Erinnerung an zwei "Edelfedern"

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 46: Dichter aus dem Erzgebirge.

Zwickau.

In einer Reihe mit Anton Günther, dem populären Volksdichter und Heimatsänger des Erzgebirges, stehen Kurt Arnold Findeisen und Hans Soph. Beide "Edelfedern des Erzgebirges" waren in Zwickau verwurzelt. In Neuplanitz tragen Straßen ihre Namen.

Der Mundartdichter und -sänger Hans Soph (1869-1954) stammt aus dem nordböhmischen Horní Blatná. Vom Grenzübergang Johanngeor- genstadt/Potučky benötigt man mit dem Auto rund zehn Minuten bis in die Bergstadt Platten, wie Sophs Geburtsort auf Deutsch heißt. Von der Straße in Richtung Bludná bietet sich ein herrlicher Blick auf den 450-Einwohner-Ort, durch den der grenzüberschreitende Anton-Günther-Wanderweg verläuft, und auf Böhmens Wälder. Bahnfahrer aus Zwickau steigen in Johanngeorgenstadt in den Zug nach Karlsbad um, der in Horní Blatná hält.

Das örtliche Museum (Bezruč čová 127) erinnert seit 15 Jahren an Hans Soph, der in seinem Heimatort - nach dem Namen des Stiefgroßvaters - "Schubert-Hans vun d'r Platt" genannt worden ist. Der Erzgebirgszweigverein (EZV) Zwickau übergab Kopien von Urkunden, Dokumente, Noten und Handschriften sowie die Soph-Biografie von Fred Heydel dem Museum. Laut Wolfgang Stiehler, Zwickaus ehemaligem EZV-Vorsitzenden, stand das Geburtshaus in unmittelbarer Nähe des Museums und musste einer Kläranlage weichen.

Auf der Anton-Günther-Höhe bei Johanngeorgenstadt erinnerte eine Gedenkstätte an den Namensgeber und dessen Dichterkollegen Soph. Laut Wikipedia wurde der Gipfel einer ehemaligen Bergbauhalde 1995 mit Gedenkplatten, Schutzhütte und Ruhebänken gestaltet. Auf der Soph-Tafel waren die Zeilen "A fröhlichs Lied un a aufrichts Wort, die ziern ne Menschen un halfn ne fort!" zu lesen. Später sei der Anlaufpunkt für Wanderer Vandalismus zum Opfer gefallen.

Von 1902 bis zu seinem Tode lebte Hans Soph in Zwickau. Er wohnte über 50 Jahre im Poetenweg 32. An der Klinkerfassade des Hauses ist eine mit Tannenzweig, Zapfen und Gitarre verzierte Gedenktafel angebracht. Soph musizierte häufig im Lokal "Schumanns Schankwirtschaft". Dem Schumann-Osmin, Wirt und Zwickauer Original, widmete er ein eigenes Lied.

Soph schuf unzählige "Haamit"-Lieder wie "Schlof ei, mei Kinnel", "Der Tannezappen" und "Weil ich e Arzgebirger bi". In einem seiner Lieder sang er "Drüm möcht ich halt starbn, wenn de Sunn unnergieht". Und tatsächlich schloss er laut EZV bei Sonnenuntergang im Krankenhaus Schlobigplatz für immer die Augen. Sein Grab befindet sich auf dem Zwickauer Hauptfriedhof.

An der Parkstraße 3 im Schwanenteichpark befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Aufschrift: "In diesem Haus wurde Kurt Arnold Findeisen, der Dichter des Sachsenlandes, am 15. Okt. 1883 geboren." Zu seinen bekanntesten Werken zählen biografische Romane (unter anderem über Schumann, Brahms und den Wildschützen Karl Stülp-ner) und "Das Goldene Weihnachtsbuch", das die Fülle von Geschichten und Legenden aus dem Weihnachtsland Erzgebirge abbildet.

1929 erhielt der Zwickauer als erster Dichter den im selben Jahr gestifteten sächsischen Lessingpreis. Bis zu seiner Entlassung durch die NSDAP leitete er die Schulfunkabteilung der Mitteldeutschen Rundfunk AG in Leipzig. Fortan schlug sich Wendelin Dudelsack, wie sein Pseudonym lautete, in Dresden als freischaffender Schriftsteller und Herausgeber durch. Beim Bombenangriff im Februar 1945 verlor er sein ganzes Hab und Gut. Der Grabstein auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden-Johannstadt trägt Findeisens Leitspruch: "Die Heimat ist das Herz der Welt".

In Vergessenheit geriet der am 17. November 1963 verstorbene Schriftsteller nie. Gedichte und Bräuche aus seinem Weihnachtsbuch sind über Sachsen hinaus fester Bestandteil der Adventszeit. Ins allgemeine Liedgut sind die Texte der Strophen zwei bis fünf von "Wenn's Weihnachten ist" eingegangen. In Kürze erklingt diese Weise von den frierenden Zuckerstangen und der Pfefferkuchenfrau wieder auf den Weihnachtsmärkten und in Wohnzimmern.

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