Zwickau ehrt einen Schweizer

Der Oboist, Dirigent und Komponist Heinz Holliger erhält den Robert-Schumann-Preis 2017. Gründe dafür finden sich reichlich.

Zwickau.

Seit mehr als 50 Jahren ist er in der klassischen Musikszene präsent - und das nicht nur als einer der wenigen Oboen-Solisten von Weltruf, sondern ebenso als Dirigent und Komponist. Und in all diesen Eigenschaften war und ist er ein steter Bewunderer und Bewahrer des Erbes von Robert Schumann: Heinz Holliger. All das war Grund genug für die Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau, der Stadt Zwickau den 77-jährigen Schweizer als Träger des Robert-Schumann-Preises der Stadt für 2017 zu benennen.

Wie es in einer gestern vom städtischen Kulturamt verbreiteten Pressemitteilung heißt, werde ihm der mit 10.000 Euro dotierte Preis für alle drei von ihm repräsentier- ten Künste verliehen. Bereits 1979 entstand seine erste Schumann-Einspielung, in der er mit dem Pianisten Alfred Brendel (Schumann-Preis- träger 2002) nicht nur die Oboen-Romanzen op. 94, sondern auch an- dere Schumannsche Duowerke einspielte.

Der Komponist Heinz Holliger nahm seit 1961 auf Werke Schumanns Bezug oder ließ sich durch sie beeinflussen. So 2003 mit seinen "Romancendres" für Violoncello und Klavier, die zu Holligers 75. Geburtstag auf CD erschienen und auf Schumanns verlorene Cello-Romanzen von 1853 Bezug nehmen. Clara Schumann hatte deren Manuskript auf Rat von Johannes Brahms nach Schumanns Tod verbrannt: Holliger sieht darin einen Akt der Barbarei. Er hält es für möglich, dass Schumann in den Romanzen die Liebesbeziehung zwischen seiner Frau und Brahms "für Eingeweihte erkennbar" thematisiert hat, es sich mithin um Beweisvernichtung handelte. "Es ist schon sehr auffällig, wie sowohl Brahms als auch Clara einer Veröffentlichung entgegenwirkten", sagt Holliger. "Sie haben auch die meisten gegenseitigen Briefe verbrannt. Vielleicht waren die Romanzen gleichsam der letzte existierende 'Brief' in dieser Sache. Aber das bleibt natürlich Spekulation."

Von 2013 bis 2016 brachte Holliger als Dirigent eine Gesamteinspielung der Orchesterwerke Schumanns auf fünf CDs heraus, die interessante neue Facetten an dessen Kompositionen eröffnen.

Holliger bekannte einmal, in jedem seiner Werke sei Schumann präsent. Auf eine Frage der "Zeit" im Schumann-Jahr 2010, was dessen 200. Geburtstag für ihn bedeute, antwortete er: "Ich habe zu meinem Freund, dem Pianisten András Schiff (Preisträger 2011, d. Red.), gesagt: Es ist nicht an uns, jetzt besonders viel Schumann zu spielen. Wir haben ständig Schumann-Jubiläum."

Die Preisverleihung an Heinz Holliger findet Freitag, den 20. Januar 2017, 19.30 Uhr im Robert-Schumann-Haus Zwickau statt.

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