Rektor: Die Hochschule will keine Veränderungen

Heute entscheidet der Hochschulrat über die Zukunft von Karl Schwister. Der erhebt zuvor Vorwürfe gegen Kollegen.

Zwickau.

Hat er seine Finger zu tief in die Wunden gelegt? Karl Schwister vermutet es. Kurz bevor heute der Hochschulrat zusammentritt und die Abwahl des Rektors der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) bestätigt oder auch nicht, hat Schwister sein bisheriges Schweigen gebrochen.

Er habe sich zunächst an die Gepflogenheiten gehalten, sagte er gestern. "Aber ich fühle mich so über den Tisch gezogen, dass ich mich nun doch äußern möchte." Dabei spricht er sowohl über das Zustandekommen der Abwahl als auch über die mutmaßlichen Gründe, die dazu geführt haben. "Ich habe die Finger in einige Wunden gelegt: zum Beispiel bei der Internationalisierung der Hochschule, der Schließung der Fakultät Elektrotechnik und der Lehrauslastung", sagte er. Zum ersten Thema bemängelte er, dass es an der WHZ keinen englischsprachigen Studiengang gibt. Außer in einigen Kursen werde komplett auf Deutsch unterrichtet. Als er sich um den Rektorposten bewarb, hatte Schwister angekündigt, die Internationalisierung voranzutreiben. Nun erlebe er oft Unwillen.

Der reiche sogar noch weiter. Er habe erkannt, dass nicht alle Professoren die von ihnen verlangte Zahl an Lehrstunden oder anderen Tätigkeiten erfüllen. "Sie werden zu 100 Prozent bezahlt, arbeiten aber nicht zu 100 Prozent", so sein Vorwurf. Das sei über Jahre geduldet worden. "Und dabei geht es nicht nur um zehn Leute, sondern um mehr." In zwei besonders schweren Fällen habe er zwei Disziplinarverfahren eingeleitet. "Mit Erfolg."

Mit Entrüstung hingegen hätten die Mitarbeiter reagiert. Inzwischen habe er auch den Rechnungshof und das Ministerium informiert, so Schwister, der sich bisher aus Dresden, aber auch vom Hochschulrat bestärkt sah. Nun aber geht er davon aus, dass dieses Gremium aus zwei Professoren und fünf Mitgliedern von außerhalb der Hochschule seine Abwahl heute bestätigen wird. Dabei hatte Schwister angeboten, von sich aus zurückzutreten. Das wollte der Hochschulrat auch dem Erweiterten Senat vermitteln, der letztlich zur Abwahl zusammentreten muss- te. Warum das Rücktrittsangebot nicht angenommen wurde, kann Schwister nicht sagen. "Vielleicht wollten sie mich abwählen."

Das war im Dezember. Zu diesem Zeitpunkt hatte es schon mehrfache Bestrebungen gegeben, Schwister seines Amtes zu entheben. Nie sei er jedoch selbst angehört worden, so sein Vorwurf heute. Das erste Mal habe der Senat im Sommer eine entsprechende Sitzung einberufen. "Das war vier Tage vor meinem Urlaub." Die Zusammenkunft fand statt, ohne dass seine Argumente gehört worden wären. Bei einem zweiten Anlauf sei er krank gewesen, führt er aus. Worüber sich Karl Schwister ärgert: Er hatte die Abwahl als letztes Mittel der Auseinandersetzung nicht kommen sehen. Warnzeichen wie Beschwerden über schlechte Arbeit, mangelnde Zusammenarbeit oder die Bitte, seine Arbeitsweise zu ändern, habe es nie gegeben. Deswegen sagt er auch heute noch: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe Fehler gemacht wie jeder andere auch - aber nichts, das eine Abwahl rechtfertigen würde." Stattdessen bezichtigt er Teile der Hochschule, sich gegen einen nötigen Umbruch zu wehren. "Die Hochschule will keine Veränderungen." Mit diesem Vorhaben aber sei er angetreten. Nun sieht es so aus, als würde er Zwickau den Rücken kehren. Von seiner Hochschule in Düsseldorf war er nur beurlaubt worden.

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