Zum Sehen geboren

Die Kulturkolumne von Gastautor Klaus Fischer

Eine Stadt ist immer so gut und ansehnlich wie gut und beachtlich ihre Museen sind - und nicht ihre Shopping-Malls oder Turnhallen. Klar, Shoppen und Leibesertüchtigung kann man machen. Denken und Lernen aber sind da schon ein anderes Kaliber. Weil aufs Ganze gesehen Kultur wichtiger und gewichtiger ist und weil es, salopp formuliert, "Dinge" gibt, die wertvoll sind, einzigartig (also unersetzbar), inspirierend, wegweisend und womöglich alt. Häufig sind die Museen in einer Stadt auch das einzige elementare Langzeitgedächtnis.

Wer gerne Kunst anschaut, ob zeitgenössisch oder modern oder noch ein paar Jahrhunderte älter, braucht dazu nicht im Internet Fotos herumzuschaufeln. Ganz bequem und vor allem im Original kann er Bilder, Objekte, Installationen in einschlägigen Museen bestaunen.

Selbst dem hartnäckigsten Kulturliebhaber ist klar: Wir leben hier eher in einem Zustand der Provinz, doch nicht unbedingt der Provinzialität. Ein echtes Museum von Weltgeltung wie das Kupferstichkabinett in Dresden liegt gleich um die Ecke. Aber schauen Sie genau hin: Weltgeltung - bei uns? Ja, in der Straße des größten deutschen Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing. Dort finden Sie die höchst eindrucksvolle und zugleich weltgrößte Sammlung von Pechstein-Gemälden. Unser stadteigener Großexpressionist hat es geschafft, in die erste Liga der deutschen Maler des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit der Familie Pechstein, die stets großzügig die Kunstsammlungen unterstützt, und museumseigener Energie und Findigkeit steht Zwickau einzigartig da auf der Kunstlandkarte. Überhaupt hat die gezielte Umstrukturierung der einzelnen Museumsab- teilungen in den letzten Jahren einen großen Gewinn gebracht.

Mit eindrucksvollen Max-Pechstein-Ehrenpreisausstellungen und solchen des Förderpreises, aber auch monumentalen Projekten unter anderem zu Pechstein haben sich Museumschefin Petra Lewey und ihr Team in den vielen letzten Jahren eine ganze Galerie an Meriten aufgebaut - sichtbar weit über die Stadtgrenzen hinaus. Damit das so bleibt, bietet das Museum nun ein echtes Großereignis auf: Expressionismus vom Feinsten - "Back to Paradise. Meisterwerke des Expressionismus".

Es ist eine Allstar-Ruhmeshalle der Malerei: Kirchner, Pechstein, Heckel, Schmidt-Rottluff, Nolde, Müller und viele andere Malerei-Heroen mit Meisterwerken - insgesamt um die hundert Gemälde und Papier- arbeiten. So massiv noch niemals in Zwickau zu sehen und hoffentlich ein triftiger Grund, den Kunstsammlungen die Türen einzurennen und den eigenen Kunstgenuss zu verwöhnen. Fassen Sie sich ein Herz. Diesmal für Kunst in Ihrer Stadt ... zum Schauen bestellt.

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