Stenner Friseurmeister legt an den Wochenenden als DJ auf

Die Disco "Konnex" ist weit und breit die dienstälteste mobile Diskothek. Dabei hätte ein tragischer Unfall vor 25 Jahre beinahe das Aus für das kleine Unternehmen bedeutet.

Stenn.

Zu DDR-Zeiten gab es etliche junge Leute, die sich als sogenannte Schallplattenunterhalter ein paar Mark dazuverdienten. Den Einbruch der Unterhaltungsbranche, der auf den Mauerfall folgte, haben nur wenige dieser mobilen Diskotheken überlebt. Eine davon ist die Disco "Konnex", die heute weit und breit als dienstälteste mobile Diskothek gilt und noch immer durch die Lande tourt. Gegründet wurde sie Anfang der 1970er-Jahre in Kirchberg von Frank Neidel und Reinhart Röser. Das Duo legte in zahlreichen Jugendclubs der Region, aber auch in Gartenanlagen wie der "Ameise" in Kirchberg oder der Werdauer "Gartenlust" auf. 1983 stieß der damals 20-jährige Achmed Seifarth als Techniker zu der Truppe. "Später habe ich dann über einen Zeitraum von drei Jahren an der Betriebskulturakademie Karl-Marx-Stadt einen Lehrgang zum staatlich geprüften Schallplattenunterhalter absolviert. Immerhin 5 Mark pro Stunde durfte ich danach mit meiner Einstufung bei Veranstaltungen verlangen", erinnert sich der heute 54-Jährige.

"Konnex" hatte nicht nur in der Region einen guten Namen, sondern weit über die Grenzen des damaligen Bezirks hinaus. "Von 1985 bis 1989 spielten wir jedes Jahr über neun Wochen lang in der Nachtbar des Wismut-Ferienheimes "Roter Oktober" - dem heutigen "Baltic-Hotel" in Zinnowitz. Es war eine Wahnsinnszeit! Das funktionierte in meinem Fall nur, weil ich im Friseursalon meines Vater angestellt war und über den Sommer frei nehmen konnte", so Achmed Seifarth. 1987 ein erster herber Schlag für die Disko: Frank Neidel kehrte von einer Familienfeier im Westen nicht zurück in die Heimat. Sieben Jahre später folgte ein zweites, noch schlimmeres Unheil. Reinhard Röser hatte einen schweren Autounfall, an dessen Folge er Monate später verstarb.

Damit stand Achmed Seifarth vor der Wahl: aufhören oder weitermachen? "Mir ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Es war ja auch nicht unbedingt eine Zeit, in der sich mobile Diskotheken vor Aufträgen kaum retten konnten. Letztendlich habe ich dann aber doch beschlossen, das Ganze im Interesse der Konnex-Gründer fortzuführen. Ich bin dankbar, dass sie mich damals aufgenommen und mir viel beigebracht haben." Bereut habe er es nicht, Konnex am Leben zu erhalten, denn dem Friseurmeister, der nach wie vor als Angestellter im elterlichen Geschäft arbeitet, macht es immer noch Spaß, die Leute mit Musik auf die Tanzfläche zu locken. Der seinerzeit staatlich vorgegebenen, aber unbeliebten Schulung zum Schallplattenunterhalter kann Seifarth mittlerweile auch positive Seiten abgewinnen. "Wenn man von dem ganzen politischen Getöse rund um den Lehrgang absieht, war die Ausbildung schon recht ordentlich. Immerhin haben wir gelernt, wie man sich auf der Bühne verhält, moderiert und letztendlich auch auf die Leute eingeht. Heute kann jeder Disko machen, egal ob er grundlegende Regeln beherrscht oder nicht."

Die Disco "Konnex" und Achmed Seifarth sind in der Szene fest verwurzelt. Moderationen und Auftritt als Pausen-DJ bei Konzerten von Uriah Heep, Dieter Bohlen, Stefanie Hertel oder diversen Ostrockbands belegen das. Die Auftraggeber stammen heute oftmals aus den alten Bundesländern. "Dort ist diese Art Diskothek kaum verbreitet. Also die Mischung aus Musik, Moderation und anderen Unterhaltungsangeboten wie Spiele." Auf die Frage, wie lange er noch als DJ durchs Land reisen möchte, fällt die Antwort des 54-Jährigen erwartungsgemäß klar aus: "Bis ich von der Bühne falle."

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