Stadt übernimmt Vorreiterrolle in Sachsen

Im Umgang mit Menschen auf ihrem letzten Lebensweg macht sich Zwickau für eine bessere Betreuung stark. Der Stadtrat hat jetzt einer von Studenten angestrengten Petition abgeholfen.

Zwickau.

Die Stadt Zwickau wird - als erste Stadt Sachsens - der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen beitreten. Dem hat der Stadtrat während seiner Sitzung am Donnerstag einmütig zugestimmt.

Das bedeutet nicht, dass in Zwickau ein stationäres Hospiz eingerichtet wird. Doch auf dem Weg dorthin war diese Entscheidung ein wichtiger Schritt. Die Unterschrift ist zunächst einmal nur ein symbolischer Akt, doch die Charta als solche beinhaltet eine Reihe von Handlungsempfehlungen, wie Menschen am Ende ihres Lebens betreut werden sollen. Dass Angehörige und Pflegende diesen Ansprüchen derzeit nicht in jedem Fall gerecht werden können, unterstrich Stadträtin Ute Brückner (Linke), als sie für die Zustimmung warb: Die meisten Menschen wünschten sich, ihr Leben in gewohnter Umgebung zu beenden, sagte sie. "Die Realität spricht aber eine andere Sprache. Es gibt da zeitliche und menschliche Lücken." Damit sprach sie über die Arbeitsauslastung, aber auch die entsprechende Aus- oder Weiterbildung von Hausärzten, Pflegepersonal und den Angehörigen, die in vielen Fällen nicht dort wohnen, wo Sterbende ihre letzte Zeit verbringen.

Ute Brückner traf damit auf offenen Ohren - die Entscheidung für den Beitritt fiel einstimmig. Das freute besonders eine Gruppe von Studentinnen, die sich seit einigen Monaten intensiv mit dem Thema beschäftigen und eine Petition für den Beitritt gestartet hatten. Fast 1100 Zwickauer haben dafür unterschrieben. Mit nicht wenigen davon haben die Studentinnen und Studenten gesprochen - über ein für viele Menschen eher unangenehmes Thema.

Für die angehenden Pflegemanager war die Frage, wie man Menschen am Ende des Lebens betreut, zunächst ein Seminarprojekt an der Westsächsischen Hochschule. Es wurde zu einer Herzensangelegenheit, sie strengten die Petition an und waren am Donnerstag sichtlich erleichtert, dass sie mit der Zustimmung im Rat einen ersten Meilenstein bewältigt haben. "Um hier in der Stadt ein stationäres Hospiz einzurichten, muss aber jetzt jemand das Heft in die Hand nehmen", sagte Franziska Kalinowski. Dafür bekam die Studentin Zustimmung von Katrin Schlachte von Elisa, dem ökumenischen Hospizdienst für Zwickau und Umgebung. "Wir haben uns lange gegen ein stationäres Hospiz gewehrt", sagte sie. "Wir sind ein Heer von Helfern - aber wir sehen auch, dass wirklich überall Hilfe gebraucht wird." Dieses Heer besteht, sobald der nächste Kurs für die ehrenamtlichen Helfer abgeschlossen ist, aus 100 Frauen und Männern. Sie helfen, wo sie können, doch der Bedarf ist größer.

"Überall, wo Menschen sterben, sollen sie gut versorgt werden", so umschrieb Katrin Schlachte eines der Charta-Ziele. Aber das ist nicht so ohne weiteres machbar: "Ich schätze, dass etwa 90Prozent der Sterbenden nicht von einem Brückenteam betreut werden können. Da sind Hausärzte und Palliativkräfte in den unterschiedlichen Einrichtungen ebenfalls gefragt." Die Versorgungslage sei zudem auf sehr unterschiedlichem Niveau. "Was die Möglichkeiten angeht, Sterbende in einem Hospiz zu begleiten, da sind die Kapazitäten in Westsachsen eher gering."

Insofern setzen sich die Helfer von Elisa, die als Brückenteams Sterbende zuhause, aber auch in Heimen betreuen, mit in das Boot, das die Studenten auf den Weg geschickt haben. Ob es jemanden gibt, der nun das Steuer übernimmt und neben Werdau ein weiteres Hospiz in der Region einrichtet, ist derzeit nicht absehbar. Die Studentinnen hoffen zumindest, etwas angestoßen zu haben.

Übrigens: Die jungen Frauen und Männer, die das Projektseminar von Professorin Ute Rosenbaum besucht haben, legen das Thema ebenso wenig zu den Akten wie die Hochschule. Die möchte über Möglichkeiten, ein Hospiz einzurichten, innerhalb der Reihe "Studium generale" debattieren. Diese Vorlesungen finden nicht nur fächerübergreifend statt, sondern sind auch für Hörer offen, die nicht an der Hochschule eingeschrieben sind.

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