Zum Tanzen braucht man vor allem eines: Viel Herz

Zwei Freundinnen machen in ihrer Freizeit eigentlich etwas ganz Normales. Und doch treffen sie mit ihrem Hobby so manch einen Zuschauer mitten in sein Herz.

Zwickau.

Man könnte sie glatt für Schwestern halten, aber Nele und Emilia sind nur beste Freundinnen. Doch was heißt hier "nur"? Ihre Freundschaft ist etwas Besonderes. Sie hat die beiden Mädchen dazu ermutigt, gemeinsam auf die Bühne zu gehen.

Oder auch auf die Straße - so wie jüngst zur 15. Kunst- und Kulturmeile auf der Zwickauer Hauptstraße. Dort warteten die beiden Zwickauerinnen im rosafarbenen Top und schwarzer Hose zwischen Künstlern und Straßenmusikern auf ihren Einsatz. Immer, wenn für die 13-Jährigen die Musik begann, waren sie voll da: mit einem Lächeln auf den Lippen, mit einem etwas scheuen Blick ins Publikum und vor allem mit den Choreografien für all ihre Tänze im Kopf. Denn die Mädels haben sich nicht nur einen Song ausgesucht, um die Zuschauer zu erfreuen.


Dass eine von ihnen, nämlich Nele im Rollstuhl sitzt, erscheint da fast zweitrangig, so gut harmonieren die beiden. Und doch sorgt das dafür, dass so manch einem zufälligen Beobachter ein kleiner Kloß im Hals wächst oder sich eine Träne in den Augenwinkel stiehlt. Dabei wollen Nele und Emilia doch vor allem eines: Freude bringen. Sie wollen aber auch zeigen, was es heißt, im Rollstuhl zu sitzen - nämlich ein ziemlich normales Leben zu führen.

Schon seit fünf Jahren erscheint Nele regelmäßig beim Tanztraining in ihrem Verein. Dreimal die Woche übt sie fleißig. "Dazu kommen noch Fitnessübungen", sagt Mutti Isabell Pommer. Sie ist unübersehbar stolz auf ihre Tochter und deren Freundin. Sie tanzt seit zwei Jahren. In Gera hatten sie einen ihrer ersten Auftritte. "Da sind wir mal wahrgenommen worden. Und von da an wussten wir: Das ist das Richtige für uns", sagt Nele. Emilia, die mit ihrer Freundin die gleiche Klasse in der Wilkau-Haßlauer Pestalozzioberschule besucht, darf auch schon mal für eine Übung auf den Rollstuhl klettern. "Das finde ich besonders anstrengend, wenn ich die Figur lange halten muss", sagt sie. Der Applaus ist dann der Lohn für die vielen Mühen. Ihr Verein, das ist der BSC Rollers Zwickau, von dem man hauptsächlich die Rollstuhl-Basketballer kennt. Doch es gibt auch eine Abteilung Rollstuhltanz, die sich Modus Vivendi nennt.

Dass sie sich mit dem, was sie gelernt haben, in die Öffentlichkeit wagen - für die beiden 13-Jährigen ist das Normal. Es ist auch ein starkes Stück. Und für Neles Mutti obendrein ein wichtiges Zeichen dafür, dass Inklusion eine gute Sache ist. Deswegen wirbt sie auch voller Vorfreude für den nächsten Auftritt der Mädchen in Zwickau. "Sie stehen zum Stadtfest auf der großen Bühne. Am 17. August, 16.30 Uhr. Nicht vergessen!"

Das Training findet immer montags ab 18.30 Uhr in der Turnhalle der Zwickauer Humboldtschule an der Lothar-Streit-Straße statt. Es ist für Teilnehmer jeden Alters geeignet. Ansprechpartnerin ist Marina Eichhorn.

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