Werbung/Ads
Menü

Themen:

Vor knapp zehn Jahren hat Karl Weiß seinen Schreibtisch im Landratsamt geräumt und ist in den Ruhestand gegangen.

Foto: Andreas Wohland/Archiv Bild 1 / 2

Pensionierter Politiker hat als Schlossretter jede Menge zu tun

... Karl Weiß? Der Lehrer war nach der Wende 2. Beigeordneter des Landrates und befindet sich seit fast zehn Jahren im Unruhestand.

Von Viola Martin
erschienen am 19.06.2017

Wildenfels. So mancher Jacober, Hirschfelder, Reinsdorfer oder Friedrichsgrüner wird sich an Karl Weiß als Lehrer erinnern. Der heute 74-Jährige war als Kind Ende der 1940er-Jahre als Vertriebener aus Schlesien nach Thurm gekommen, hatte Pädagogik studiert und bis zur Wende in Schulen im damaligen Kreis Zwickau-Land unterrichtet. Dass er Lehrer geworden ist, daran hatte sein Physiklehrer Ulrich Kuhlmann aus Niclas eine große Aktie. "Er war LDPD-Mitglied und für mich auch politisch ein Vorbild", erinnert sich Weiß. "Als man mich während meines Studiums bewusst durch die Marxismus-Leninismus-Prüfung fallen ließ und mir vorwarf, ich zeige keinen klaren Klassenstandpunkt, war das für mich der Auslöser, ebenfalls LDPD-Mitglied zu werden." Die Liberaldemokratische Partei Deutschlands gehörte genau wie die NDPD, die DBD und die CDU zu den Blockparteien, die es neben der SED in der DDR gab. Sie ist nach der Wende mit der NDPD in der FDP aufgegangen.

Karl Weiß erinnert sich gern an seine Zeit als Pädagoge. "Als Diplom-Mathematiklehrer habe ich mit die Aufgaben ausgearbeitet, die bei der Mathematik-Olympiade republikweit gelöst werden mussten. Nach der Wende habe ich mich im Verein zur Förderung mathematisch-naturwissenschaftlich begabter Schüler engagiert", erzählt er.

1990 wechselte Weiß in die Kommunalpolitik. Obwohl die CDU damals in Zwickau-Land die absolute Mehrheit hatte, wurde der FDP-Mann zum 2. Beigeordneten des Landrates gewählt. Er bildete mit dem damaligen Landrat Christian Otto und dem 1.Beigeordneten Lorenz Franzisti (beide CDU) ein unzertrennliches Trio. Eigentlich bis 2008 gewählt, räumte der damals 65-Jährige im Dezember 2007 vor der zweiten Kreisreform seinen Schreibtisch und verabschiedete sich in den Ruhestand.

Der Pädagoge war als Beigeordneter auch für die Bildungseinrichtungen zuständig, hat nach der Wende die Schullandschaft im Kreis aktiv mitgestaltet. Stolz ist er darauf, dass in Kirchberg die erste Schule für geistig Behinderte in den neuen Bundesländern entstand. Außerdem sind die Gymnasien in Wilkau-Haßlau und Kirchberg gebaut worden.

So manche Anregung hat der Kommunalpolitiker nach der Wende von Kollegen aus dem Partnerlandkreis Darmstadt-Dieburg erhalten. "Nachdem wir 1992 dort an einem Radlertag teilgenommen hatten, waren wir so begeistert, dass wir auch in unserem Kreis so etwas etablieren wollten." Mit Landrat Otto und dem damaligen Kulturamtsleiter Ulrich Blauhut aus Mülsen war er sich einig, dass man so etwas im Mülsengrund auf die Beine stellen kann. Und so wurde 1994 der Radlersonntag aus der Taufe gehoben, der seither jedes Jahr bis zu 20.000 Pedalritter anzieht. "Bei den meisten Radlersonntagen bin ich dabei gewesen", sagt Karl Weiß. An Arbeit fehlt es dem Mann, der seit 1992 in Wildenfels wohnt, auch im Ruhestand nicht. "Was mir anfangs fehlte, war meine Sekretärin", erzählt er lachend. "Abrupt musste ich mich um alles selbst kümmern. Aber meine Frau Heidrun, ebenfalls eine Lehrerin, mit der ich seit 30 Jahren verheiratet bin, unterstützt mich beim Koordinieren der Termine und meiner ehrenamtlichen Arbeit sehr."

