Anwohner in Freibergs Norden würden auch Edeka begrüßen

Viele fordern in dem Stadtteil einen Supermarkt. Beim Dialog mit dem OB ging es aber auch um Themen wie Verkehr und Hochwasserschutz. Nicht für jedes Problem lässt sich eine Lösung aus dem Ärmel schütteln.

Freiberg.

Viele Anwohner des Freiberger Nordens haben keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen die Ansiedlung eines Edeka-Marktes an der Leipziger Straße. Das ist am Donnerstagabend beim Bürgerdialog deutlich geworden, zu dem die Stadtspitze Einwohner der Stadtteile Loßnitz und Lößnitz sowie vom Scheunenviertel im Himmelfahrter Revier ins TU-Gebäude für Silikattechnik geladen hatte.

Doch egal, ob Edeka auf der rechten Seite der Leipziger Straße oder Penny gegenüber: Wichtig ist den meisten Anwohnern vor allem, dass sich die Nahversorgung im Gebiet rasch verbessert. Das war Konsens in dem vollbesetzten Hörsaal. "Als es bei uns den Aldi noch gab, musste ich vielleicht einmal pro Woche in die Innenstadt zum Einkaufen fahren", berichtete Ernst Schlegel, einst Rektor der TU Bergakademie. "Heute fahre ich dreimal. Wenn ich meine CO2-Bilanz aufmache, habe ich die Stadt ums Doppelte und Dreifache geschädigt." Im Norden gäbe es kaum Einkaufsmöglichkeiten. "Da muss was her", forderte der emeritierte Professor.

Immerhin: Abhilfe naht. Die Penny-Markt-Gruppe hat bereits angekündigt, im ersten Quartal 2019 eine Filiale im einstigen Aldi zu eröffnen. Doch einige Anwohner, die sich zu Wort meldeten, plädierten auch für Edeka gegenüber. OB Sven Krüger (SPD) machte keinen Hehl daraus, dass es seitens der Innenstadt-Händler Bedenken gegen diese Pläne gibt. "Wir als Stadt müssen versuchen, eine möglichst neutrale Position zu erhalten", sagte er. "Wir sind Schiedsrichter." Die Stadt habe das fragliche Grundstück erwerben wollen, um dort Wohnbebauung zu errichten, aber preislich nicht mit einem der größten Einzelhandelskonzerne Deutschlands mithalten können, so der OB.

Dass der Gewerbeverein insbesondere die Ausmaße des zunächst auf 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche taxierten Edeka-Projekts skeptisch sieht, spielte beim Bürgerdialog keine Rolle. Dagegen ließen Nachbarn durchblicken, dass sie etwa mehr Lärm befürchten. Krüger wies darauf hin, dass jeder Freiberger im Laufe des Bebauungsplanverfahrens eine Stellungnahme abgeben könne, die dann berücksichtigt werde. So seien Lärmschutzwände oder ein Lärmschutzwall durchaus denkbar. Auch versprach die Stadtspitze, die Sicherheit des brachliegenden Geländes umgehend zu überprüfen. Einem Anwohner zufolge wirken die alten Gebäude alles andere als vertrauenerweckend und bilden etwa für spielende Kinder eine Gefahr.

Nicht zu allen vorgebrachten Problemen aber hat die Verwaltung Lösungen im Ärmel. So heißt es für die Bewohner im Münzbachtal, sich beim Thema Hochwasserschutz weiter in Geduld zu üben. Bei der Umsetzung ihrer Pläne sei man sich noch nicht mit allen Grundstückseigentümern einig. 2020 soll immerhin die Brücke am Försterberg einen breiteren Querschnitt bekommen und so eine Engstelle wegfallen, die das Wasser stauen könnte. Und dass den Schulweg viele Autofahrer trotz Verbots für Durchgangsverkehr nutzen, sei überhaupt nicht zu verhindern, räumte Krüger ein. "Mit dem Zustand müssen wir leben." Auch ein Ausbau des Schulwegs etwa mit Fußweg komme vorerst nicht infrage, beim Straßenbau setze die Stadt andere Prioritäten.

Gute Nachrichten überbrachte Krüger dagegen Eltern, deren Kinder an der Agricola-Schule lernen und während der Zeit des Umbaus mit dem Bus zum Ausweichdomizil in Friedeburg fahren. Falls die Entfernung von der Wohnung bis dorthin nicht für ein kostenloses Schülerticket des Verkehrsverbunds Mittelsachsen reicht, übernimmt die Stadt für dieses Schuljahr die Differenz. "Die Entscheidung haben wir am Montag in der Dienstberatung getroffen", so Krüger. Der Hintergrund: Es fällt auch für den Neubau der Schule immer schwerer, Handwerker zu finden. Deshalb sei unklar, wann die Schüler wieder umziehen könnten. Er gehe davon aus, dass der fertige Bau im ersten Halbjahr 2019 übergeben wird.

Außerdem will die Verwaltung wegen der Leipziger Straße noch einmal Kontakt mit dem zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr aufnehmen. An einer Querrinne sowie an Gullydeckeln hat sich dort der Asphalt gesenkt. Was Anwohnern den Schlaf raubt, wenn insbesondere leere Lkw nachts scheppernd darüber donnern.

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