Zwickaus schmucke Partnerstadt

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 36: ein Besuch in Jablonec.

Zwickau.

Seit dem Tag der Republik 1971 ist Zwickau mit der tschechischen Stadt Jablonec nach Nisou befreundet. Diese traditionsreiche Städtepartnerschaft hat die Wende überdauert und ist inzwischen die älteste derartige Beziehung Zwickaus. Die Städte kooperieren im Nachwuchssport, auf Reisemessen und im kulturellen Bereich. Anlässlich des 45. Jubiläums präsentierten 14 Künstler aus der Region um Gablonz an der Neiße - so der deutsche Ortsname - ihre Werke in der Galerie am Domhof.

Die Glas- und Schmuckindustrie brachte einst Wohlstand ins Isergebirge. Davon zeugen prächtige Jugendstilbauten und Fabrikantenvillen in Jablonec. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören neben dem Glas- und Bijouterie-Museum das alte und das funktionalistische neue Rathaus, die Kirchen, das Postamt und Stadttheater. Die Tourist-Information ist im ehemaligen Pfarramt ansässig. Im 2004/05 errichteten "Eurocentrum" finden kulturelle Veranstaltungen, Tagungen und Messen statt. Talsperren, Wanderwege und Skipisten machen die Umgebung für Sportler und Ausflügler anziehend. Der Fernsehturm auf dem Gipfel des 1.012 Meter hohen Berges Ještěd (Jeschken) gilt als Wahrzeichen der Region.

In Jablonec, dessen Name sich von Jablón (Apfelbaum) und Nisa (Neiße) ableitet, leben rund 46.000 Menschen - halb so viele wie in Zwickau, wo eine Straße in Neuplanitz nach Jablonec benannt ist. Es begrüßt seine Gäste mit einem großen Willkommensschild, auf dem die Partnerstädte samt Wappen abgebildet sind: Zwickau, Bautzen, Ronse (Belgien) und Marsciano (Italien). Inzwischen gehört auch Kaufbeuren dazu. Zwickaus kleine Schwester, das aus Teil 11 dieser Serie bekannte Cvikov (Zwickau in Böhmen), liegt rund 50 Kilometer von Jablonec entfernt.

Aus Zwickauer Sicht interessant ist die Anreise mit dem Nahverkehr. Ins Dreiländereck von Deutschland, Tschechien und Polen gelangt man nämlich mit der Vogtlandbahn. Sie hat die Ausschreibung des Ostsachsennetzes gewonnen und übernahm 2014 von der Bahn-Tochter DB Regio die Strecken nach Görlitz und Zittau/Liberec. Dieseltriebwagen vom Typ Siemens Desiro - so auch die Nummer VT23 mit dem Taufnamen "Stadt Zwickau" - wurden von West- nach Ostsachsen überführt und mit dem Markennamen "Trilex" versehen. Er steht für Dreiländerexpress. Stadtname und -wappen von Zwickau wurden getilgt. Der rollende Botschafter war 2003 von Oberbürgermeister Dietmar Vettermann im Hauptbahnhof getauft worden. Je nach Zugverbindung fährt man von Dresden zunächst direkt nach Liberec (Reichenberg) oder steigt in Zittau, dessen Stadtmarketing gegen die häufigen Verwechslungen mit Zwickau anarbeitet, nach Liberec um. Dort hat der Fahrgast die Wahl: Entweder er zuckelt im Anschlusszug Richtung Harrachov weiter oder er nimmt die Überlandstraßenbahn (Linie 11), welche im Jablonecer Zentrum endet - ein Erlebnis für Liebhaber von Tatra-Trams.

Jablonec ist wie Zwickau eine sportbegeisterte Stadt. Der Fußballclub FK Jablonec spielt in der höchsten tschechischen Liga. 2010 wurde er Vizemeister. 1998 gewannen die Nordböhmen den Pokal, 2013 sowohl Pokal als auch Supercup. 2015 schalteten sie in der Qualifikation für die UEFA Europa League zunächst den FC Kopenhagen aus, scheiterten schließlich aber an Ajax Amsterdam. Im Eishockey, was in Tschechien einen beinahe höheren Stellenwert als Fußball genießt, repräsentiert der Zweitligist HC Vlci Jablonec die Stadt. Der Speerwerfer Jan Železný, je dreifacher Olympiasieger und Weltmeister, startete eine Zeit lang für den Leichtathletikverein TJ Liaz Jablonec.

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