"Bergland" liefert Milch direkt in Märkte

In der Clausnitzer Agrargenossenschaft gibt es jetzt eine Tankstelle für frische Milch - Kaufhallen und private Kunden profitieren. Die Landwirte setzen mehr und mehr auf regionale Kreisläufe.

Clausnitz.

Es ist "die Milch von hier" - besser gesagt von den Kühen der Agrargenossenschaft "Bergland" Clausnitz, die es seit neuestem in Einkaufsmärkten der Region gibt. Die Clausnitzer Landwirte wollen damit das Angebot regionaler Produkte stärken, denn warum muss Milch lange Transportwege bis zum Verbraucher zurücklegen, wenn sie quasi von den Kühen gleich "um die Ecke" stammt. "Wir haben den Frischmilchverkauf im März zuerst im eigenen Hofladen begonnen und dann Stück für Stück erweitert", sagt Christoph Hänel, seit 2017 Vorsitzender von "Bergland". Inzwischen gibt es die pasteurisierte Frischmilch in den Edeka-Märkten in Neuhausen, Lichtenberg und Freiberg an der Ehernen Schlange. Doch laut dem Landwirt ist das erst der Anfang. "Bergland" sei bei Edeka gelistet und könne sich nun weitere Partner suchen. Das sei nötig, soll unterm Strich langfristig für die Clausnitzer Landwirte von diesem regionalen Kreislauf etwas übrig bleiben.

Die 690 Milchkühe der Agrargenossenschaft geben täglich etwa 20.000 Liter Milch. Sie wird laut "Bergland"-Chef hauptsächlich in der Olbernhauer Molkerei zu Cheddar-Käse verarbeitet. Eine mobile Molkerei stelle zudem einmal monatlich aus 1000 Litern Milch verschiedene Käsesorten für den Hofladen von "Bergland" her. "Und wir füllen nun außerdem selbst bei uns im Betrieb wöchentlich 1000 Liter pasteurisierte Frischmilch in Literflaschen ab für die Märkte, für Großabnehmer auch in größere Gefäße ", sagt Christoph Hänel. Auf bis zu 2000 Liter täglich ließe sich nach seinen Worten die Menge erhöhen, obwohl das jetzige Verfahren handwerklich sehr aufwändig sei.

Im Hofladen können Kunden zudem selbst an einer Art Zapfstelle die bis zu sieben Tage haltbare Frischmilch in Flaschen abfüllen und kaufen. Zum Sonderpreis gibt es sie jedoch nicht - 1,50 Euro je Liter ist zu zahlen. "Es ist ein strenges Verfahren, das Zertifikat für die Direktvermarktung zu bekommen", fasst Christoph Hänel zusammen. Oberstes Gebot für das Lebensmittel: die Hygiene. "Wir können zurückverfolgen, wann die Milch abgefüllt wurde - sogar wann sie durch wen gemolken wurde", erklärt er. Und auch Schulen in der Region, die am EU-Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch teilnehmen, beliefert "Bergland" mit der frischen Milch.

Während die Milchkühe der Agrargenossenschaft - sie werden zweimal täglich gemolken - im Stall bleiben, sind die 280 Mutterkühe samt Nachkommen auf den Weiden zu finden. Die sechs Monate alten Kälber werden zur Mast an andere Betriebe verkauft, das Fleisch der Weiderinder dient ebenso der Direktvermarktung. Zwar konnten die Tiere alle versorgt werden, doch auch für die Clausnitzer war der trockene Sommer eine Herausforderung. "Wir haben massive Einbußen, sind aber im Erzgebirge immer noch besser dran als die Betriebe beispielsweise in Nordsachen", sagt der Landwirt. Trotzdem liege der Ertrag bei Grünfutter bei weniger als der Hälfte anderer Jahre. Bei Getreide, Mais und anderen Ackerkulturen sei die Ernte durchschnittlich. "Bergland", insgesamt 1900 Hektar Land werden bewirtschaftet, muss nun von Reserven zehren. "Die finanziellen Einbußen können wir stemmen, sind nicht auf Hilfen angewiesen", sagt Hänel. Eigentlich will er solche Hilfen überhaupt nicht. "Es wäre besser, wenn die Landwirtschaft für ihre Produkte leistungsbezogen bezahlt würde", spricht er ein heiß diskutiertes Problem an. Aber: "Der Weltmarkt gibt die Preise vor, das ist die eine Seite, die unterschiedlichen Standards und Produktionsbedingungen sind die andere. Auf dieser Basis können und wollen wir aber nicht produzieren", sagt er.

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