Lockdown allein ist noch keine Strategie - Kommentar zum Corona-Krisenmanagement

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Kritik an Sachsens Regierungschef wegen "Absage" der Osterferien

Es ist Zeit, in die Offensive zu gehen. Die Verteidigung hat Deutschland in dieser Pandemie im Frühjahr gut, im Herbst nur noch so einigermaßen hinbekommen. Was Deutschland bislang überhaupt nicht gelang, ist die Entwicklung einer Strategie, die über Abstand und Einigeln hinausgeht.

Spätestens seit Mutationen des Virus keine Prognose der Virologen mehr sind, sondern eine Tatsache, ist klar, dass wir lernen müssen, damit zu leben. Nicht, indem wir alles geschehen lassen. Nein. Aber auf die erste Abwehr muss ein Konzept folgen, das aus mehr Punkten besteht als nur der Vereinzelung. Auch die Impfungen können zumindest nicht auf die Schnelle und wegen weiterer zu erwartender Mutationen wahrscheinlich auch nicht auf Dauer die alleinige Lösung sein. Es braucht mehr: Es braucht Konzepte, die eine kontrollierte Rückkehr ins normale Leben ermöglichen, den Zugang zu Bildung, Sport, Unterhaltung, einer geselligen Runde oder ersehnten Berührung.

Marburger Forscher haben zum Beispiel eine Strategie entwickelt, die pauschale Lockdowns durch eine Verzahnung kostengünstiger Antigen-Tests, Impfungen und einer entsprechenden IT-Infrastruktur möglichst unnötig machen. Sie setzt darauf, dass sich die Menschen in großem Umfang selbst testen und bei negativem Ergebnis für eine gewisse Zeit Zutritt erhalten zu Restaurants, Kinos, Sportveranstaltungen usw. Das brächte nicht nur dem einzelnen Vorteile, sondern könnte auch der Pandemie grundsätzlich die Dynamik nehmen. Noch sind derartige Tests in Deutschland nicht zertifiziert. Die Politik hat sie nur grundsätzlich erlaubt, aber leider noch nicht erkennen lassen, was sie damit anfangen will.

Natürlich fallen einem zu einem solchen Ansatz auch gute Gründe ein, weshalb das schwierig wird: Kosten, Datenschutz und möglicher Betrug sind nur drei davon. Als problematisch könnte sich auch die ursprüngliche Festlegung der Bundesregierung erweisen, dass Geimpften keine Privilegien zustehen sollen. Davon abgesehen, dass sie im eigentlichen Sinne keine Privilegien erhielten, sondern nur ihre Grundrechte zurück, würde es am Ende genau darauf hinauslaufen. Denn warum sollten kurzfristig Getestete ins Restaurant dürfen oder auf Reisen gehen, aber niemand, der zumindest mittelfristig durch eine Impfung über eine Immunität verfügt und damit nach jetzigem Kenntnisstand über eine wesentlich niedrigere Wahrscheinlichkeit, jemanden anzustecken? Auch wenn das keine 100-prozentige Sicherheit bedeutet, so stünde dann zumindest die Verhältnismäßigkeit infrage.

Sobald die Impfstoffe ausreichend zur Verfügung stehen und jeder, der will, sich auch impfen lassen kann, wird der Druck aus der Gesellschaft heraus zunehmen, von den positiven Seiten auch profitieren zu dürfen. Es ist schwer vorstellbar, dass sich die Politik dem entziehen kann. Es ist vielmehr damit zu rechnen, dass mit jeder Rückkehr-Strategie indirekt doch ein Druck entstehen wird, sich impfen zu lassen. Nicht weil man muss, aber weil man damit komfortabler leben kann.

Fakt ist: Wenn heute von Perspektiven die Rede ist, kann sich das nicht mehr auf Inzidenzwerte beschränken, von denen mehr oder minder umfangreiche Beschränkungen abhängen. Dieses Land, ganz Europa hat doch mehr Kreativität zu bieten als den immer wiederkehrenden Lockdown.

 
 

Das könnte Sie auch interessieren

22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 18
    0
    censor
    17.02.2021

    Ich finde, schon die Tatsache, dass Viren andauernd mutieren und neue Varianten bilden, auch das Argument des Impfens ins Wanken bringen. Niemand weiß, ob ein heute als wirksam gepriesener Impfstoff dies auch in 6 Monaten noch ist. Das weiß man auch bei der Grippeimpfung immer erst nach der Saison - an der Zahl derer, die sich trotz Impfung ansteckten.

    Was ich damit sagen will: die Debatte läuft ins Leere, wenn man versucht, mit der Brechstange Ansteckungen zu vermeiden. Das funktioniert grundsätzlich nicht, und wenn die Vertreter dieser Meinung noch so viele Tests, dicke Masken, weite Abstände, harte Lockdowns usw. verordnen.

    Gegen Virusinfektionen sind Kräuter gewachsen, die wir seit langem kennen, aber leider zurzeit achtlos stehen lassen: Abhärtung des Immunsystems, Schutz geschwächter Personen, Hygiene in Form von Händewaschen, Nies- und Hustenetikette und Abstand zu sichtbar Erkrankten.

    Alles andere ist teurer, schmerzlicher und weitgehend nutzloser Aktivismus.

  • 7
    3
    uvex
    16.02.2021

    https://covid-strategie.de/2021/02/06/sars-cov-2-varianten-unsere-risikoeinschaetzung/

    Eine Gruppe sehr angesehener Mediziner aus Klinik und Forschung
    schätzt mit diesem Schreiben das
    " so sehr gefährlichere " mutierte Corona Virus ein und gibt mögliche Verhaltensweisen vor.
    Sehr aufschlußreich und lesenswert.
    Warum geht die Politik nicht mit Ihnen
    in eine Diskussion zur Kenntniserweiterung ,um endlich den
    überfälligen Stufenplan zu erstellen ?