Weltneuheit: Noten per Pedal umblättern

Mit der App "E-Partitur" wollen Lukas Heinig und sein Team ein Jahrhunderte altes Musikerproblem aus der Welt schaffen. Und das Programm kann noch viel mehr.

Zschopau/Chemnitz.

Blättern war gestern. Heute wird getreten. Musiklehrer Lukas Heinig kennt das Problem zur Genüge: "Überlegen Sie mal, wie viele Musiker beide Hände am Instrument haben", sagt er, "nur die Sänger nicht." Wie also umblättern, wenn die Noten einer Partiturseite zu Ende gespielt sind?

In der Zschopauer Musikschule Ars Nova übernimmt deren Leiter Lukas Heinig den Job des Umblätterers, auch Notenwender genannt. Ihn gibt es in Orchestern. Mit seinem ehemaligen Keyboardschüler Ulrich Halfter hat er überlegt, wie das Blätter-Problem zu lösen sei. Dabei wollen die beiden gleich noch ein paar andere Musiker-Ärgernisse beseitigen: Papierschleppen und die Suche nach einem bestimmten Notenblatt. "E-Partitur" heißt ihr Projekt, für das sie sich mit Josephin Hartmann und Alexander Krauß zusammengetan haben.

Das Projekt besteht aus drei Komponenten: einem Pedal, einer App, das heißt einem Programm für Smartphone oder Tablet, und dem Notenstore, einer Plattform für Noten in der App. Das Pedal ist per Bluetooth mit einem Tablet gekoppelt. Auf dem Gerät kann sich der Musiker die Noten anzeigen lassen. Bisher existiert das Pedal nur als Prototyp. Für den Notenstore werden die Notenverlage ins Boot, beziehungsweise in die App geholt: Mit dem Tablet-Programm können Partituren direkt bei den Verlagen gekauft werden, so der Plan. Folglich müssten Musiker kein komplettes Notenbuch mit verschiedenen Stücken kaufen, sondern könnten gezielt Partituren einzelner Stücke erwerben. "Wir haben bereits Verlage, die uns Noten zur Verfügung stellen", sagt Heinig. "Das digitale Notengeschäft ist für die Verlage Neuland", so Team-Kollegin Josephin Hartmann.

Kernstück von E-Partitur ist eine App, die das Team entwickelt. Musiker können sich mit diesem Programm die Noten auf ihrem Tablet anzeigen lassen. Das Besondere dabei: "Die Notenanzeige wird auf dem Tablet selbst erstellt", erklärt Ulrich Halfter. Anders als bei der Darstellung eines PDF-Dokuments, bei dem die Noten beim Heranzoomen pixelig werden, sei die Anzeige für Musiker so gut lesbar, so Halfter. "Auch Besonderheiten im Ablauf des Stücks sollen dabei berücksichtigt werden, der Zeilenumbruch zum Beispiel nicht an einer schwierig zu spielenden Stelle erfolgen." Zudem soll die App Noten abspielen können. Mit einem Koffer Noten muss Musiklehrer Lukas Heinig dann nicht mehr in die Schule kommen, er kann einfach sein Tablet auspacken und das gewünschte Stück heraussuchen.

Sein ehemaliger Schüler Ulrich Halfter hat an der Technischen Universität Chemnitz Informatik studiert und seine Diplomarbeit im musischen Bereich verfasst. Heute kümmert er sich hauptberuflich um die App-Entwicklung. Die wird mit einem Gründerstipendium vom Wirtschaftsministerium gefördert. Mehr als ein Jahr werden er und zwei Mitarbeiter sowie die nötige Hardware finanziert. Zudem betreut sie ein Mentor der TU Chemnitz, Dr.Frank Seifert von der Professur Datenverwaltungssysteme.

Die App soll über ab Frühjahr in den Appstores angeboten werden, so Josephin Hartmann. Sie kümmert sich im Team um Marketing und Vertrieb. Ihr Teamkollege Alexander Krauß ist für die Entwicklung des Pedals und die Projektfinanzierung zuständig. Das Pedal wird über die großen Onlineanbieter verkauft werden, sagt Josephin Hartmann. Dieses Projekt ist mit seinen drei Komponenten "in dieser Form eine Weltneuheit, soweit ich weiß", sagt Lukas Heinig.

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