ZEV-Chef im Zwiespalt der Gefühle

Seit seiner Kindheit ist Volker Schneider Fan des 1. FC Kaiserslautern. Zugleich unterstützt die ZEV als Haupt- und Trikotsponsor den FSV Zwickau. Dem Aufeinandertreffen beider Vereine sieht er deshalb mit gemischten Gefühlen entgegen.

Zwickau.

Man trifft sich immer zweimal im Leben. Wer hätte vor ein paar Jahren prophezeit, dass dies auch für die Fußballer des FSV Zwickau und des 1. FC Kaiserslautern gelten würde? 2011/12 waren beide Vereine immerhin noch vier Spielklassen getrennt. Volker Schneider, treuer Anhänger der "Roten Teufel" und seit 26 Jahren Geschäftsführer der Zwickauer Energieversorgung (ZEV), hätte nie gedacht, dass die beiden Teams, denen er besonders die Daumen drückt, einander in der 3. Liga wiederbegegnen könnten.

In der 2. Bundesliga hatten die Westsachsen die Pfälzer am 22. Mai 1997 im Westsachsenstadion mit 2:1 besiegt. "Kaiserslautern hatte am Pfingstmontag den Aufstieg perfekt gemacht, und am Donnerstag darauf haben sie in Zwickau gespielt", erinnert sich Schneider noch genau. Obwohl innerlich hin- und hergerissen, tippte er in der "Freien Presse" damals 2:1 für den FSV. "Ich wollte, dass Kaiserslautern aufsteigt. Und Zwickau sollte die Klasse halten."

Und 21 Jahre später nun das Wiedersehen. Das schmerzt ihn sehr. "Ich sag das ganz ehrlich, dass Kaiserslautern so weit runter kommt - das ist für mich der Albtraum", gesteht der 59-Jährige. "Ich habe mir immer gewünscht, dass Zwickau aufsteigt. Aber dass Kaiserslautern in der 3. Liga gegen den FSV spielen muss - das ist schon heftig."

FCK-Fan ist Volker Schneider seit fünfeinhalb Jahrzehnten. "Ich bin mit meinem Vater Mitte der 60er-Jahre das erste Mal im Stadion gewesen." Es ging zu Fuß zum Betzenberg. "Wir sind immer gelaufen. Wir hatten kein Auto." Dann wurde mitgefiebert - 90 Minuten im Stehplatzbereich. "Es gab ja damals kaum Sitzplätze." Ans erste Spiel kann er sich nicht erinnern, aber später an die Zeit von Torjäger Karl-Heinz "Hexer" Vogt. "Ab Anfang der 70er-Jahre bin ich auch allein ins Stadion gegangen, natürlich in die Westkurve." Das ist die Lauterer Fantribüne.

Sein Herz schlägt auch 26 Jahre nach dem Umzug in den Osten weiter für die "Roten Teufel". "Wenn man da groß geworden ist und der Vater einen hinbringt - einmal FCK, immer FCK", betont Schneider. "Ich merk's bei meinem Sohn. Der war fünf, als wir rübergekommen sind, aber es ist auch seine Leidenschaft. Man mag nicht glauben, dass es so früh entsteht, aber es ist so."

Mit welchen Erwartungen sieht er dem Spiel am Sonntag entgegen? "Vor ein paar Wochen hätte ich gesagt, Kaiserslautern wird den Durchmarsch machen. Aber da war der Wunsch Vater des Gedanken, vielleicht auch die Hoffnung", räumt der 59-Jährige ein. "Jetzt ist das eingetroffen, wie es vielen geht, die absteigen. Die 3. Liga ist eine schwierige Liga, da kann man allein mit spielerischen Mitteln nicht viel erreichen." Der Wahl-Sachse mit Pfälzer Wurzeln hofft, dass Kaiserslautern inzwischen geerdet ist und erkannt hat, dass das Ganze nur über den Kampf zu lösen ist. "Den Kampf müssen sie annehmen. Das wird in Zwickau besonders schwer, weil der FSV im dritten Jahr selbst weiß, worauf es ankommt. Insofern wäre ich froh, wenn das Spiel unentschieden ausgeht." Er tippt auf ein 1:1. Volker Schneider wird das Spiel gemeinsam mit weiteren FCK-Anhängern verfolgen. "Es kommen meine zwei Neffen, der eine aus Hamburg, der andere aus Heidelberg, und noch einige Bekannte aus der Pfalz." Die Zuschauerzahl von 1997 (10.780) kann nicht übertroffen werden - so viele passen nicht rein ins "Schwanennest". Die Ernüchterung in Kaiserslautern ist groß, trotzdem hofft Schneider, dass eine ansehnliche Zahl Anhänger mitkommt. "Es wäre schön, wenn die Fankurve voll ist." Eins ist sicher: Am Ende werden auf jeden Fall Anhänger in Rot jubeln.


Persönliche Höhepunkteauf dem Betzenberg

Volker Schneider gerät ins Schwärmen, wenn er seine persönlichen Fußball-Höhepunkte auf dem Betzenberg schildert: "Live natürlich das 7:4 gegen die Bayern am 20. Oktober 1973", strahlt der 59-Jährige. "Da sind schon einige in der Halbzeitpause gegangen, als es 1:3 stand. Kurz nach Wiederbeginn fiel das 1:4. Dann haben wir das Spiel noch gedreht." München wurde trotzdem Meister.

Das 5:0 gegen Real Madrid im Viertelfinale des Uefa-Pokals am 17. März 1982 ist für ihn ebenfalls unvergesslich. "Das weiß ich deswegen so genau, weil da meine Schwester ihren 20. Geburtstag hatte." Im Halbfinale war für die "Roten Teufel" dann Endstation gegen IFK Göteborg.

Trotz des Sieges schmerzlich war das 3:1 gegen den FC Barcelona am 6. November 1991 im Europapokal der Landesmeister. "Wir haben auswärts 0:2 verloren, dann zu Hause 3:0 geführt. Und dann macht in der letzten Minute der kleinste Spieler auf dem Platz noch ein Kopfballtor." Damit war Kaiserslautern raus. (tc)

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