Berggeschrey 2018: Wir sind auch noch da

22 offizielle Stätten gehören zum Welterbe der Montanregion Erzgebirge. Doch es gibt weitaus mehr bergbaugeschichtlich wertvolle Initiativen. Dass diese nicht abgehängt werden, ist Aufgabe eines Projektes.

Freiberg.

Mit dem Unesco-Welterbetitel für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí beginnt für die Initiatoren eine neue Phase. Jetzt kommt es darauf an, die aus dem Titel erwachsenden touristischen Möglichkeiten zu nutzen und die Welterbestätten weiter aufzuwerten. Doch besteht die Montanregion nicht nur aus jenen 22 Stätten auf deutscher sowie tschechischer Seite, die nun zum Welterbe gehören, sondern sie umfasst weit mehr.

Vor allem kleinere bergbaugeschichtlich und technisch wichtige Stätten, die nicht auf der offiziellen Liste aufgeführt sind, sollen im Verlauf der kommenden Jahre nicht abgehängt werden. Dass man dafür schon im Vorfeld der Titelvergabe einige gute Ideen hatte und eine gewisse Weitsicht bewies, zeigt unter anderem das Projekt "Berggeschrey 2018", das bereits zum 1. Januar 2019 angelaufen ist.


Unter dieser Überschrift können montanhistorische Vereine aus den acht ländlichen Regionen in Sachsen, den sogenannten Leader-Gebieten mit speziellen Fördermöglichkeiten durch die Europäische Union, gezielte Unterstützung für ihre ehrenamtliche Arbeit erhalten.

Für das Gebiet Silbernes Erzgebirge, den Klosterbezirk Altzella und die Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal laufen die Fäden dafür bei Jens Pfeifer zusammen. Der Projektmanager vom Förderverein "Montanregion Erzgebirge" hat seinen Sitz in der 6. Etage des Deutschen Brennstoff-Instituts an der Halsbrücker Straße in Freiberg. "Die Ziele des Projektes sind die Stärkung des Ehrenamtes und des Bewusstseins für das Ehrenamt in der Öffentlichkeit und der Politik", erläutert Pfeifer. Ehrenamtlich tätige Vereine seien ein Fundament, um bergbauliche Traditionen und Historie zu erhalten.

Mehr als 50 der Montangeschichte verpflichtete Vereine sind in diesen drei Leader-Regionen zu finden. Ihnen stehen mit dem Berggeschrey-Projekt, das bis Ende 2021 läuft, beispielsweise zahlreiche Weiterbildungen und Workshops zur Verfügung, an denen sie kostenlos teilnehmen können. Die angebotenen Themen haben eine breite Spanne. Sie reichen von Archäologie und Denkmalschutz über Bergrecht und Bergtechnik bis hin zum Erstellen von Betriebsplänen und Finanz- sowie Steuerangelegenheiten. "Die Workshops sollen immer bei einem Verein stattfinden", so Jens Pfeifer. "Damit erhoffen wir uns eine stärkere Vernetzung untereinander, abgesehen davon, dass man sich überhaupt einmal kennenlernt und miteinander ins Gespräch kommt."

Außerdem ist man momentan dabei, einen Kleinprojekte-Fonds aufzubauen. Künftig will man aus diesem Topf Beträge bis zu 5000Euro zur Verfügung stellen, die ohne großen Aufwand von den Vereinen beantragt werden können. "Dabei kann es sich um solche Sachen handeln wie etwa Tafeln, die aufgestellt oder erneuert werden müssen, oder aber wenn neuer Habit gebraucht wird", zählt Pfeifer Beispiele auf.

Einer der wichtigsten Punkte ist allerdings die Nachwuchsgewinnung und -förderung. Es sei eine Tatsache, dass der Altersdurchschnitt bei den meisten Vereinen sehr hoch ist. Nach der Wende sei eine ganze Generation abgewandert. "Das ist nur schwer zu kompensieren. Wir hoffen darauf, dass so mancher durch den Welterbetitel sich bereitfindet, mitzumachen", ruft der Projektmanager auf. Nur so werde man das kulturelle Erbe des Erzgebirges weiterführen und auch künftig vermitteln.

"Wir hoffen dank des Welterbetitels natürlich auf mehr Besucher in der Montanregion", so Pfeifer. Darauf wolle man vorbereitet sein. Es gehe aber auch darum, den Gästen zu zeigen, wie tief und weit die Verwurzelung des Bergbaus mit seinen Traditionen und kulturellen Werten reicht. "Das Welterbe besteht nicht nur aus den 22 offiziellen Stätten", sagt Jens Pfeifer. "Die Montanregion ist wesentlich größer." Und alles gehört zusammen, alles kommt vom Bergwerk her.

Kontakt Per E-Mail Jens.Pfeifer@fv-montanregion-erzgebirge.de können entsprechende Anfragen gestellt werden.

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