Noch mehr als zuvor kniet sich der Pensionär in sein Ehrenamt als Vorsitzender des Freundeskreises Schloss Wildenfels rein. "Vor 19 Jahre habe ich den Verein mit initiiert, um das alte Gemäuer vor dem Verfall zu retten und zu einem kulturellen Zentrum zu machen", sagt Weiß. "Damals hätten wir nicht im Traum daran gedacht, dass es uns gelingt, den Blauen Salon wieder in alter Schönheit erstrahlen lassen zu können." Die mit Silberfäden durchwirkte Seidentapete darin zeigt exotische Vögel und fremdländische Früchte. Sie ist vermutlich 1737 als Beutegut aus dem russisch-türkischen Krieg nach Wildenfels gekommen und laut Landesdenkmalamt einmalig auf der Welt. Die Wandbespannung war stark verrußt und ist über mehrere Jahre konserviert und restauriert worden. Auch der Grüne und der Rote Salon sowie das Mondscheinzimmer und das Chinesische Kabinett wurden denkmalgerecht hergerichtet. Weiß gewann die Deutsche Sparkassenstiftung und viele andere Sponsoren als Geldgeber, sorgte dafür, dass hunderttausende Euro in die Schlosssanierung flossen. Mit vielfältigen Veranstaltungen vom Pleinair über Ausstellungen bis hin zur Schlösser- und Kriminacht sorgt der Freundeskreis dafür, dass viele Besucher in das alte Gemäuer strömen.

Der Wildenfelser Bürgermeister Tino Kögler (parteilos) weiß das unermüdliche Wirken des Vereinsvorsitzenden zu schätzen. "Ohne sein Engagement wäre vieles auf dem Schloss sicher noch nicht so prachtvoll restauriert, würde es viele der beliebten kulturellen Veranstaltungen, die auch überregional Gäste in unsere Stadt locken, nicht geben", sagt Kögler. Er hat Karl Weiß zusammen mit der Ortschronistin Monika Badock vor sieben Jahren wegen ihres Einsatzes zu den ersten Ehrenbürgern der Stadt ernannt. Auch die Ortschronistin schätzt ein: "Ohne Karl Weiß wäre das Schloss nicht das, was es heute ist. Bei meinen Führungen kann ich den Besuchern jedes Jahr weitere prächtige Räume zeigen."

Fit für seine ehrenamtliche Arbeit hält sich der 74-Jährige vor allem beim Tischtennisspielen mit Freunden und beim Skifahren in Südtirol. Seine Reiselust ist ungebrochen. "Mindestens einmal im Jahr fahre ich mit meiner Frau an die Ostsee. Außerdem wollen wir dieses Jahr per Boot mit Freunden die Berliner Seen erkunden und sind gern auf Kreuzfahrten im Mittelmeer unterwegs", erzählt Weiß. "Und wir sind Griechenlandliebhaber. Gern möchte ich noch mal auf die Insel Santorin, die mich fasziniert."

Der Pensionär ist voller Pläne. Sowohl die für das Schloss als auch die für den Urlaub reichen noch für viele Jahre Unruhestand.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Zwickau
Mo

21 °C
Di

27 °C
Mi

28 °C
Do

22 °C
Fr

22 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Zwickau und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Zwickau

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Online Beilagen
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

08056 Zwickau
Hauptstraße 13
Telefon: 0375 5490
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 17.30 Uhr, Sa. 9.00 - 11.00 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm