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Diese Aufnahme vom Collegium Musicum ist Mitte der 1970iger Jahre entstanden. Günter Hertel ist der Fünfte von links in der ersten Reihe.

Foto: Archiv Hertel Bild 1 / 2

Mit einem Witz in die Probe

Günter Hertel wäre heute 100 Jahre alt geworden. Der Buchdruckermeister aus Freiberg legte 1948 den Grundstein für das Collegium Musicum.

Von Steffen Jankowski
erschienen am 13.10.2017

Freiberg. Günter Hertel habe für die Mitglieder des Collegium Musicum, die in den Anfangsjahren des Orchesters oft bei ihm zu Hause geprobt haben, einen guten Tipp gehabt: "Hängt die Veranstaltungspläne am besten auf die Toilette, dann verpasst ihr keinen Termin." Sein Vater habe, erinnert sich der Freiberger Journalist Peter Hertel weiter, in seiner Druckerei an der Hainichener Straße alle Werbematerialien für das Ensemble selbst herstellen können. Der langjährige Dirigent wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Geboren wurde Günter Hertel am 13. Oktober 1917 als Sohn von Margarete Hertel und Alfred Hertel. Die Mutter war Hausfrau, der Vater Geschäftsführer der Allgemeinen Ortskrankenkasse, Druckereimitinhaber (Hertel & Neumann) und Geschäftsführer beim Aufbau der Bade- und Lichtheilanstalt (heute Admedia, Dörnerzaunstraße). Aus der Ehe Günter Hertels mit seiner Frau Ilse Hertel, geborene Wimmer, gingen zwei Söhne hervor: Peter wurde 1944 geboren, Hans-Joachim 1950.

Schon 1948 trafen sich musikbegeisterte Freiberger zum gemeinsamen Musizieren, meist in der Hertelschen Wohnung. Sie brachten ihre Ehepartner mit; während die Frauen Handarbeiten machten, spielten die Musiker. Am 26. November 1954 gab das Orchester das 1. Hauskonzert im Klubhaus der Bergakademie (heute Alte Mensa).

Zeitweilig hatte das Orchester 60Mitglieder, viele Studenten der Bergakademie nutzten die Chance zur musikalischen Betätigung. "Jeden Freitagabend war Probe" erinnert sich Peter Hertel. Sein Vater habe die Orchestermitglieder dann immer erst mal aufgelockert, denn sie hatten ja einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich: "Da half oft ein Witz, und schon ging die Probe viel besser." Zur Geselligkeit trugen auch gemeinsame Ausflüge, Faschingsfeiern und Zusammenkünfte nach den Konzerten bei.

Letztere fanden zweimal jährlich jeweils im Frühjahr und Herbst statt. Hertel leitete 47 Hauskonzerte. Auf das 50. hatte er sich schon gefreut. "Da trete ich als Dirigent im Frack an", soll er oft geschwärmt haben. Er sollte es aber nicht mehr erleben. Am 30. Juni 1980 erlag Günter Hertel einem Schlaganfall, das Jubiläumskonzert fand am 25.April 1981 unter Leitung von Andreas Schwinger statt.

Die Druckerei, die Günter Hertel 1949 nach dem plötzlichen Tod des Vaters 1949 übernommen hatte - er war Buchdruckermeister geworden, hätte aber lieber Musik studiert - führte Hans-Joachim Hertel weiter. 2009 ging der Betrieb in die Insolvenz. Anstelle des Firmengebäudes ist inzwischen ein Eigenheimstandort entstanden.

Die Druckerei habe zeitweise bis zu zehn Mitarbeiter gehabt, weiß Peter Hertel: "Ich erinnere mich an Drucke auf Fotopapier fast im Dunkeln und Kataloge für Geflügelausstellungen, die über Nacht fertig sein mussten." Sein Vater sei ein sehr korrekter Handwerker gewesen: "Kalkuliert wurden die Aufträge für die Rechnungen minutiös am Wochenende zu Hause. Ich kenne Vater nur am Schreibtisch oder beim Violine spielen." Nur am Sonnabendvormittag habe er sich freigenommen, um sein Lieblingsauto, einen Moskwitsch, zu pflegen. (mit peh)

 
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Mit einem Witz in die Probe
Aus der Vereinsgeschichte
 
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