Große Top-Wohnungen sind rar

Kaltmieten von bis zu 9,20 Euro in der neuen Wohnanlage am Schlobigpark: Wird Zwickau allmählich ein teures Pflaster?

Zwickau.

Die ortsübliche Miete in der Stadt Zwickau liegt zwischen 3,49 und 5,12 Euro pro Quadratmeter. Das besagt der Mietspiegel von 2013. Und der gilt bis heute, versichern Christina Kirst, Vorsitzende des Mieterschutzvereins Zwickau, und Angelika Müller, Vorsitzende des Vermietervereins Haus & Grund Westsachsen. Er ist ein Instrument, das für Rechtsfrieden unter den Interessenverbänden sorgt. Veröffentlichungen über Kaltmieten in Höhe von bis zu 9,20 Euro pro Quadratmeter, wie sie die Gebäude- und Grundstücksgesellschaft Zwickau (GGZ) in ihrem Neubau am Schlobigpark plant, halten beide Vereine für Ausreißer.

Mietervertreterin Kirst sind 2015 Bestrebungen zu Ohren gekommen, wonach ein Vermieter in der Goethestraße versucht habe, seine Kaltmiete von 5 auf 6,70 Euro anzuheben. Ob Mieter bereit sind, da mitzugehen, wird sich zeigen. Höhere Mieten aber für gewöhnliche Wohnungen - Villen sind ausgeschlossen - sind ihr weder in ihrer Kanzlei noch in der Geschäftsstelle des 3000Mitglieder zählenden Vereins untergekommen. "Und zu uns kommt keiner, der fröhlich ist", sagt die Anwältin. Den beim Internetportal Wohnungsbörse angegebenen Zwickauer Durchschnittspreis von 5,29 Euro pro Quadratmeter kalt hält sie für halbwegs realistisch. Höher seien die Preise keineswegs gestiegen.

Für Vermietervertreterin Müller ist die Zeit noch lange nicht reif für Mietsprünge. "Im Osten liegen wir jetzt bei 83 Prozent vom Westlohn, wegen der vielen Rentner mit fallender Tendenz", sagt Müller. Und unter den Rentnern, die jetzt in den Ruhestand treten, werden viele sein, die nach der Wende in die Arbeitslosigkeit schlitterten, weil ihre Betriebe pleite gingen. Folglich fällt deren Rente deutlich bescheidener aus als die der jetzigen Ruheständler. Bedarf bestehe derzeit an großen, gut ausgestatteten Wohnungen. "Da gehen schon mal 6 bis 7 Euro pro Quadratmeter", sagt die Vorsitzende des rund 800 Mitglieder zählenden Vereins, zu dem auch Genossenschaften und Hausverwaltungen gehören. Ihrer Einschätzung nach liegt die Durchschnittsmiete in Zwickau für eine gut sanierte W0hnung bei 4,70 bis 4,80 Euro. Allerdings komme es auf die Lage an. An der Eckersbacher Höhe und in Auerbach muss man bei Neuvermietungen um die 4,80 Euro hinlegen, in Weißenborn an die 5 Euro, in Cainsdorf um die 4,30 Euro.

Ausreißer wie am Schlobigpark kenne sie auch vom Neumarkt. Die Vermieter haben dann zumeist höhere Baukosten, weil die Wohnungen barrierearm oder -frei gebaut werden. Derartige Einbauten, Lifte, breite Türen, schwellenfreie Duschen gelten als Extras. Beim letzten Mietspiegel wurde Wert darauf gelegt, dass solche Wohnungen nicht berücksichtigt werden. Das soll beim neuen so bleiben. Im Frühjahr wollen sich die Vereinsvertreter mit der Stadt zusammensetzen und den Mietspiegel aktualisieren.

Betriebskosten, de facto die zweite Miete, bleiben für Mieter wie Vermieter große Themen. Wegen des milden Winters im Vorjahr sind die Kosten nicht so dramatisch wie 2014, als Müller zufolge sogar die Schornsteinfeger ihre Preise angehoben hatten. 3 Euro pro Quadratmeter muss man Kirst zufolge derzeit draufrechnen, will man die Warmmiete wissen. 2006 waren es noch 2,47 Euro.


Miete abhängig von Stadtteil

Immobilienportale wie Immowelt oder Immobilienscout 24, die Durchschnittsmieten für die Stadt zwischen 4,90 und 5,08 Euro pro Quadratmeter nennen, vergleichen Gegenden preislich. Beispiele:

Auerbach 4,89 Euro

Cainsdorf 4,66 Euro

Crossen 5,14 Euro

Eckersbach 4,86 Euro

Innenstadt 5,13 Euro

Marienthal 5,07 Euro

Oberplanitz 4,91 Euro

Weißenborn 6,19 Euro

(Quelle: Immobilienwelt)

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