte Salome Zenner die Petschaft in ihrem letzten Brief zur familiären Erbstreitsache benutzt, bevor sie 1799 verstarb. Wie der Mitarbeiter herausfand, hatte Chirurgus und Bader Michael Zenner Haus und Hof nur auf seine Ehefrau überschrieben. Deshalb kämpfte Sohn David Zenner um seinen Pflichtteil. Mutter Salome Zenner vermachte derweil das Grundstück in Reinsdorf an die Enkelin. Die schließlich veräußerte das Grundstück und ließ sich einen Teil des Erlöses auszahlen. Den Rest des Betrages erhielt ihr Vater David Zenner quasi als Rente in mehreren Raten ausgezahlt. "Damit waren dann die Erbstreitigkeiten beendet", so der Sachbearbeiter für Archivwesen. Seinen Recherchen zufolge verließen die Zenners das kleine Bauerndorf Reinsdorf um 1812/13.

Der Mitarbeiter der Verwaltung, der das Original-Siegel wenig später im Sächsischen Staatsarchiv in Chemnitz fotografieren durfte, beschreibt das Siegel so: Es hat einen Durchmesser einer 2-Cent-Münze und zeigt im oberen Drittel die beiden Buchstaben M (links) und Z. Zwischen diesen befindet sich eine stehende Figur, die in der rechten Hand ein Kreuz und in der linken einen Anker hält. Im unteren Drittel befindet sich mittig ein Herz mit drei Blütenstengeln. Drei Symbole, die laut Experten für die göttlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung stehen. "Warum Michael Zenner diese Darstellung gewählt hat, ist nicht belegbar", so der Fachmann, der zudem über die Genauigkeit des Graveurs staunt, der diese Petschaft hergestellt hat. Filigran setze sich das Bild zusammen.

Dass auch Sohn Dr. David Zenner als Mediziner ein personengebundenes Siegel führte, das hat der Realschullehrer Clemens Pfau (1862 bis 1946) herausgefunden. Der Heimatforscher gehörte zu den Mitbegründern des Rochlitzer Geschichtsvereins. So hatte Pfau 1928 eine genaue Beschreibung des Siegels vorgelegt, denn David Zenner war von 1772 bis 1787 in Rochlitz als Amtsarzt tätig. Noch heute gibt's den Rochlitzer Geschichtsverein, an dessen Spitze Bäckermeister Sven Krause steht.

Erst seit dem Vorjahr hat Reinsdorf einen Sachbearbeiter für Medientechnik/Archivwesen. Der Grund: Es ist beabsichtigt, das historische Archiv von Vielau, Friedrichsgrün und Reinsdorf sowie das Verwaltungsarchiv neu zu ordnen.

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