Trotz Urteils: Motiv des Mörders bleibt rätselhaft

Nach dem Ende ihrer Beziehung hat ein in Zwickau untergebrachter Asylbewerber den Vater seiner Flüchtlingshelferin getötet.

Zwickau.

Nach fünf Verhandlungstagen hat das Landgericht Schwerin am Freitag das Urteil verkündet: die Höchststrafe. Lebenslange Haft für den afghanischen Asylbewerber, der im November 2018 einen 85-jährigen Rentner in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ermordet hatte. Über das Motiv konnte das Gericht nur spekulieren. Sicher ist, dass das Drama im Landkreis Zwickau begonnen hat.

Hier hatte der junge Afghane die Tochter des späteren Opfers kennengelernt, eine 50-Jährige, die sich in der Flüchtlingshilfe engagierte. Sie war es auch, die den Mann als Hilfskraft an ihren Vater vermittelte, der Afghane sollte im Garten helfen und die Garage aufräumen. In der Nacht zum 17. November schnitt er dem Schlafenden die Kehle durch. Der 19-jährige bosnische Haushaltshelfer beobachtete die Tat auf dem Babyfon. Später wurde der Täter von der Polizei zufällig an einer Autobahnauffahrt aufgegriffen. Eine Erklärung für seine Tat gab er während des Prozesses nicht ab.


Während der Verhandlung räumte die Tochter ein, ein sexuelles Verhältnis mit dem etwa halb so alten Flüchtling unterhalten zu haben, dessen genaues Alter unklar geblieben ist. Medienberichten zufolge war er in seiner Heimat bereits einer Frau versprochen, die Beziehung habe keine Zukunft gehabt. Eine Woche vor der Bluttat soll das Verhältnis an der Eifersucht des Afghanen zerbrochen sein, außerdem habe er Geld verspielt, das ihm die 50-Jährige gegeben haben soll. Nach dem Mord fand die Polizei im Haus des Opfers Zettel mit kryptischen Botschaften des Flüchtlings: Eine Liebesbeteuerung an die Tochter und eine Entschuldigung an den Rentner. Wieso?

Im Gespräch mit dem psychiatrischen Gutachter räumte der Afghane laut Nachrichtenagentur DPA sowohl die Tat als auch eine lange Planung ein. Das Töten per Kehlschnitt habe er gelernt, als er in der Türkei als Schafhirte arbeitete. Er soll die Tötung mit einer Schächtung verglichen haben. In der einstündigen Urteilsverkündung spekulierte der Richter über mögliche Motive. Hatte der Afghane den Vater als Beziehungshindernis ausgemacht? Ihn getötet, weil dadurch der bosnische Pfleger überflüssig geworden wäre, der ein vermeintlicher Nebenbuhler war? Die Antwort blieb offen. Dem Psychiater soll der Täter erzählt haben, dass man in Afghanistan ein Menschenleben mit Geld ablösen könne. In Zwickau löste der Fall auf ausländerfeindlichen Kanälen Häme aus. Menschen, die den Asylbewerber kannten, reagierten dagegen mit Fassungslosigkeit. Die Anwältin der Tochter, die als Nebenklägerin auftrat, sprach gegenüber dem NDR von einer "zweiten Seite des Mannes", die er zuvor verborgen hatte. Für eine Stellungnahme war sie am Freitag nicht erreichbar. Die Tochter hat die Region Zwickau inzwischen verlassen.

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