Fernverkehr birgt das höchste Risiko

Zur Afrikanischen Schweinepest

Noch nie ist die Afrikanische Schweinepest in Deutschland aufgetreten! Das macht hiesige Bewertungen der Situation angesichts aktueller Fälle in Polen und Tschechien besonders. Ein drohender erster Fall in Deutschland kommt psychologisch einem Dammbruch gleich. Dass der für Menschen ungefährliche, für Wild- und Hausschweine aber tödliche Virus derzeit von Osteuropa aus auf dem Vormarsch ist, stellt eine Bedrohung dar. Daran ist nicht zu rütteln. Nicht nur Agrar-Lobbyisten betonen das, sondern auch Behörden der EU und der Vereinten Nationen. Auch beim Loeffler-Institut, dem Bundesforschungszentrum für Tiergesundheit, erkennt man die Gefahr.

Da ist es gerechtfertigt, über Abschuss nachzudenken, um die in Deutschland vergleichsweise dichte Wildschwein-Population zu verkleinern. Ob die Reduktionsquote von 80 Prozent, wie Sachsens Bauern sie fordern, übers Ziel hinaus schießt, müssen Experten beraten.

Fakt bleibt, wenn die Anzahl der Wildschweinrotten bereits vorab geschrumpft wäre, verschaffte das etwas Luft für den Fall, dass es zum Ausbruch kommt. Schließlich verordnet das Loeffler-Institut dann fürs Hochrisiko-Gebiet zunächst einmal absolute Jagdruhe. Zum einem soll der vermutlich ebenso infizierte Rest einer Wildschweinrotte durch den Jagddruck nicht auseinandergetrieben werden. Zum anderen besteht durchs Jagen ein weiteres Verbreitungsrisiko. Auf Schweinekot bleibt der Virus zwei bis drei Monate infektiös, bei Blut währt die Spanne aber bis zu 18 Monate. Dem folgt: Jäger sind im Umgang mit infizierter Beute zu unterweisen. Gut also, wenn man nicht erst nach Ausbruch der Seuche ans Jagen denkt.

Was der Bauernverband allerdings außer Acht lässt, ist die noch wichtigere Frage nach den wahrscheinlichsten Verbreitungswegen der Seuche. Die Gefahr, dass ein infiziertes Wildschwein aus Polen oder Tschechien seinen Weg nach Deutschland findet und den Virus überträgt, halten Experten für nur mäßig. Viel höher schätzen sie das Risiko durch illegale Einfuhr und Entsorgung von kontaminiertem Material ein - konkret entlang des Fernstraßennetzes. Gemeint ist das Wegwerfen von Speiseabfällen, die aus Kontaminationsgebieten mitgebracht wurden und an deutschen Raststätten sorglos weggeworfen werden. Zum anderen sind es aus Osteuropa zurückkehrende Transportfahrzeuge, die, wenngleich leer, nicht fachgerecht desinfiziert wurden. In diesen beiden Verbreitungswegen sieht das Loeffler-Institut die größte Gefahr.

In Europa trat die Seuche bis Ende der 90er-Jahre übrigens immer mal wieder auf: in Spanien, Portugal, Belgien, den Niederlanden, auf Malta und Sardinien. Bis auf die italienische Insel bekamen alle Regionen das Problem in den Griff. Auf Sardinien wurden die Krankheitserreger indes dauerhaft heimisch. Um genau dieses Risiko sogenannter Endemie zu mindern, ist eine Reduktion des Schwarzwildbestandes sinnvoll. Überall dort, wo Populationen flächendeckend ineinander übergehen, ist das Risiko am größten.

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