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Die ehemalige DHG-Verkaufsstelle in der Ortslage Oberbobritzsch hat geschlossen. Um das zu verhindern, hatten die Oberbobritzscher noch Unterschriften gesammelt. Die Genossenschaft wollte sich zu ihrer Entscheidung nicht äußern.

Foto: Eckardt Mildner

Preisfrage: Wie stoppt man eine ländliche Kettenreaktion?

Nach Bankfilialen, Supermarkt und Fleischer verliert Oberbobritzsch den Genossenschafts-Laden. Ein Bäcker verbleibt im Dorf. Alle zwei Wochen kommt der Sparkassenbus. Die Gemeinde will gegensteuern. Aber wie?

Von Frank Hommel
erschienen am 11.01.2018

Oberbobritzsch. Es waren die kleinen Dinge des Lebens, sagt Hannelore Bellmann, die man zuletzt noch in dem Laden an der Hauptstraße in Oberbobritzsch kaufen konnte. Doch damit ist Schluss. Wie Bürgermeister Volker Haupt (CDU) bestätigte und wie er bereits im Gemeinderat angekündigt hatte, schloss die DHG, die Ländliche Dienstleistungs- und Handelsgenossenschaft Niederbobritzsch, ihre Verkaufsstelle im Dorf zum Jahresende. Das Unternehmen selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Ihr sei gesagt worden, der Laden habe sich seit Jahren nicht mehr gelohnt, berichtet Hannelore Bellmann.

Sie leitet den Frauenkreis der Kirchgemeinde im Ort. Dort war die Schließung ein großes Thema, sagt Bellmann. Sie hat zum Jahresende hin Unterschriften dagegen gesammelt, mehr als 100 kamen ihr zufolge zusammen. Das Aus für den Laden konnten sie nicht verhindern. "Die Unterschriften waren wertlos", sagt Hannelore Bellmann inzwischen. Sie klingt resigniert.

Wenn man es zynisch formuliert, könnte man sagen, dass irgendein Nahversorgungsangebot in Oberbobritzsch wegbricht, daran sind die Menschen im Dorf längst gewöhnt. Es ist noch nicht allzu viele Jahre her, da gab es für die gut 1500 Einwohner noch einen Supermarkt, Filialen der Sparkasse und einer Bank, dazu Fleischer und Getränkehandel. Alles Geschichte. Wie bei einem Domino-Spiel fiel eines nach dem anderen weg. Der Gemeinderat musste zuletzt zur Kenntnis nehmen, dass auch ein beauftragtes Immobilienbüro keinen Interessenten für das leer stehende Supermarktgebäude auftreiben konnte.

Bürgermeister Volker Haupt spricht von einer Kettenreaktion. Die Schließung des DHG-Ladens sei bedauerlich - "wie alles, was sich aus dem ländlichen Raum verabschiedet". Verdenken könne er der Genossenschaft die Entscheidung nicht: "Unternehmer gehen dorthin, wo sie Umsätze generieren." Dass das in Dörfern wie Oberbobritzsch immer weniger der Fall ist, dafür sieht Haupt auch einen Grund: Geändertes Einkaufsverhalten. "Wenn früher der Hobby-Landwirt eine Rolle Draht für den Gartenzaun gebraucht hat, ist er in den Laden gegangen. Jetzt klickt er sich durchs Internet - die Lieferung kommt direkt ins Haus." Langfristig könne Bobritzsch-Hilbersdorf froh sein, sagt er, wenn sich auf Dauer insgesamt ein Supermarkt halten könne, schätzt Haupt - für alle fünf Ortsteile der Gemeinde.

Im Dorf steigt jedenfalls der Frust, berichtet Regina Eichler, Vertreterin des US-amerikanischen Haushaltwaren-Herstellers Tupperware. Die Entwicklung von Handel und Dienstleistungen ist für sie ein Gleichnis dafür, wohin die Reise überhaupt geht mit dem Ort. Auch ihre Kinder leben längst in Bayern. Zum Jahresende waren sie mal wieder zu Besuch in der alten Heimat - und hatten den Eindruck von Perspektivlosigkeit. Ihre Mutter, sagt Regina Eichler, ist betagt. Sie muss häufig gefahren werden. "Ohne Auto ist man aufgeschmissen", sagt Regina Eichler. Größere Einkäufe erledigt sie in Freiberg. Hin und zurück 30Kilometer. "Da darf man nichts vergessen."

Hannelore Bellmann sagt, sie kennt Leute, die sich beim Einkaufen gleich einen Vorrat für sechs Wochen zulegen. Den Eindruck von Perspektivlosigkeit möchte Bürgermeister Volker Haupt dagegen nicht verbreiten. Immerhin einen Bäcker gibt es noch in Oberbobritzsch, Bäckereimeister Jens Köhler backt täglich 30 bis 40 Brote und 250 Brötchen verschiedener Sorten, dazu Kuchen, Plätzchen, Stollen, Pfannkuchen. Die Ölmühle verkauft für alle Fälle auch Kekse, Brotbackmischungen, Mehl, Nudeln, Honig, Senf und Brotaufstriche. Die Anbindung von Oberbobritzsch an den ÖPNV sei, bedingt durch den Schülerverkehr, "nicht schlecht", versichert der Bürgermeister. Außerdem will die Gemeinde die Kettenreaktion aufhalten. Die Möglichkeiten sind gering, aber es gibt sie. Ein Anknüpfungspunkt soll der Sparkassenbus sein, der immerhin noch alle zwei Wochen das Dorf ansteuert.

Daran will die Gemeinde ansetzen, Synergien freisetzen, wie ein Marketing-Mensch das wohl nennen könnte. Die Idee ist, zu den Terminen, an denen der Sparkassenbus vor Ort ist, Markttage zu etablieren und Händler zu gewinnen, sagt Haupt. Spruchreif ist das aber noch nicht. Die Sparkasse Mittelsachsen immerhin macht diesen Ideen schon mal keinen Strich durch die Rechnung. "Die Kunden nehmen den Service gern an", teilt Sprecherin Indra Frey auf Anfrage mit. Entsprechend werde die mobile Filiale auch weiterhin in Oberbobritzsch Station machen. Frey: "Wir planen derzeit keine Veränderungen." (mit mer)

 
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