Therapeuten tauschen sich aus: Profitieren sollen die Patienten

Angehende Logopäden haben in Zwickau eine Schule für Ergotherapie besucht. Das soll Vorurteile ausräumen - und letztlich die Behandlung verbessern.

Zwickau.

Kennen wir ja, die Sache mit den Vorurteilen: Die Ergotherapeuten basteln doch nur. Und: Die Logopäden reden den ganzen Tag.

Das stimmt so natürlich nicht. Vor allem helfen sie Menschen. Und weil man das umso besser kann, je mehr man weiß, haben am Mittwoch zwei Klassen Auszubildender ihren Horizont erweitert. Sie haben einen Blick über den Tellerrand ihres eigenen Lehrplans hinaus geworfen. An der Ludwig-Fresenius-Schule für angehende Ergotherapeuten in Zwickau waren künftige Logopäden zu Gast. Die jungen Leuten im zweiten Ausbildungsjahr sollten das Arbeitsfeld der Therapeuten kennenlernen. "Es geht zum einen um die jeweiligen Berufsfelder - aber auch darum, Verständnis für die Arbeit des jeweils anderen aufzubauen", sagt Katrin Ladewig, die an der Zwickauer Einrichtung für den Fachbereich Ergotherapie zuständig ist. Die Idee, die jeweilige Arbeit vorzustellen, entstand nicht nur, weil die Schwester-Schule in Chemnitz nicht weit entfernt ist.

Katharina Mann unterrichtet in Chemnitz Kindssprache und erklärt, dass die auszubildenden Logopäden - sie befassen sich etwa mit Sprech-, Schluck oder Hörstörungen - früh lernen, die Entwicklung von Kindern im Ganzen zu betrachten. Schon von daher ergeben sich Berührungspunkte mit Ergotherapeuten, die sich unter anderem mit Motorik von Menschen, mit deren Arbeitsfähigkeit befassen. Da Entwicklungsstörungen nie in eine Schublade passen, sondern von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind, ist es sinnvoll zu wissen, was andere Therapeuten leisten können.

Doreen Zill, die in Zwickau die Ergotherapie-Azubis unterrichtet, ergänzt: "Wenn ich an meine Grenzen komme, dann möchte ich wissen, wohin ich meine Patienten verweisen kann." Und so kam es, dass am Mittwoch Berufsschüler aus Chemnitz keine Sprechübungen besprachen, sondern auf wackeligen Brettern etwas über Körperkoordination und Balance erfuhren. Beim geplanten Gegenbesuch werden die Zwickauer unter anderem lernen, auf welche Weise die Logopäden mit ihren Patienten arbeiten und wie sie ihnen helfen können.

Etwa die Hälfte der Patienten beider Berufsgruppen sind Kinder, deren Entwicklung auf die eine oder andere Weise gestört ist. "Wir können Kinder ab einem Alter von zwei Jahren gut therapieren", sagt Katharina Mann. Aber: "Wir bekommen kaum Zweijährige vorgestellt." Doreen Zill nickt: Ergotherapeuten geht es ähnlich. Dabei gilt in beiden Fällen, je eher mit den Kindern gearbeitet wird, desto besser lässt sich ihnen helfen. "Man muss zwar nicht aus allem ein Drama machen - aber es kommt vor, dass Ärzte zu lange warten, ehe sie Kinder zu uns überweisen", sagt Doreen Zill. "Das gilt nicht nur für Kinder. Auch bei der Behandlung von Erwachsenen haben wir viele Verknüpfungspunkte", sagt Katharina Mann.

Die Fachfrauen würden auch gern Ärzte mit in ihr Boot holen. Aber davon sind sie noch ein gutes Stück entfernt. Zunächst nähern sich zwei Fachrichtungen der Fresenius-Schulen an. Ohne dass sich der Lehrplan ändert. Aber vielleicht ändert sich der Blickwinkel der Azubis.

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