20 Jahre: "Regenbogenhaus" schreibt Erfolgsgeschichte

Das Hotel, in dem Behinderte sich um die Gäste kümmern, gilt als Inklusionsbetrieb - einer von sechs seiner Art in Sachsen. Der Umsatz stieg seit dem Gründungsjahr um etwa 65 Prozent.

Freiberg.

Die Gäste kommen nicht nur aus Deutschland - und checken seit 20 Jahren in einem Hotel ein, wie es in Sachsen nur wenige gibt. Im "Regenbogenhaus" an der Freiberger Brückenstraße kümmern sich zehn behinderte Mitarbeiter und vier Fachkräfte - meist mit sonderpädagogischer Zusatzqualifizierung - um das Wohl der Gäste. Elf barrierefreie Zimmer und zwei Appartements stehen zur Verfügung, zudem ein Restaurant mit 45 Plätzen. Im sogenannten kleinen Haus, einem barrierefreien Funktionsgebäude, gibt es zwei Seminarräume, eine eigene Hotelwäscherei und zwei Personalräume.

"Wir haben in den 20 Jahren etwa 30 behinderte Menschen qualifiziert und in Arbeit gebracht", resümiert Ruth Kretzer-Braun, die Vorsitzende des Vereins "Regenbogenhaus". Und in den Jubiläumstagen erinnern sich die 25 Mitglieder des Vereins, der das Haus gründete und bis heute führt, einmal mehr an die Anfänge.

Vier Frauen seien es im September 1997 gewesen, die ihre Idee - Behinderte in Arbeit zu bringen - im Sozialministerium vorstellten. Von einem Begegnungshaus sei anfangs die Rede gewesen, schließlich von einer Übernachtungsstätte. Das denkmalgeschützte Haus - heute das Hotel - gehörte der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG). Es stand leer und war eigentlich für Wohnungen verplant. Doch der neu gegründete Verein stieß damals bei der SWG mit seiner Idee auf offene Ohren. "So nahm das Projekt Gestalt an. Wir übernahmen das Haus im Erbbaurecht, das Unternehmen half uns beim Ausbau", denkt Kretzer-Braun zurück. Der Umbau des Hauses "Regenbogen" zum Hotel 2000/ 2001 wurde mit Landesmitteln von etwa 956.000 Euro gefördert, hieß es gestern von einem Sprecher des sächsischen Sozialministeriums. Das Geld floss aus dem Budget für investive Förderung von Einrichtungen der Behindertenhilfe. Auch Spenden kamen hinzu, wie Johannes Kretzer als ehrenamtlicher Geschäftsführer sagt. Das "Regenbogenhaus" ist laut Sozialministerium einer von 53 Inklusionsbetrieben in Sachsen. Im Bereich der Gastronomie sind sechs Unternehmen tätig.

Schon vor der Eröffnung im August 2001 lief die Qualifizierung der Behinderten für ihre künftige Arbeit. "In einem Übungshotel lernten seit 1998 zunächst elf junge Erwachsene mit mentalen Behinderungen", erinnert sich Ruth Kretzer-Braun. Im Jahr darauf kamen weitere neun hinzu. Bei erfolgreichem Absolvieren von drei Ausbildungsmodulen erhielten sie nach einer Prüfung über die IHK den Abschluss "Helfer im Gastgewerbe". Noch heute sind neun von ihnen im Hotel, in Küche, Service, Wäscherei und Zimmerservice tätig - unterstützt von den Fachkräften. Andere arbeiten in Seniorenheimen und gastronomischen Einrichtungen. "Integration muss gelebt werden", sagt Ruth Kretzer-Braun und spricht von einer guten Auslastung des Hotels in den 20 Jahren. Sie liege bei knapp 60 Prozent. Um etwa 65 Prozent sei der Umsatz seit dem Gründungsjahr gestiegen. Das Haus finanziert sich hauptsächlich über die Einnahmen aus Übernachtungen, Feierlichkeiten und Veranstaltungen. Die Löhne der Mitarbeiter werden laut Kretzer-Braun zu 25 Prozent gefördert. Die Vereinsvorsitzende fasst zusammen: "Das Regenbogenhaus ist in der Öffentlichkeit anerkannt - das schönste Lob für unsere Arbeit."

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