Berufspraktikum im Schnelldurchlauf

Die Wirtschaftsförderung Erzgebirge hat Schüler und Unternehmen der Region zusammengebracht. Neun unterschiedliche Aufgaben mussten die Jugendlichen absolvieren.

Marienberg/Zschopau.

In zehn Minuten ein perfektes Kräuterpesto zaubern oder medizinisch akkurat eine Spritze setzen - was nach Rekorden von Profis klingt, war am gestrigen Dienstag Aufgabe für Schüler der Zschopauer Oberschule "Martin Andersen Nexö".

Die Schüler waren nach Marienberg gereist, um bei einer Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Erzgebirge in der Stadthalle Einblicke in traditionelle Handwerksberufe zu bekommen. Die Veranstalter setzten dabei nicht auf Vorträge oder Präsentation. "Stattdessen bekommen die Schüler von den eingeladenen Unternehmen eine Aufgabe, die sie mit ihren Händen lösen müssen", erklärte Kristin Kocksch, Projektleiterin der "Länderübergreifenden Aktivitäten für Berufsorientierung und Ausbildung" (Labora). Dabei konnten die gestellten Aufgaben unterschiedlicher kaum sein. Denn die Branchenbreite reichte von Metall- und Maschinenbau bis zum Bäcker, vom Friseur bis zur Alten- und Krankenpflege. Jeweils in Gruppen von bis zu acht Mitgliedern hatten die Schüler zehn Minuten Zeit, die gestellten Aufgaben zu lösen, bevor es zur nächsten der insgesamt neun Stationen ging.

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So erklärte Daniel Siegert, Ausbilder beim Marienberger Unternehmen Meyer Drehtechnik, wie Metallteile mit dem Messschieber bis auf das Tausendstel genau vermessen werden können. Am Nachbartisch wurde indessen fleißig püriert und gewürzt. Für die Partnerhotels "Weißes Roß" in Marienberg und "Buntes Haus" in Seiffen stand Geschäftsführer Ronny Weiß persönlich mit am Tisch. Gemeinsam mit den Schülern richteten er ein Kräuterpesto an, das am Ende mit nach Hause genommen werden konnte. Reichlich Knoblauch durfte dabei nicht fehlen. Am Stand der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge waren unterdessen viel Präzession und eine ruhige Hand gefragt. Praxisanleiter Philipp Schaarschuch erklärte den Schülern, wie eine Spritze sachgemäß aufgezogen und verabreicht wird. Für die Injektion musste kein Mensch, sondern lediglich ein Schwamm herhalten.

Ziel der Veranstaltung sei es, einen persönlichen Austausch zwischen Unternehmen aus der Region und Jugendlichen auf Augenhöhe zu ermöglichen. Für die Schüler der achten Klassenstufe bestehe auch die Möglichkeit, Kontakte für das in der neunten Klasse anstehende Berufspraktikum zu knüpfen, sagte Kerstin Hillig, Leiterin des Geschäftsbereiches Berufsorientierung bei der Wirtschaftsförderung Erzgebirge. Rund 280 Schüler aus Marienberg, Zschopau und Jöhstadt sind für das an zwei Tagen stattfindende Angebot angemeldet. Da es sich um ein grenzüberschreitendes Projekt handelt, besuchten am gestrigen Dienstag auch Schüler aus Komotau die Veranstaltung. Wie der Name besagt, hat das Projekt mit den Technodays in Komotau ein tschechisches Pendant, an dem wiederum Schüler aus Deutschland teilnehmen können.

Als Bindeglied zwischen der Veranstaltung der Wirtschaftsförderung und den Zschopauer Schülern fungierte Ilona Pilz. Sie arbeitet am Bildungszentrum Zschopau und ist als externe Praxisberaterin an der Schule tätig. "Wichtigstes Ziel ist es, dass die Schüler ein Bewusstsein für den eigenen Berufswunsch entwickeln", erklärte Ilona Pilz. Genauso notwendig sei es, bei den Eltern eine Akzeptanz für die Berufsentscheidung der Kinder zu entwickeln.


Die Erzieherin

Lara Illing hat gleich beides: einen festen Berufswunsch und ein großes Vorbild. Genau wie ihre Mutter möchte die 15-Jährige Erzieherin werden - gern auch als Leiterin einer Kindertageseinrichtung. Dabei könnte sich die junge Frau auch einen Job auf dem Dorf gut vorstellen. Auf der Veranstaltung interessierte sich die 15-Jährige vor allem für die für die Angebote einer Ausbildung im Bereich Physiotherapie und der Alten- und Krankenpflege. (jwen)


Die Wissenschaftlerin

Daniah Alyabroudi Fattal hat schon jetzt einen festgelegten Berufswunsch. Die 16-Jährige würde gern Psychologie studieren und später im Fach arbeiten. Trotzdem kann sie der Veranstaltung viel abgewinnen. "Ich interessiere mich für viele Sachen", erklärt die 16-Jährige. Entgegen alter Klischees zieht die junge Frau beim direkten Vergleich den Schraubstock der Backstube vor. "Es war sehr interessant, dass wir so unterschiedliche Berufe ausprobieren konnten." (jwen)


Der Techniker

Für Luke Richter steht der künftige Traumberuf noch nicht eindeutig fest.

Allerdings zieht der 13-Jährige schon jetzt eine klassische Ausbildung der Universität vor. "Am liebsten im Handwerk", sagt der Schüler. In welchem Bereich er eine Ausbildung absolvieren will, ist er sich noch nicht hundertprozentig sicher. Doch Berufe im Bereich Metall- und Maschinenbau konnten bei dem jungen Mann deutlich besser punkten, als vergleichbare Angebote in anderen Branchen. (jwen)

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