Zwickauer Jugendliche auf den Spuren des NSU

Zwickau/München (dpa) - Im Sitzungssaal 101 des Münchner Oberlandesgerichts beginnt diese Woche ein Projekt zur Aufarbeitung der Zwickauer Taten des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU). Auf der Zuschauertribüne und wahrscheinlich unbemerkt von den vielen Prozessbeteiligten. Denn mit einem Besuch des NSU-Prozesses am Dienstag begeben sich rund 30 Zwickauer Jugendliche auf Suche nach Spuren des mutmaßlichen NSU-Terrortrios.

Da sich die juristische Aufarbeitung der angeklagten Taten von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe dem Ende zuneige, habe man sich für den Projektstart im Gerichtssaal entschieden, sagte dessen Leiter Matthias Bley der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die NSU-Geschichtswerkstatt wolle sich insbesondere Ereignissen, Orten und Personen rund um die Verbrechen des Trios in der Region Zwickau widmen. So sei angedacht, mit ehemaligen Nachbarn der mutmaßlichen Rechtsterroristen ins Gespräch zu kommen oder auch Zeitzeugen - beispielsweise zum Zwickauer Banküberfall des NSU - zu befragen.

Neben dem Besuch des Prozesses werden sich die Jugendlichen zu Beginn in München unter anderem mit einer Opferanwältin treffen und den Tatort des Mordes an Theodoros Boulgarides - dem siebten Opfer - besuchen. Insgesamt soll die Bildungsreise drei Tage dauern.

Mit dem zeitlich unbefristeten Projekt wird laut Bley eine Dokumentation entstehen. In welcher Form die Aufarbeitung am Ende präsentiert wird - etwa als multimediale Dokumentation oder Ausstellung - sei noch völlig offen und werde bewusst der Kreativität der jungen Leute im Alter zwischen 15 und 27 Jahren überlassen. Dem NSU werden zehn Morde an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an einer Polizistin im Zeitraum von 2000 bis 2007 zugerechnet.

Neben dem soziokulturellem Zentrum «Alter Gasometer» als Träger des Projekts beteiligt sich unter anderem das Kulturbüro Sachsen. Die NSU-Geschichtswerkstatt wird durch das Bundesprogramm «Demokratie leben» des Bundesministeriums für Familie und Jugend sowie aus Mitteln des Landesprogramms «Weltoffenes Sachsen» gefördert.

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